Musical-Epos Les Misérables
19 Jahre lang saß Jean Valjean (Hugh Jackman) im Gefängnis – zunächst für einen Brot-Diebstahl, danach für zahlreiche Fluchtversuche. Als er 1815 endlich auf Bewährung entlassen wird, begeht er sofort den nächsten Diebstahl. Doch der bestohlene Bischof hat Mitleid mit Valjean und behauptet, er habe ihm das geraubte Silber geschenkt.
Valjean beschließt daraufhin, ein anständiger Mensch zu werden. Und mit dem kleinen Vermögen, das ihm der Bischof überlassen hat, kann er sich wirklich eine Existenz aufbauen. 1823 besitzt er unter dem neuen Namen Monsieur Madeleine eine eigene Fabrik. Obwohl er sich bemüht, seine Arbeiterinnen menschlich zu behandeln, übersieht er die Not, in der sich Fantine (Anne Hathaway) befindet. Als herauskommt, dass sie ein uneheliches Kind hat, wird sie vom Vorarbeiter entlassen. Nun muss sie – um ihr Kind ernähren zu können – erst ihre Haare, dann ihren Körper verkaufen. Als sie schließlich im Krankenhaus an einer Lungenentzündung stirbt, schwört ihr Valjean, sich um ihre Tochter Cosette zu kümmern. Gleichzeitig aber ist der Polizist Javert (Russell Crowe) hinter Valjean her. Er, der einst sein Gefängniswärter war, hat ihn wieder erkannt. Und weil er nicht daran glaubt, dass Menschen sich ändern können, will er ihn wieder ins Gefängnis bringen …
Kritik:
Bewertung
"Ergreifend!"
Von allen Erfolgs-Musicals ist "Les Misérables" mit Abstand das inhaltlich anspruchsvollste. Es basiert ja auch auf dem 1862 erschienenen Romanklassiker "Die Elenden" von Victor Hugo. Und da steckt so einiges drin: Schuld und Sühne, unglückliche und erfüllte Liebe, die Fähigkeit des Menschen, sich zu ändern. Aber auch das Elend des einfachen französischen Volks im beginnenden 19. Jahrhundert und die daraus resultierenden Volksaufstände.
Originalstimmen der Stars
Auf der Besetzungsliste wimmelt’s nur so vor Stars. Und die spannende Frage bei einem Film-Musical ist ja immer: Können diese auch wirklich singen? In diesem Fall werden's auch die deutschen ZuschauerInnen beurteilen können, denn zum Glück wurde auf Deutsch eingesungene Texte verzichtet und dafür das englische Original untertitelt. Schon mal vorweg: Hugh Jackman singt leidlich, Russell Crowe eher lausig. Aber das macht nichts. Denn viele sangesgewaltige KollegInnen machen's wieder gut! So liefert Anne Hathaway eine wirklich ergreifende Version des Musical-Hits "I dreamed a dream" ab. Amanda Seyfried (die Film-Colette) hat ihren glockenreinen Sopran ja schon im Abba-Musical "Mamma Mia!" offenbart. Und der junge Brite Eddie Redmayne (der Colettes große Liebe Marius spielt) ist als Tenor eine echte Entdeckung. Gut so, denn es wird VIEL gesungen in diesem Musical! Gesprochenen Text gibt's so gut wie gar keinen.
Musikalische Revolte
Die meisten Dialoge, ja sogar politische Diskussionen werden hier musikalisch ausgetragen. Das verlangt dem Publikum einiges an Konzentration ab. Und es dauert auch etwas, bis man sich in dieses Epos eingefunden hat. Dann aber packen Musik, Story und aufwändige Inszenierung von Regisseur Tom Hooper, der mit "The King’s Speech" 2011 den Oscar gewann. Und langsam dämmert einem auch, wie aktuell die Geschichte immer noch ist. Längst sind nicht alle Revolutionen ausgetragen. Immer noch verlieren täglich mutige Menschen ihr Leben im Kampf gegen Unterdrückungs-Regime.
Fazit: Erst etwas sperrig, dann zu Tränen rührend. Ein gelungenes und fast ausschließlich gesungenes Film-Musical in epischer Länge.
Infos:
- Originaltitel: Les Misérables
- Genre: Musical
- Regie: Tom Hooper
- Drehbuch: William Nicholson, Alain Boublil, Herbert Kretzmer, Claude-Michel Schönberg
- Darsteller: Hugh Jackman, Russell Crowe, Anne Hathaway, Amanda Seyfried, Eddie Redmayne, Helena Bonham Carter, Sacha Baron Cohen, Samantha Barks
- Kamera: Danny Cohen
- Musik: Claude-Michel Schönberg
- Kinostart: 21.02.2013
- FSK-Freigabe: Ab 12 Jahren

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