BAYERN 3 - Kino & DVD

Wildes Autoren-Porträt Rum Diary

Gelockt von einem interessant klingenden Stellenangebot, reist der arbeitslose junge New Yorker Journalist Paul Kemp (Johnny Depp) nach Puerto Rico, um sich beim Provinzblatt "The San Juan Star" zu verdingen – und nebenbei das karibische Inselflair in vollen Zügen und mit vollen Rumgläsern zu genießen.

Von: Walli Müller Stand: 30.07.2012
Filmszene aus "The Rum Diary" | Bild: Wild Buch Germany

Doch die Bekanntschaft mit dem smarten Bauunternehmer Sanderson (Aaron Eckhart) und seiner bildhübschen Verlobten Chenault (Amber Heard) eröffnen ihm Einblicke in die amerikanische Schickeria, die sich im Inselparadies breit macht. Wenn es nach Sanderson geht, sollen Puerto Ricos Traumstrände mit Hotels zugepflastert werden. Und Kemp soll ihm auch noch die Werbetexte dafür verfassen. Der junge Journalist muss eine innere Haltung finden und danach handeln …

Kritik:

Bewertung

Filmbewertung: vier von fünf Sternen | Bild: BR

"Komödie mit ernstem Kern!"

Johnny Depp spielt hier erst mal einen ziemlich fertigen Typen. Zum Vorstellungsgespräch bei der Zeitung hat dieser Paul Kemp (ein Alter Ego von Hunter S. Thompson, auf dessen autobiographischem Roman der Film basiert) die komplette Hotel-Minibar intus. Große Ambitionen hat er auch nicht wirklich, so dass es ihm gerade recht ist, erst mal das tägliche Horoskop zu erfinden. Aber im Laufe des Films schärft sich sein Blick, findet er seinen Standpunkt und seine Stimme.

Auf Puerto Rico erwacht der kritische Journalist

Die Zeit auf Puerto Rico hat der berühmte amerikanische Journalist und Schriftsteller Hunter S. Thompson (1937 – 2005) wohl als Wendepunkt in seinem Autorenleben betrachtet. In den 60er Jahren ist die Insel das, was zuvor Kuba war: Eine verkappte amerikanische Kolonie, ausgepresst von skrupellosen Spekulanten; die Strände zubetoniert mit grausigen Hotelkomplexen, die einheimische Bevölkerung ausgesperrt: Zutritt zum Strand nicht gestattet. Es dauert ein Weilchen, bis der dauerbenebelte Journalist klar sieht: Das Elend der Bevölkerung, die getretene Würde der Puerto Ricaner und die Ausbeutermentalität und Gier seiner amerikanischen Landsleute. Hier erwacht der kritische Journalist in ihm, der mit seinen wilden, kämpferischen Texten später in Renommierblättern wie dem "Time Magazine" oder dem "Rolling Stone" für Furore sorgte.

Komödiantisch erzählt

Vom exzessiven Leben und munteren Drogenkonsum dieses Mannes erzählte 1998 schon "Fear and Loathing in Las Vegas" – auch damals mit Johnny Depp in der Hauptrolle. Depp war seither ein enger Freund von Hunter S. Thompson, der sich 2005 das Leben nahm, und ist bestens vertraut mit der Person, die er da erneut spielt. "Rum Diary" ist kein verschwurbeltes Autorenporträt, sondern eine recht kurzweilige, komödiantisch erzählte Geschichte. Sogar mit ein paar handfesten Action-Einlagen und einer betörenden Meerjungfrau - Amber Heard - , der der Held sofort hoffnungslos verfällt (gemunkelt wird ja, dass es Johnny Depp im richtigen Leben genau so ging …). Netter wurden im Kino lange nicht Drogen konsumiert, Hähne in die Kampfarena geschickt, Schrottautos erst richtig verschrottet und natürlich literweise Rumflaschen geleert.

Fazit: Ein junger Schreiberling reift im Karibik-Ambiente vom standpunktlosen Journalisten zum sozialkritischen Autor. Johnny Depp spielt großartig wie immer, und Aaron Eckhardt gibt als Schnösel im weißen Anzug einen sehr adretten Buhmann ab.

Infos:

  • Originaltitel: The Rum Diary
  • Genre: Komödie, Drama
  • Regie: Bruce Robinson
  • Drehbuch: Bruce Robinson nach dem Roman von Hunter S. Thompson
  • Darsteller: RJohnny Depp, Aaron Eckhart, Michael Rispoli, Amber Heard, Richard Jenkins, Giovanni Ribisi, Amaury Nolasco, Marshall Bell, Bill Smitrovich, Julian Holloway
  • Kamera: Dariusz Wolski
  • Musik: Christopher Young
  • Kinostart: 02.08.2012
  • FSK-Freigabe: ab 12 Jahren

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