BAYERN 3 - Kino & DVD

Geheimdienst-Schach Dame, König, As, Spion

Mitte der 70er Jahre befinden sich Ost und West im Kalten Krieg. Was vorher im offenen Kampf an der Front des zweiten Weltkriegs ausgetragen wurde, erledigen nun im Untergrund die Geheimdienste.

Autor: Walli Müller Stand: 01.02.2012
Filmszene aus "Dame, König, As, Spion" | Bild: Studiocanal

Den britischen MI 6 – von seinen Mitarbeitern "Circus" genannt - leitet ein erfahrener Mann mit Decknamen Control (John Hurt). George Smiley (Gary Oldman) ist seine rechte Hand – bis beide Männer nach einer katastrophal schief gelaufenen Mission in Ungarn ihren Hut nehmen müssen. Die Nachfolge tritt eine jüngere Generation um Percy Alleline (Toby Jones), Bill Hayden (Colin Firth), Roy Bland (Ciarán Hinds) und Toby Esterhase (David Dencik) an. Doch Control ist ganz sicher: Einer von ihnen muss ein russischer Doppelagent – ein "Maulwurf" – sein. In streng geheimer Mission beginnt George Smiley, nach ihm zu suchen …

Kritik:

Bewertung

Filmbewertung: vier von fünf Filmklappen | Bild: BR

"Schön altmodisch und komplex!"

Seine großen Erfolge feierte Bestseller-Autor John le Carré in den Zeiten des Kalten Krieges. Nachdem er selbst jahrelang als Undercover-Agent für den britischen Geheimdienst MI 6 im Einsatz war, wechselte er die Seiten und schrieb Agenten-Thriller, die schon auf Grund seines Insider-Wissens viel spannender waren als alle anderen. Bereits 1961 erfand er die Figur des George Smiley, die in mehreren seiner Romane die Hauptrolle spielt und in der Neuverfilmung von "Dame, König, As, Spion" von Gary Oldman verkörpert wird. Eine klassische Männer-Rolle, die Oldman im wahrsten Sinne ohne mit der Wimper zu zucken spielt. Es muss schon etwas Gewichtiges zu sagen geben, wenn dieser beherrschte, wortkarge Mann mal den Mund aufmacht.

Agenten im Kalten Krieg

"Dame, König, As, Spion" ist ein klassisch altmodischer, inzwischen auch historisch interessanter Spionage-Thriller aus Zeiten einer erbitterten Feindschaft zwischen Amerikanern und Russen, voller Typen mit aschfahlen Gesichtern, farblosen Mänteln und abscheulichen Brillen. Die Produzenten haben sich einige der hervorragendsten britischen Charakterköpfe dafür ausgesucht: Neben dem Vorjahres-Oscar-Gewinner Colin Firth und Gary Oldman bannen auch John Hurt, Ciarán Hinds und Mark Strong mit ihren markigen Gesichtern. Lautlos wie Katzen bewegen sich diese Männer durch die düster grau-braun-schlammfarbene Welt ihres geheimen Zirkels. Und jederzeit belauert jeder jeden. Wirklich private "Freundschaft" gibt es hier nicht, nur professionelles Misstrauen. Geheimdienstchef Control hat auf der Suche nach dem Verräter die Köpfe seiner allerengsten Mitarbeiter auf Schachfiguren geklebt, inklusive seiner rechten Hand, George Smiley …

Aufmerksamkeit verlangt

Der schwedische Regisseur Tomas Alfredson beobachtet mit der Präzision eines Geheimagenten: Jedes Detail ist für ihn interessant - sogar die Fliege im Auto, die der eine genervt wegschlägt, während der andere nur im rechten Moment lässig das Fenster herunter kurbelt. Die Aufmerksamkeit des Publikums wird oft durch Schärfenverlagerung gelenkt, was auch die Betrachter zu genauem Hinsehen zwingt. Es wird hier überhaupt viel verlangt von den ZuschauerInnen: die Story ist komplex und verschachtelt; wichtige Informationen, persönliche Verstrickungen und Schwachstellen werden nur durch kurze Andeutungen preis gegeben, Zeitsprünge nicht durch Jahreszahlen erklärt. Man muss schon höllisch aufmerksam sein, um da nichts zu verpassen! Der Film kommt fast ganz ohne Action-Einlagen aus und fesselt doch mit einer latenten, leise knisternden Spannung, die vom erstaunlich zurückhaltenden jazzigen Soundtrack noch unterstrichen wird.

Fazit: Der schwedische Regisseur bringt einen ganz eigenen Stil in das altbewährte Genre ein und kann sich auf die markanten Gesichter seines Star-Ensembles verlassen. Ein Fest für Fans des guten alten Agenten-Thrillers.

Infos:

  • Originaltitel: Tinker, Tailor, Soldier, Spy
  • Genre: Agententhriller   
  • Regie: Tomas Alfredson
  • Drehbuch: Bridget O'Connor, Peter Straughan
  • Darsteller: Gary Oldman, Colin Firth, Tom Hardy, John Hurt, Toby Jones, Mark Strong, Benedict Cumberbatch, Ciarán Hinds, David Dencik, Philip Martin Brown, Kathy Burke, Laura Carmichael, Oleg Ozhabrailov, Amanda Fairbank-Hynes, Stephen Graham
  • Kamera: Hoyte van Hoytema
  • Musik: Alberto Iglesias
  • Kinostart: 02.02.2012
  • FSK-Freigabe: ab 12 Jahren