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Meteore im Oktober Wann Sternschnuppen funkeln

Im Oktober haben Sie ein paar Wünsche frei: Sternschnuppen flitzen! Erst kommen die "Drachen-Schnuppen" zu Besuch, danach die Orioniden. Wir verraten, wann und wo Sie die meisten Schnuppen im Oktober finden.

Von: Heike Westram

Stand: 29.09.2017

Wenn Sie im Oktober Sternschnuppen sehen wollen, müssen Sie ein wenig Zeit mitbringen und genau hinschauen. Doch dann lohnt sich die Suche: Zeitweise sind fünf Meteorschwärme zugleich aktiv, auch wenn jeder Strom nur einzelne Sternschnuppen schickt. Die ersten Sternschnuppen-Regen werden zwar vom Mond verdorben, doch danach haben Sie ein paar besondere Wünsche frei!

Draconiden mit Überraschung im Gepäck

Draconiden im Oktober

Vom 6. bis 10. Oktober sind die Delta-Draconiden oder Giacobiniden zu sehen, die vom Schweif des Kometen Giacobini-Zinner stammen. Mit zwanzig Kilometern pro Sekunde sind die Sternschnuppen relativ langsam und eignen sich gut zum Fotografieren.

Die meisten Sternschnuppen werden in der Nacht vom 8. auf den 9. Oktober unterwegs sein. Allerdings sind die Draconiden so unbeherrscht, dass der genaue Höhepunkt schwer vorherzusagen ist. Leider stört der Mond in diesem Jahr sehr, der mit fast noch voller Scheibe kurz nach halb neun Uhr - wenn es gerade richtig finster geworden ist - aufgeht und bis morgens mit hellem Licht die meisten Sternschnuppen überstrahlt.

Schnuppen-Sturm aus dem Drachen

Die Draconiden scheinen aus dem Sternbild Drachen zu kommen, das sich um den Kleinen Wagen und den Polarstern schlängelt - hoch am Himmel Richtung Nordwesten. Am frühen Abend steht dieser scheinbare Ausstrahlungspunkt, der Radiant, am höchsten. Das ist die beste Zeit zur Sternschnuppen-Suche. Danach sinkt der Drache langsam in den Nordwesten. In den Morgenstunden wandert der Radiant tief am Horizont im Norden entlang - dann sind nur wenige der Meteore noch zu sehen. Die Abendstunden sind daher am besten, um möglichst viele Draconiden zu sehen.

Ein Drachen-Sturm in so manchem Jahr

Sternschnuppen-Sturm

Für die Draconiden ist schwer vorhersagbar, wie viele Sternschnuppen erscheinen werden. Normalerweise sind es etwa zwanzig pro Stunde. Doch in manchen Jahren kommt es zu regelrechten Stürmen mit Hunderten von Meteoren in der Stunde. In Ausnahmejahren wie 1933 und 1946 waren es angeblich sogar Tausende. Zuletzt gab es im Oktober 2011 einen Draconidensturm mit 300 Sternschnuppen pro Stunde - ein halbes Jahr, bevor 21P/Giacobini-Zinner der Sonne ganz nah war. Das ist der Mutterkomet der Draconiden allerdings erst 2018 wieder und für 2017 sind daher keine erhöhten Sternschnuppen-Raten vorhergesagt.

Sternschnuppen-Infos

Wie viel Sie sehen

Die maximalen Fallraten, in Fachliteratur als ZHR angegeben, sind eine theoretische Größe. Die könnten Sie dann sehen, wenn der Radiant eines Meteorschauers senkrecht über Ihnen im Zenit wäre. Ist er tiefer, sinkt die Zahl deutlich. 
Und: Etwa ein Drittel des Himmels können Sie mit dem Blick umfassen. Sternschnuppen außerhalb dieses Drittels entgehen Ihnen.

Was sind Sternschnuppen?

Kreuzt die Erde eine alte Schweifspur eines Kometen, bringen deren winzige Staubteilchen beim Eintritt die Erdatmosphäre zum Glühen: Aufgrund ihrer hohen Geschwindigkeit regen die Teilchen die Atome unserer Atmosphäre zum Leuchten an. Was Sie am Nachthimmel aufblitzen sehen, ist also meist nicht das Teilchen selbst, sondern nur ein "Leuchtkanal" - die Bewegungsspur der Sternschnuppe. Auf ihrer Umlaufbahn um die Sonne begegnet die Erde immer wieder den gleichen Kometenspuren, daher treten viele Meteor-Schwärme periodisch zum gleichen Datum auf.

Meteor oder Meteorit?

Ein Meteor ist der Lichtstrahl, der entsteht, wenn ein Himmelskörper in die Erdatmosphäre eintritt und mit seiner kinetischen Energie deren Atome zum Leuchten anregt. Das Wort stammt vom griechischen metéōron ab, der "Himmelserscheinung". Den eintretenden Körper, der diese Leuchterscheinung verursacht, nennt man Meteoroid (gelegentlich auch Meteorid). Als Meteoriten werden die Bruchstücke bezeichnet, die tatsächlich am Erdboden anlangen.
Sternschnuppen werden von Körpern verursacht, die so klein sind (zwischen einem Millimeter und einem Zentimeter), dass sie vollständig in der Erdatmosphäre verglühen. Wir nehmen nur deren Lichtstrahl wahr: Meteore.

Nördliche & Südliche Tauriden, die Stier-Schnuppen

Komet mit langem Schweif

Im Oktober kommen auch die Tauriden zu Besuch: zwei Meteorströme, die wochenlang für ein leises Funkeln sorgen, schon ab dem Monatsanfang. Ursprünglich waren die Tauriden ein einziger Schwarm, Schweifspuren des Kometen 2P/Encke. Doch Jupiters starke Gravitation hat die Schweifspuren so weit auseinandergezogen, dass man inzwischen die Nördlichen von den Südlichen Tauriden unterscheidet. Für den Otto-Normal-Sternschnuppenzähler macht das keinen Unterschied: Beide Schwärme sind zur gleichen Zeit in der gleichen Himmelsregion unterwegs.

Sternschnuppen-Höhepunkt am 10. Oktober

Zwei Ströme aus dem Stier

Die Tauriden strömen aus dem Sternbild Stier, das im Oktober gegen elf Uhr abends seinen Kopf über den Horizont im Osten hebt. Je höher der Stier steigt, umso besser sind die Tauriden zu sehen. Während die Nördlichen Tauriden ihren Höhepunkt erst im November erreichen, haben die Südlichen Tauriden ihr Maximum schon am 10. Oktober - auch sie leider erheblich vom Mond gestört, der schon kurz nach zehn Uhr abends im Osten erscheint. Auch zum Höhepunkt fliegen nur fünf bis sieben Sternschnuppen pro Stunde.

Berühmt für ihre Leuchtkugeln

Ein Bolide

Die Tauriden lohnen sich noch aus einem anderen Grund: Sie haben manchmal große Leuchtkugeln im Gepäck, sogenannte Boliden. Und da die Sternschnuppen sehr hell und recht langsam sind, lassen sie sich gut fotografieren.

Fünf Meteorströme zugleich: Es läppert sich!

Zu den Südlichen Tauriden kommen aber noch einzelne Sternschnuppen der Nördlichen Tauriden dicht daneben. Vielleicht ist auch noch die eine oder andere Draconide ein Stück links vom Stier zu sehen. Und in etwas späterer Nacht könnten auch schon Orioniden-Sternschnuppen auftreten, ebenfalls im Osten. Vielleicht steuert sogar der kleine Meteor-Schauer der delta-Aurigiden noch etwas bei, der in der folgenden Nacht einen Höhepunkt mit mageren zwei Sternschnuppen pro Stunde hat. Die Summe macht's: Fünf Meteorschwärme sind gleichzeitig aktiv, drei davon mit ihrem Höhepunkt vom 8. bis 11. Oktober. Nutzen Sie den frühen Abend oder versuchen Sie, das Mondlicht beispielsweise mit einer Hauswand abzublenden - oder merken Sie sich das Datum für nächstes Jahr, da gibt's dann ungestörten Sternschnuppen-Genuss!

Tipps zum Fotografieren von Sternschnuppen

Zeit, Geduld & Übung

Sternschnuppen sind mit 35 bis 70 km/s ausgesprochen schnelle Objekte und daher schwer zu fotografieren. Bringen Sie Zeit und Geduld mit, um sich mit der Kamera erst einmal auf die Nachtfotografie "einzuschießen". Hier ein paar Tipps, falls Sie die Jagd mit der Kamera versuchen wollen.

Ausrüstung

Nachtfotografien müssen Sie so lange belichten, dass Sie die Bilder nicht mehr aus der Hand machen können.

  • Verwenden Sie Stativ und Fernauslöser (oder den Selbstauslöser), um die Bilder nicht zu verwackeln.
  • Sie benötigen eine Kamera, bei der Sie den Blitz ausschalten und Belichtungszeiten manuell einstellen können.
  • Benutzen Sie ein Objektiv mit möglichst kurzer Brennweite (Weitwinkel).

... und dann Licht, Licht, Licht

Sternschnuppen sind ausgesprochen lichtschwach. Um sie überhaupt abzulichten, hilft nur eins: So viel Licht wie möglich muss auf den Film! Die übrigen Objekte wie Bäume, Sterne etc. werden Sie damit überbelichten, allerdings sollte der Himmel dabei nicht allzu hell werden.

  • lange Belichtungszeiten wählen (bis zu 3 Minuten und mehr!)
  • Blende weit öffnen (kleine Blendenzahl)
  • hohe ISO-Werte einstellen

Orioniden-Sternschnuppen - die späten Flitzer

Von hier aus strömen die Orioniden

Ab dem 2. Oktober sind auch die Orioniden aktiv. Bis zum 7. November sind immer wieder Meteore dieses Meteorstroms zu sehen. Die Sternschnuppen entstammen dem Schweif des Halleyschen Kometen. Ihr Radiant, von dem sie scheinbar ausströmen, liegt im Sternbild Orion, das spät abends im Osten aufgeht und in den frühen Morgenstunden dann hoch steht - je später, desto besser. Damit kommen die Orioniden in etwa aus der gleichen Richtung wie die Tauriden - sehr praktisch für den Sternschnuppen-Sucher.

Unterscheiden können Sie die Orioniden, weil sie mit imposanter Geschwindigkeit über den Himmel flitzen: Bei sechzig Kilometern pro Sekunde muss man schnell gucken! Unter den Orioniden gibt es wie bei den Tauriden immer wieder große Leuchtkugeln, die meist einen Schweif hinter sich herziehen. Manche dieser Boliden sind so hell, dass sie sogar tagsüber zu sehen sind.

Höhepunkt am 21. Oktober

Zum Zeitpunkt ihres Maximums am 21. Oktober sowie in den Nächten davor und danach lohnt die Jagd normalerweise besonders: Pro Stunde blitzen dann rund zwanzig Sternschnuppen auf. In manchen Jahren gab es schon vierzig oder gar siebzig Schnuppen pro Stunde. Und die Orioniden können Sie völlig frei von Mondlicht genießen: Am 19. Oktober ist Neumond, die Nächte davor und danach sind weitestgehend mondfrei.

Und nicht nur Sternschnuppen hat der Oktober zu bieten - es ist in diesem Monat auch ein ganz besonderes Licht zu sehen!

Zeitangaben im "Sternenhimmel"

Auf- und Untergangszeiten für Bayern

Alle Zeitangaben sind für den Standort München berechnet. Insbesondere bei Auf- und Untergangszeiten müssen Sie für andere Orte in Bayern oder Deutschland einige Minuten hinzuzählen oder abziehen.
Faustregel: Pro Längengrad ostwärts ziehen Sie vier Minuten ab, westwärts zählen Sie pro Grad vier Minuten dazu.
Die Abweichung pro Breitengrad ist dagegen abhängig von Jahreszeiten und Himmelsrichtung des beobachteten Objekts. Im extremsten Fall - etwa dem Sonnenaufgang im Winter - weichen die Zeiten im äußersten Norden Deutschlands um etwa eine halbe Stunde ab.


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