Oscars Die Nacht der Nächte in Hollywood
Kinderbuch-Verfilmung in 3D gegen Stummfilm in Schwarz-Weiß aus Frankreich. So lautet das Duell bei den Oscars, die heute Nacht in Hollywood vergeben werden. "Hugo Cabret" geht mit elf Nominierungen ins Rennen, "The Artist" mit zehn - beide jeweils als Bester Film. In der Kategorie "Bester Dokumentarfilm" ist Wim Wenders mit seinem Tanzfilm "Pina" nominiert.
Wer hätte das gedacht? Hollywood-Altmeister Martin Scorsese, bislang eher bekannt für blutige Kinodramen, verfilmt die Geschichte eines Waisenjungen im Paris der 1930er-Jahre - und könnte für "Hugo Cabret" seinen zweiten Regie-Oscar bekommen. Die Chancen stehen nicht schlecht, denn in dieser Kategorie hat Scorsese nur vier Konkurrenten, unter anderem allerdings Michael Hazanavicius, der bei "The Artist" Regie führte. Der Film, eine Hommage an Hollywoods Stummfilm-Ära, ist - anders als "Hugo" - auch in zwei Schauspieler-Kategorien nominiert: Jean Dujardin (Bester Hauptdarsteller) und Bérénice Bejo ("Beste Nebendarstellerin"). Dujardin lag im Laufe der Woche mit Fieber und Bronchitis im Bett, wollte aber für die Verleihung wieder fit sein.
Preisträger und Nominierte
Hauptrolle
Männlich:
- Demián Bichir ("A Better Life")
- George Clooney ("The Descendants - Familie und andere Angelegenheiten")
Gewinner: Jean Dujardin ("The Artist")
- Gary Oldman ("Dame, König, As, Spion")
- Brad Pitt ("Die Kunst zu gewinnen - Moneyball")
Weiblich:
- Glenn Close ("Albert Nobbs")
- Viola Davis ("The Help")
- Rooney Mara ("The Girl with the Dragon Tattoo - Verblendung")
Gewinnerin: Meryl Streep ("The Iron Lady")
- Michelle Williams ("My Week With Marilyn")
Nebenrolle
Männlich:
- Kenneth Branagh ("My Week With Marilyn")
- Jonath Hill ("Die Kunst zu gewinnen - Moneyball")
- Nick Nolte ("Warrior")
Gewinner: Christopher Plummer ("Beginners")
- Max von Sydow ("Extrem laut und unglaublich nah")
Weiblich:
- Bérénice Bejo ("The Artist")
- Jessica Chastain ("The Help")
- Melissa McCarthy ("Bridesmaids - Brautalarm")
- Janet McTeer ("Albert Nobbs")
Gewinnerin: Octavia Spencer ("The Help")
Film
Gewinner: "The Artist"
- "The Descendants -Familie und andere Angelegenheiten"
- "Extrem laut und unglaublich nah"
- "The Help"
- "Hugo Cabret"
- "Midnight In Paris"
- "Die Kunst zu gewinnen - Moneyball"
- "The Tree of Life - Der Baum des Lebens"
- "Gefährten"
Film Ausland
- "Bullhead" aus Belgien
- "Footnote" aus Israel
- "Monsieur Lazhar" aus Kanada
Gewinner: "A Separation - Nader und Simin - Eine Trennung" aus Iran
- "In Darkness" aus Polen
Dokumentarfilm
- "Hell and Back Again" (Danfung Dennis und Mike Lerner)
- "If a Tree Falls: A Story ot the Earth Liberation Front" (Marshall Curry und Sam Cullman)
- "Paradise Lost 3: Purgatory" (Joe Berlinger und Bruce Sinofsky)
- "Pina" (Wim Wenders und Gian-Piero Ringel)
Gewinner: "Undefeated" (TJ Martin, Dan Lindsay und Richard Middlemas)
Regie
Gewinner: Michael Hazanavicius ("The Artist")
- Alexander Payne ("The Descendants - Familie und andere Angelegenheiten")
- Martin Scorsese ("Hugo Cabret")
- Woody Allen ("Midnight in Paris")
- Terrence Malick ("The Tree of Life - Der Baum des Lebens")
Musik
Beste Filmmusik (Score):
- John Williams ("Die Abenteuer von Tim und Struppi")
Gewinner: Ludovic Bource ("The Artist")
- Howard Shore ("Hugo Cabret")
- Alberto Iglesias ("Dame, König, As, Spion")
- John Williams ("Gefährten")
Bester Filmsong:
Gewinner: "Man or Muppet" aus "The Muppets" (Musik und Text Bret McKenzie)
- "Real in Rio" aus "RIO" (Musik: Sergio Mendes und Carlinhos Brown, Text: Siedah Garrett)
Animation
- "A Cat in Paris"
- "Chico & Rita"
- "Kung Fu Panda 2"
- "Der gestiefelte Kater"
Gewinner: "Rango"
Kostüme
- "Anonymous" (Lisy Christl)
Gewinner: "The Artist" (Mark Bridges)
- "Hugo Cabret" (Sandy Powell)
- "Jane Eyre" (Michael O'Connor)
- "W.E." (Arianne Philllips)
Keine echte Überraschung
Klotzen, nicht kleckern heißt wieder das Motto in der Kategorie "Bester Film": Hier stehen neben "Hugo Cabret" und "The Artist" sieben weitere Filme zu Wahl - keiner eine echte Überraschung. Nicht dabei ist George Clooneys Politthriller "The Ides of March - Tage des Verrats", dafür "The Descendants - Familie und andere Angelegenheiten", in dem Clooney die Hauptrolle spielt. Mit jeweils fünf Nominierungen liegen "The Descendants" und "Verblendung", die US-Version des Stieg Larsson-Bestsellers, gleich auf. Jeweils sechs Nominierungen haben das von Brad Pitt produzierte Baseball-Drama "Die Kunst zu gewinnen - Moneyball" und Steven Spielbergs Pferde-Drama "Gefährten".
Die Schauspieler- und Schauspielerinnen sind in etwa eine Neuauflage der Golden-Globe-Nominierungen, wobei es viele Veteranen in die Kategorie "Bester Nebendarsteller" geschafft haben, so zum Beispiel Querkopf Nick Nolte und Christopher Plummer. Meryl Streep darf zum 17. Mal zittern - Rekord! Zwei Mal hat sie den Goldjungen bereits gewonnen.
Drei deutsche Oscar-Hoffnungen
Münchnerin im Rennen
In der Kategorier "Bester Dokumentarfilm" ist Wim Wenders dabei. "Pina" ist seine 3D-Hommage an Tanzlegende Pina Bausch. "Ich freue mich ganz wahnsinnig für das Tanztheater und für Pina und die Tänzer und dass unsere Mission, Pina mit diesem Film ein Denkmal zu setzen, mit dieser Oscar-Nominierung wirklich ihren Höhepunkt erreicht hat", erklärte der Regisseur nach der Bekanntgabe der Nominierungen Anfang Februar.
Und noch zwei Deutsche könnnen auf einen Oscar hoffen: die Kostümbildnerin Lisy Christl und Nachwuchsregisseur Max Zähle. Christl ist Münchnerin, hat ihr Atelier aber in Berlin. Sie hat die Schauspieler in Roland Emmerichs Shakespeare-Epos "Anonymous" eingekleidet. Zähle, der bereits im Juni für seinen Kurzfilm "Raju" mit dem bronzenen Studenten-Oscar ausgezeichnet wurde, erhielt eine Nominierung in der Kategorie "Live-Action-Kurzfilm". Deutsche Schauspieler sind nur indirekt im Oscar-Rennen. Benno Fürmann, Herbert Knaup und Maria Schrader spielen im Drama "In Darkness" mit. Der Kriegsfilm der polnischen Regisseurin Agnieszka Holland ist einer der fünf besten nicht-englischsprachigen Filme.
Altbewährter Moderator
Nach der eher flauen Vorstellung von Anne Hathaway und James Franco setzt die Academy of Motion Picture, Arts and Sciences bei der 84. Verleihung wieder auf einen altbewährten Moderator: Schauspieler Billy Crystal wird zum neunten Mal durch die Show führen - und Millionen Filmfans werden weltweit am Fernseher live mitfiebern, wenn es heißt: "And the Oscar goes to ..." Einen Oscar überreichen dürfen unter anderem Tom Hanks, Angelina Jolie, Halle Berry, Tom Cruise, Jennifer Lopez, Cameron Diaz und Penélope Cruz. Neu ist in diesem Jahr der Name des Theaters: Weil der Filmehersteller Kodak insolvent ist, hat er den Sponsorenvertrag gekündigt. Nun heißt das Theater Hollywood & Highland Center und ist eine Nacht lang der Mittelpunkt der Filmwelt.

Wetter


