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Hinter den Kulissen (1) Die Beleuchter am Nationaltheater

Rund 1000 Scheinwerfer gibt es in der Bayerischen Staatsoper. Bei Aufführungen sind hunderte Lampen im Einsatz. Um immer das perfekte Licht zu schaffen, braucht es viele Menschen, die die Bühne gekonnt in Szene setzen.

Von: Ulrich Zwack

Stand: 10.09.2017 | Archiv

Die Bayerische Staatsoper besitzt Weltruf. Die Bühne des Münchner Nationaltheaters gehört mit insgesamt 2300 Quadratmetern zu den größten Opernbühnen überhaupt. Das verpflichtet natürlich auch zu höchstem Standard auf technischem Gebiet. Deshalb ist der Scheinwerferpark der Staatsoper wahrhaft gigantisch.

"An die 1000 Scheinwerfer besitzen wir. Also vom kleinsten bis zum größten. Die sind nicht ständig in Betrieb. Wir baben sie im Lager. Das normale Glühlicht, das gibt‘s bei uns immer noch. Es ist zwar nicht mehr der Stellenwert, den es früher hatte. Aber es wird immer noch verwendet. Glühlicht ist immer noch das schönste Licht, um Personen und Haut, vor allem Gesichter, auszuleuchten."

Christan Kaas, Christian Kass, Oberbeleuchtungsmeister

Viele Berufe, die sich dem richtigen Licht verschrieben haben

Bei der Bühnenbeleuchtung von heute geben die Lichtgestalter den künstlerischen Ton an. Die Ausbildung dazu gibt es hierzulande erst seit wenigen Jahren. Etwa in Form eines Masterstudiums an der Hochschule Wismar oder an der TU München. Es soll spartenübergreifend Lichtgestaltung sowohl für architektonische als auch für künstlerisch-kulturelle Aufgaben vermitteln.

Computergesteuerte Scheinwerfer

Die Stellwerker sorgen für die technische Umsetzung. Ihre Aufgabe besteht darin, die Ideen des Lichtdesigners in die Realität umzusetzen. Sie sitzen in einem kleinem Computerraum, dem Stellwerk. Er befindet sich über den Zuschauerrängen an der Rückwand des Theaters. Von dort aus werden die Bühnenscheinwerfer gesteuert. Der Lichtgestalter gibt während der Probe über ein Headset ständig neue Anweisungen, um die Beleuchtungseinstellung für eine bestimmte Szene zu ändern oder zu optimieren. Diese Anweisungen werden dann per Tastatur an die computergesteuerten Scheinwerfer weitergeleitet.

Hohe Leitern und Partituren

Daneben gibt es aber auch noch Helfer, die auf hohe Leitern steigen, um die größten, bis zu 100 Kilogramm schweren Scheinwerfer in Stellung zu bringen und mit Stahlseilen zu sichern, damit sie nicht herunterfallen und Schaden anrichten können. Besonders wichtig sind die sogenannten Lichtinspizienten. Sie zeichnen sämtliche Scheinwerfer-Einstellungen und Beleuchtungswechsel auf und tragen sie in die Partitur ein. So entsteht gewissermaßen ein Drehbuch für die Stellwerker.

Licht und Schatten

Auf der anderen Seite des Theaters, nämlich von der Bühne aus, wirkt die Beleuchtungskunst wenig zauberhaft. Peter Jolesch, einer der Charakterdarsteller des Bayerischen Staatsballetts, hat seine Erfahrungen gemacht, wenn es um die sogenannten Lichtgassen geht.

"Es gibt Momente, wo‘s stört, natürlich. Also wenn man in die Gassen reinschaut und von der gegenüberliegenden Gasse raus muss, sieht man gar nichts, da ist man oft dermaßen geblendet, dass man oft blind rausgeht – so quasi."

Peter Jolesch

Es gibt halt auch auf der Bühne im übertragenen Sinn kein Licht ohne Schatten.


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