Bayern 2 - radioWissen


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Wertschätzung statt Manipulation

Von: Kathrin Hasselbeck / Sendung: Christina Teuthorn

Stand: 13.02.2015 | Archiv

PsychologieMS, RS, Gy

Gewalt fängt in der Sprache an. Deshalb kann sie auch durch Sprache aufgehalten werden - so lautet die Idee hinter dem Konzept der gewaltfreien Kommunikation.

Wenn der amerikanische Psychologe Marshall B. Rosenberg in einem palästinensischen Flüchtlingslager als "Mörder" beschimpft wurde, weil sein Heimatland Israel mit Waffen unterstützt, dann hatte er keine Angst, ja nicht einmal den Drang, sich zu rechtfertigen. Stattdessen versuchte Rosenberg, das Bedürfnis hinter der Anschuldigung des Flüchtlings zu verstehen - Empathie zu empfinden, Mitgefühl. Damit gewann er ihn für sich; der Konflikt löste sich auf.

Aufrichtigkeit und Empathie

In einem Streit kommt es oft zu Angriffen, Schuldzuweisungen - also zu Gewalt. Um diese zu verhindern, hat Rosenberg die gewaltfreie Kommunikation entwickelt, basierend auf zwei Säulen. Zum einen: Aufrichtigkeit. Beim Sprechen sollte man aufrichtig die folgenden vier Schritte nacheinander befolgen:

1. Beobachten, wahrnehmen - ohne zu bewerten.
2. In sich hineinhören, welche Gefühle hat man dabei?
3. Die eigenen Bedürfnisse erspüren und diese ...
4. ... in Form einer Bitte äußern.

Zum anderen: Empathie. Dazu gehört sowohl die Fähigkeit, die Gefühle der anderen zu verstehen als auch zu lernen, die eigenen Gefühle aufrichtig zu äußern.

Pseudogefühle

Die eigenen Gefühle zu benennen, ist eine Herausforderung. Häufig neigen wir dazu, statt der zugrundeliegenden Gefühle lieber zu umschreiben, wie wir denken, dass es in uns aussieht. Weil es schwer fällt zuzugeben, dass wir hilflos sind, formulieren wir etwas wie "Ich fühle mich nicht ernstgenommen. " Pseudogefühle können jedoch beim Gesprächspartner ein Schuldgefühl erzeugen und diesen dadurch in eine Verteidigungshaltung drängen. Daher lohnt es sich, genau aufzupassen und wahrzunehmen, in welche Kommunikationsfallen wir tappen.

Giraffe oder Wolf?

Rosenberg hat zwei verschiedene Zuhörerrollen durch Handpuppen versinnbildlicht: Dem Wolf kommt es darauf an, über das, was gesagt wird, zu urteilen. Egal ob nach Außen oder Innen, er hört kritisch, bewertend. Dagegen achtet die Giraffe auf Bedürfnisse und Gefühle: Wie geht es mir? Wie geht es meinem Gegenüber? Was brauchen wir? Dadurch wird das Gegenüber ernst genommen; gleichzeitig stellt sich eine Verbindung zwischen den Gesprächspartnern her. Gewaltfreie Kommunikation wird so zu einer Sprache des Mitgefühls.


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