Bayern 2 - Gesundheitsgespräch


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Empfehlung Regeln für die Hormontherapie

Ende 2016 wird eine Überarbeitung der Leitlinie zur Hormontherapie abgeschlossen. Darin finden sich dann die neuesten Empfehlungen zur Behandlung von Wechseljahresbeschwerden. Prof. Olaf Ortmann ist der Vorsitzende der dafür zuständigen Kommission: Er erhofft sich, dass in Zukunft eine noch individuellere Behandlung möglich ist und von allen Frauenärzten wirklich praktiziert wird.

Von: Monika Dollinger

Stand: 20.06.2016

Ratlose Frau | Bild: Image Source

"Bei allen Therapien sollte man klar Nutzen und Risiken gegenüberstellen und dann die Entscheidung fällen: Muss das gemacht werden oder muss das nicht gemacht werden. Die Hormontherapie ist ja eine Therapie, die man nicht machen muss. Eine Frau nimmt keinen gesundheitlichen Schaden, wenn sie keine Hormone nimmt, aber sie kann profitieren, wenn sie sie nimmt."

Prof. Olaf Ortmann, Vorsitzender der Kommission zur Überarbeitung der Leitlinie zur Hormontherapie

Wichtig:

Diese Frauen dürfen keine Hormone nehmen:

  • Frauen, die schon einmal Krebs hatten oder familiär vorbelastet sind; auch dürfen keine Knoten in der Brust vorhanden sein.
  • Frauen mit Erkrankungen des Herz-Kreislaufsystems
  • Wenn die Frau ihre Gebärmutter noch hat, muss sie Östrogene immer in Kombination mit Gestagenen nehmen.

Recht der Patientin

Jede Frau hat das Recht wirklich umfassend über die Hormontherapie, andere Therapiemöglichkeiten und ihr persönliches Risikoprofil aufgeklärt zu werden. Das gut strukturierten Aufklärungsgespräch muss sie in die Lage versetzen, zu entscheiden, ob und welche Maßnahme gut für sie ist und welche nicht. Dieses Recht der Frauen wird wahrscheinlich bei der Neufassung der Leitlinie detailliert beschrieben und damit gestärkt.

Weniger Thrombose-Risiko

Wenn man eine Hormontherapie durchführen möchte, ist oft der transdermale Einsatz besser als Tabletten. Die Östrogene werden über die Haut als Gel oder über ein Pflaster zugeführt. So braucht man oft eine geringere Dosis.

"Durch diese transdermale Therapie wird das Thromboserisiko nicht oder so gut wie nicht gesteigert, weil die Gabe über die Haut weniger stark zur Veränderung des Gerinnungssystems führt. Das ist eindeutig die zu bevorzugende Vorgehensweise."

Prof. Olaf Ortmann, Vorsitzender der Kommission zur Überarbeitung der Leitlinie zur Hormontherapie

Creme oder Zäpfchen

Es gibt auch Cremes mit Östrogenen, die an Ort und Stelle wirken. Sie sind bei Frauen gut geeignet, die Scheidentrockenheit haben. Dann helfen auch Vaginalzäpfchen.

Tipp: Hormonspirale

Da die Gestagene im Verdacht stehen, Krebsauslösend zu wirken, versucht man ihre Dosis zu reduzieren. Deswegen gibt es eine Spirale, die in geringer Dosis Gestagen freisetzt und direkt über die Schleimhaut wirkt.

Wichtig: Ausschleichen

Wenn man die Hormone abrupt absetzt, muss man davon ausgehen, dass man die Beschwerden wie Hitzewallungen später wieder bekommt. Deswegen ist es sinnvoll die Dosis langsam zu reduzieren, zum Beispiel nur alle zwei Tage einzucremen.

"Man kann langsam die Dosis der Hormone reduzieren. Das ist dann sogar langsamer als es der Körper im natürlichen Prozess macht. Es wäre falsch, wenn man sagt: Jetzt nehmen Sie ein paar Jahre Hormone. Dann hören Sie damit auf, dann werden Sie keine Probleme haben."

Prof. Christian Thaler im Vorstand der Deutschen Menopause-Gesellschaft und Gynäkologe ander LMU München


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