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Bauen gegen die Schwerkraft Renzo Piano wird 80

Das Centre Pompidou in Paris, The Sharp in London und das noble Museum Fondation Beyeler in Basel: Eine einheitliche Handschrift fehlt, aber der Genueser Architekt Renzo Piano hat sie alle entworfen. Heute wird er 80!

Von: Iris Buchheim

Stand: 14.09.2017

"Jemand musste rebellieren und mit der Vorstellung aufräumen, wie ein Kulturbau zu sein hatte, furchteinflößend und abwehrend. Jemand musste es tun!", hatten sich Renzo Piano und sein Kollege Richard Rogers gesagt, als sie sich gemeinsam beim Wettbewerb für das neue Kulturzentrum im Herzen von Paris bewarben. Sie gewannen den Zuschlag und schufen ein Gebäude, das im wahrsten Sinne des Wortes revolutionär war: Was sonst im Inneren verborgen ist - von der Gebäudetechnik bis zu den Aufgängen - wurde beim Centre Georges-Pompidou nach Außen gekehrt. Diese "Hightech-Parodie" - so Renzo Piano im Rückblick über das 1977 eröffnete Kulturzentrum - polarisierte extrem und machte den 1937 in Genua geborenen Baumeister weit über die Grenze des Fachpublikums hinaus bekannt.

Museumsbauten weltweit

Die Kunst- und Kulturzentren, die Renzo Piano danach baute, sind bei Weitem nicht so exzentrisch und revolutionär - im Gegenteil. Anders als das technisch-industrielle Bauwerk westlich des bürgerlichen Marais-Viertels, fügen sich seine neueren Bauten in ihre Umgebung ein und lassen sie zugleich in einem neuen Licht erscheinen: Sei es nun das sehr noble Museum Fondation Beyeler in Riehen bei Basel, das die ruhige Klarheit des Baus nach Außen im Garten der Vorstadt fortsetzt, oder das sehr nüchterne Withney Museum in New York, das ähnlich wie ein Schiffs- und Hafenbau daherkommt und einen grandiosen Blick auf den Hudson freigibt. Mit 79 Jahren hat Renzo Piano seinen neuesten Museumsbau eröffnet: das Centro Botín in der Bucht von Santander. Das zweigeteilte Gebäude steht auf Stützen, nur stählerne Treppen und Plattformen scheinen die beiden Teile zusammenzuhalten. So widersteht Architektur der Schwerkraft:

"Unser ganzes Leben lang kämpfen wir gegen die Schwerkraft an."

Renzo Piano

Wohntürme und Wolkenkratzer

Eine ganze Reihe Kritiker formierte sich gegen Renzo Piano, als "The Sharp" in London in den Himmel wuchs: 310 Meter hoch ist der Turm - eine vertikale Stadt für bis zu 10.000 Einwohner mit U-Bahnstation und Busbahnhof im Untergrund. Die Londoner Skyline schien in Gefahr. In Berlin zeichnet Renzo Piano für das DaimlerQuartier am Potsdamer Platz verantwortlich. Museumsbauten, überhaupt öffentliche Bauten, liegen dem Baumeister offenkundig mehr als Büro- und Geschäftstürme. Renzo Piano bekannte einmal: "Ich möchte Örtlichkeiten schaffen, an denen Menschen ihre Werte miteinander teilen können." Und diese Orte und Räume sollen zugleich schön sein:

"Ich liebe es über alles, Gebäude zu entwerfen. Aber am meisten liebe ich es, Orte für Menschen zu schaffen. Orte, an denen Menschen zusammenkommen können, für eine zivilisiertere, für eine bessere Welt"

. Renzo Piano


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