BAYERN 3

Fasten Von der Völlerei zum Genuss

Fasten reinigt Körper, Geist und Seele. Eigentlich eine gute Sache, doch vielen fällt es schwer auf Fleisch, Alkohol oder Schokolade zu verzichten. Die Fastenzeit kann dazu beitragen, genussvolles Essen wiederzuentdecken.

Stand: 21.02.2012
Frau trinkt Tee | Bild: colourbox.com

Während Fasten-Anhänger die reinigende Wirkung des Verzichts preisen, ist für viele Menschen eine solch lange Zeit ohne kleine Sünden schwer vorstellbar. Wieso fällt es nur so schwer, auf kulinarische Genüsse zu verzichten? Das liegt an der unmittelbaren oralen Lust, die uns Essen bringt.

40 Tage - oder mehr?:

Die christliche Fastenzeit beginnt am Aschermittwoch und endet am Karsamstag, so lautet eine Variante. In diesem Zeitraum sind 40 Fastentage vorgesehen, wobei die Sonntage nicht dazu zählen. Beschlossen wurde dies auf der Synode von Benevent im 11. Jahrhundert. Eine andere Lesart der Fastenzeit besagt, dass sich die Fastenzeit von Aschermittwoch bis Palmsonntag erstreckt, Sonntage mit eingeschlossen. Dieser Zeitraum beträgt stets exakt 40 Tage. Mit dem Palmsonntag setzt die Heilige Woche ein, die laut dieser Variante einen besonderen Abschnitt darstellt.

Verführung Schokolade

Apfel mit Wasser | Bild: colourbox.com zum Artikel Entschlacken, Entgiften, Fasten Ist das wirklich gesund?

Fasten ist nicht einfach das Weglassen von fester Nahrung und Alkohol. Für viele Menschen spielt die spirituelle Seite eine große Rolle. Zum Ende des Winters soll der Körper gereinigt und entschlackt werden. Wirkt eine Fastenkur tatsächlich entgiftend oder belastet sie eher die Gesundheit? [mehr]

Gerade ungesunde, fettige Kalorienbomben scheinen einen besonderen Lustfaktor zu besitzen. Bei Obst, Gemüse und Salat fällt es den meisten leicht aufzuhören, sobald sie satt sind. Anders ist das beispielsweise bei Schokolade: Hier scheint das Motto "Ein Stück ist kein Stück" zu gelten - und schwupps ist die halbe Tafel verputzt. Der Grund dafür liegt tief in unserem Unterbewusstsein: Schokolade bringt uns das tröstliche Gefühl der Kindheit zurück. Zurücklehnen und die zarte Süße auf der Zunge zergehen lassen, ganz ohne Widerstand und Kauen, nur Schlucken - das ist ihr Geheimnis. Davon bekommt so mancher einfach nicht genug.

Der Abschied vom Genuss

Doch die schokoladigen Sünden sind meist nicht die größten. Viel schlimmer ist es, dass sich die Nahrungsaufnahme immer weiter entfernt vom befriedigenden und sozialen Erlebnis. Immer mehr Menschen verlieren beim Essen das Maß, die Gesellschaft und schließlich auch den Genuss: Aus gediegenen Gaumenfreuden im Freundeskreis wird die schnelle Völlerei vor dem Fernseher. Das Ergebnis: ein zunehmender Verfall der Esskultur, ein permanentes schlechtes Gewissen und hartnäckige Fettpölsterchen auf der Taille. Gegen diesen Trend könnte die Fastenzeit ansteuern: Der bewusste Verzicht klärt den Blick für die eigene Ernährung. Denn Genuss muss nicht unvernünftig und maßlos sein.

Fasten in Bayern

Die Bayern liegen laut einer Forsa-Umfrage, die im März 2011 veröffentlicht wurde, beim Fasten bundesweit an der Spitze. 44 Prozent haben schon einmal für einen längeren Zeitraum auf etwas verzichtet. Sinnvoll finden das sogar 64 Prozent. In Ostdeutschland hingegen fasten nur rund 30 Prozent, 29 Prozent der Ostdeutschen lehnen es prinzipiell ab. Am ehesten würden die Bürger im Freistaat auf Alkohol verzichten, Süßigkeiten landeten auf Platz zwei, Fleisch und Zigaretten teilen sich den dritten Platz.

Maßvoller Genuss

Sich Zeit nehmen und genießen

Bestes Beispiel dafür: die Franzosen. Bei unseren europäischen Nachbarn wird die Schlemmerei groß geschrieben, Festmahle dauern oft mehrere Stunden und beim Essen Kalorien zu zählen, das gilt als absolute Sünde. Und trotzdem gelten die Menschen in Frankreich als schlanker und gesünder als die Deutschen. Der Trick: Die Franzosen genießen ihre Mahlzeiten, schmecken die feinen Gewürznuancen und lassen sich die Leckereien in aller Ruhe auf der Zunge zergehen. Und deshalb müssen die Teller auch nicht bis über den Rand voll geladen sein. In der Haute Cuisine geht es eben um Qualität - und nicht um Quantität.

Fastentipps

Bewegung

Das Auto stehen lassen: Bei einem Fußmarsch oder auf dem Fahrrad kann man seine Gedanken besser schweifen lassen - und zudem ist es gesünder.

Medienkonsum

Fernsehkonsum und Zeit am Computer reduzieren: Statt passiv zu konsumieren sollte man lieber ein Buch lesen oder ein gutes Gespräch suchen.

Genussmittel

Genussmittel einschränken, Essverhalten kontrollieren: Wenn man nicht ganz auf Genussmittel wie Zigaretten und Alkohol verzichten möchte, so kann man doch weniger und gesünder essen oder sich nur die Zigaretten anzünden, die man wirklich bewusst und in Ruhe raucht.

Feiern

Laute Gesellschaften und Partys meiden: Die stillen Stunden nur mit sich alleine, die sind in unserer hektischen Zeit selten geworden. Und genau diese Stille sollte man sich in der Fastenzeit gönnen.

Stress

Stress meiden: Gar nicht so einfach, aber wenn man bewusst zumindest die privaten Termine nach die Fastenzeit verschiebt, hat man schon eine Menge weniger Aufregung.

Ordnung

Den Haushalt ordnen: Das heißt erst einmal, sich von altem Ballast zu trennen, die eigenen Papiere durchsehen und Liegengebliebenes in Ruhe zu erledigen. Das schafft Luft.

Nächstenliebe

An die Mitmenschen denken: Almosen geben, das gehört im Christentum zur Vorbereitungszeit auf Ostern. Kranken Nachbarn oder Verwandten behilflich zu sein oder auch eine Spende für soziale Zwecke zu tätigen - auch das kann das gute Gefühl in der Fastenzeit verstärken.