BAYERN 3 - Kino & DVD

Die goldenen 20er The Artist

Das Hollywoodkino der 20er Jahre steht vor einer einschneidenden Veränderung: Der Tonfilm kommt! Was für die etablierten Stars der Stummfilmära eine existenzielle Bedrohung darstellt, gibt jungen Nachwuchstalenten die Chance auf der Leinwand groß herauszukommen. "The Artist" zeigt inmitten dieser turbulenten Zeit eine zarte Liebesgeschichte zwischen dem alternden Stummfilmstar Georg Valentin (Jean Dujardin) und der jungen, aufstrebenden Peppy Miller (Bérénice Béjo).

Autor: Tobias Martin Stand: 09.01.2012
Filmszene "The Artist" | Bild: Delphi

Georg Valentin ist der Prototyp des Hollywoodstars der 20er Jahre: selbstherrlich, eitel und anmaßend, aber charmant wie kein Zweiter. Er genießt seinen Ruhm und die Gunst der Damenwelt in vollen Zügen. Ganz besonders hat es ihm die junge Peppy Miller angetan, über die er durch Zufall bei einer seiner Filmpremieren stolpert und sich sofort in sie verguckt. Er protegiert die bezaubernde Peppy und verhilft ihr zum Sprung auf die große Leinwand.

Als die Studiobosse Georg die neueste Erfindung namens "Tonfilm" präsentieren, hat der nur Spott und Hohn für die neue Technik übrig. Er verweigert sich konsequent dem Ton und setzt in alt bewährter Manier auf den Stummfilm. Ganz anders Peppy - begeistert von den neuen Möglichkeiten wird sie der neue Star am Himmel Hollywoods, während Georges Stern unaufhaltsam sinkt.  

Kritik:

Bewertung

Filmbewertung: fünf von fünf Filmklappen | Bild: BR

"Erfrischendes, modernes schwarzweiß Kino!"

"The Artist" ist tatsächlich ein schwarzweißer Stummfilm. Die meiste Zeit wird das Geschehen auf der Leinwand von stilechter Orchestermusik untermalt, die Dialoge gibt es auf eingeblendeten Text-Tafeln zu lesen. Dieses Stilmittel erschafft den idealen Rahmen für die Handlung im Hollywood der 20er Jahre - die Geschichte und der filmerische Rahmen passen bei "The Artist" perfekt zusammen.

Stimmige Inszenierung

Auch die Inszenierung stimmt: Manche Szenen sind zum schreien komisch, trotz oder gerade weil sie nur schwarzweiß und stumm funktionieren, und erinnern an die große Situationskomik eines Charlie Chaplin. Dazu kommt, dass das Team um Regisseur Michael Hazanavicius neben dem Humor auch den Stil dieser Epoche perfekt reproduziert hat, ohne altbacken zu wirken. So frisch und unbeschwert kam zuletzt selten ein Film daher.

Einmal Kino bitte, Hund & Orchester inklusive

Neben der großartigen Leistung des Filmteams und der Darsteller ist bei "The Artist" natürlich auch die Musik ein wichtiger Bestandteil. Hier ist Ludovic Bource ein Glanzstück gelungen: Zu jeder Zeit passen die Orchesterklänge zur Handlung, ohne sich dabei in den Vordergrund zu drängen. Noch eine kleine Kuriosität am Rande: Neben Jean Dujardin, der für seine schauspielerische Leistung in Cannes 2011 mit dem Großen Preis für den besten Schauspieler geehrt wurde, ging ebenfalls in Cannes der Palm Doggy Award für den besten Hundedarsteller an Uggy, der in "The Artist" den treuen Gefährten von Georg Valentin gibt. Wuff!

Fazit: "The Artist" ist ein cineastisches Meisterstück mit fein gewebter Story, grandioser Kameraarbeit, hinreißenden Schauspielern, originalgetreuer Ausstattung und einem perfekten Soundtrack. Unbedingt sehens- UND hörenswert!

Infos:

  • Originaltitel: The Artist
  • Genre: Komödie
  • Regie: Michel Hazanavicius
  • Drehbuch: Michael Hazanavicius
  • Darsteller: Jean Dujardin, Bérénice Béjo, John Goodman, James Cromwell, Penelope Ann Miller, Missi Pyle, Malcom McDowell, Uggy, u.v.a.
  • Kamera: Guillaume Schiffman
  • Musik: Ludovic Bource
  • Kinostart: 26.01.2012
  • FSK-Freigabe: o.A.