BAYERN 3 - Kino & DVD

Bully Schimmerlos Zettl

Max Zettl (Michael "Bully" Herbig) ist ein kleiner Chauffeur mit großen Ambitionen. Der Schweizer Verleger Doucier (Ulrich Tukur) will in Berlin ein neues Online-Magazin aufziehen. Doch als der designierte Chefredakteur Baby Schimmerlos überraschend stirbt, sieht Zettl seine Chance.

Autor: Marius Zekri Stand: 01.02.2012
Michael "Bully" Herbig und Karoline Herfurth im Film "Zettl" | Bild: Warner Bros. Ent.

Mit einer Mischung aus Skrupellosigkeit, Dreistigkeit und Schleimerei schafft er es tatsächlich in die Chefetage und die höchsten Kreise der Hauptstadt. Und versucht im Ränkespiel zwischen Politik, Kapital und Medien nicht den Überblick oder gar seinen Platz in der High Society zu verlieren. 

Kritik:

Bewertung

Filmbewertung: zwei von fünf Filmklappen | Bild: BR

"Nicht prickelnd!"

Irgendwo im Osten, kurz vor Moskau, da gibt es einen kalten ungastlichen Ort mit noch ungastlicheren Menschen und trotzdem will jeder Mal hin. Man nennt ihn Hauptstadt oder kurz Berlin. Für einen, der wie "Zettl"-Regisseur Helmut Dietl den Münchner Chic gewohnt ist, ist das die Vorhölle. Statt durchgestylter Cafés und wohlriechenden, gutaussehenden Menschen, gibt es hier vor allem schmerbäuchige Prolls, versoffene TV-Talkerinnen, falsche Frauen als echte Bürgermeister(innen) und skrupellose Politiker die ebenso macht- wie sexgeil sind. Preißn halt. Aber das muss man halt auch mal zeigen.

"Kir Royal" für die Hauptstadt?

Gut, dieses Bild hat mit der Realität nichts zu tun, aber Dietl gilt als Satire-Experte und Satire darf ja erst mal alles. Aber wer, wie Dietl, derlei verspricht, der muss auch liefern. Und genau das tut er bei "Zettl" nicht. Die Fernsehserie "Kir Royal", die Dietl in den 80er Jahren zur Legende machte und die hier Pate stand, lebte von ihrem feinen, beißenden Spott über die Münchner Bussi-Gesellschaft. Fast schon chirurgisch sezierte Dietl damals die Befindlichkeiten der Schickeria, hielt ihr den Spiegel vor und ließ Deutschland darüber lachen. Für "Zettl", so scheint es, hat er dagegen einfach nur seine schlimmsten Albträume aufgeschrieben und sie von Co-Autor Benjamin von Stuckrad-Barre mit den gängigen Hauptstadtklischees garnieren lassen.

Statt Brandenburger Tor gibt's digital eingefügte Wolkenkratzer und Autowracks in herunter gekommenen Straßen. Aus jedem Bild, aus jeder Dialogzeile brüllt einen Dietls Fassungslosigkeit über die Hauptstadt und ihre Bewohner an. Obwohl er für den Film lange in Berlin recherchiert hat, sieht "Zettl" so aus, als ob er dort nie angekommen ist. Dabei gäbe es in der Hauptstadt so viel zu verspotten - von der Politik bis zur Society (und der Produzent des Films, Christian Wulffs "Freund" David Groenewold, hätte bestimmt Insiderinfos liefern können). Doch Helmut Dietl begnügt sich mit einer platten Freakshow, in der Klischeefiguren sich durch eine zähe, unübersichtliche Handlung wurschteln. Lustig, spöttisch oder gar unterhaltsam geht anders.

Viele Stars und wenig Story

Als Lichtblick stehen dann ja noch die vielen bekannten Namen auf dem Filmplakat, aber auch sie spielen hier nur ihr eigenes Klischee. Bully Herbig als Titelheld Max Zettl überzeugt als schleimiger Karrierist genauso wenig wie Harald Schmidt als Ministerpräsident oder Götz George als Bundeskanzler. Einzig Senta Berger und Dieter Hildebrandt, die "Kir Royal"-Überbleibsel, geben dem Film etwas von der Größe der Serie zurück.

Fazit: Seit "Rossini oder die mörderische Frage wer mit wem schlief" hatte Helmut Dietl keinen wirklichen Erfolgsfilm mehr. Und das ist schon 15 Jahre her. Auch "Zettl" hat das Zeug als Flop in Dietls Filmographie zu landen. Denn für eine Satire fehlt dem Film der Biss, für eine Komödie der Witz und für ein Drama die Ernsthaftigkeit. "Kir Royal" brachte Helmut Dietl Bewunderung, "Zettl" dagegen bringt ihm höchstens Mitleid.

Infos:

  • Originaltitel: Zettl
  • Genre:  Komödie 
  • Regie: Helmut Dietl
  • Drehbuch: Helmut Dietl, Benjamin von Stuckrad-Barre
  • Darsteller: Michael "Bully" Herbig, Karoline Herfurth, Harald Schmidt, Dagmar Manzel, Ulrich Tukur, Dieter Hildebrand, Senta Berger, Götz George
  • Kamera: Frank Griebe
  • Musik: Gerd Baumann
  • Kinostart: 2. Februar 2012
  • FSK-Freigabe: o. A.