Bayern 2

Faire Fabriken Spielzeug mit Zertifikat

Weil immer wieder von miesen Produktionsbedingungen in China zu hören ist, hat sich der Internationale Spielwarenverband ein Zertifikat für faire Produktionsbedingungen ausgedacht. Bisher ist das Zertifikat allerdings recht unbekannt – und verbesserungswürdig.

Von: Franziska Haack Stand: 29.01.2013

Das Zertifikat steht für den Verhaltenskodex des Spielwarenverbands – „International Council of Toy Industries“, kurz ICTI. Dessen Kodex beinhaltet zum Beispiel einen Mindestlohn, eine beschränkte Wochenarbeitszeit und das Verbot von Kinderarbeit. Mehr als 2.100 Zulieferfirmen und über 800 internationale Spielwarenhersteller beteiligen sich bereits am ICTI CARE Programm.

In zwei Schritten zu fairen Arbeitsbedingungen

Der eine Teil des Programms richtet sich an die internationalen Spielwarenhersteller. Sie können sich selbst dazu verpflichten, ab einem freigewählten Zeitpunkt nur noch bei Lieferanten einzukaufen, die am ICTI CARE Programm teilnehmen.
Um eben diese Lieferanten geht es im zweiten Teil des Programms: Die chinesischen Fabrikleiter müssen einen Kontrollbesuch beantragen. In der Regel hinterlassen die Kontrolleure eine Liste mit notwendigen Verbesserungen und einem Plan, wie diese Auflagen umgesetzt werden sollen. Regelmäßig werden die Fortschritte kontrolliert, bis nichts mehr zu beanstanden ist. Dann erst ist die Fabrik zertifiziert.
Aber schon ab dem ersten Kontroll-Besuch gilt die Fabrik als Teilnehmer am ICTI CARE Programm und wird auf der Internetseite veröffentlicht.

Kritik: Intransparenz, Unverbindlichkeit und Aussitzen

Sowohl Programm als auch Zertifikat sind umstritten: Denn in den meisten Punkten decken sie nur die gesetzlichen Mindeststandards ab. Doch nicht einmal die werden konsequent umgesetzt, schuld sind einige Strukturfehler im ICTI CARE Programm. Zu nennen wäre die Intransparenz. Nur die direkten Zulieferfirmen werden überprüft, nicht aber deren Vorproduzenten. Es besteht daher die Gefahr, dass die Produktion einfach zu Vorproduzenten ausgelagert wird. Die Lieferanten wären dann nur noch Musterbetriebe, während die eigentliche Arbeit bei den Vorproduzenten geleistet wird.

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Ein weiteres Problem ist die Unverbindlichkeit der Selbstverpflichtungserklärung. Auf www.icti-care.org gibt es eine Liste mit allen internationalen Spielwarenherstellern, die eine Selbstverpflichtungserklärung abgegeben haben. Allerdings geht aus der Liste nicht hervor, welche Hersteller die Verpflichtungserklärung auch in die Tat umgesetzt haben, denn ob die Hersteller wirklich auf die Zertifikate bestehen, wird nicht kontrolliert. Außerdem gelten die Fabriken ja bereits nach dem ersten Kontrollbesuch als Teilnehmer am ICTI CARE Programm. Der Gedanke dahinter ist, eine niedrige Einstiegsschwelle könne dafür sorgen, dass sich möglichste viele Firmen beteiligen.

Missbrauch zu einfach

Die niedrige Einstiegsschwelle begünstigt, dass Maßnahmen zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen verschleppt werden. Unter Umständen rechnet es sich für die Fabriken mehr, regelmäßig Gebühren für die Kontrollbesuche zu bezahlen, als den ICTI-Kodex wirklich umzusetzen. Das heißt: Sie sind im Programm und können damit werben, verändern aber die Arbeitsbedingungen nicht.

Die internationalen Hersteller sind nach der Selbstverpflichtungserklärung aus dem Schneider. Sie wälzen die Verantwortung einfach auf die Zulieferfirmen ab. Das Paradoxe: Eigentlich haben Spielzeughersteller ab einer gewissen Größe genug ökonomisches Gewicht, um die Lieferanten zur fairen Produktion zu zwingen. In der Realität üben sie aber mit knappen Lieferfristen und kurzfristigen Auftragsänderungen Druck auf die chinesischen Firmen aus, der für die Arbeiter Überstunden und mangelnde Sicherheitsvorkehrungen bedeutet.

Vorreiter bei der Umsetzung der Richtlinien

Es gibt natürlich Firmen, die die Selbstverpflichtungserklärung ernst nehmen und sich darüber hinaus engagieren. Zapf zum Bespiel war aktiv an der Umsetzung des ICTI CARE Programms beteiligt, testete im Voraus Fragebögen und führte Mitarbeiterschulungen durch. Allerdings sah Zapf einigen Handlungsbedarf, hatte der Hersteller doch seine gesamte Produktion nach China verlagert.

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Auch Ravensburger, Lego und Playmobil setzen sich seit Jahren für faire Arbeitsbedingungen ein. Lego engagiert sich außerdem dafür, dass diese auch für die Vorproduzenten gelten. Ravensburger unterhält eine eigene Organisation in Hongkong und China, die die Zulieferer kontrolliert. Bei der Firma Playmobil hingegen verlässt man sich auf die unabhängigen Kontrolleure vor Ort. Mit der Produktion in China möchte die Firma aber eigentlich lieber nicht in Zusammenhang gebracht werden. Denn Playmobil bezieht lediglich 3 Prozent der Gesamtproduktion, nämlich die elektronischen Komponenten aus China.

Weitere Informationen

Verbraucher, die sich näher über einzelne Hersteller informieren möchten, können dies auf der Internetseite www.fair-spielt.de. Dort gibt es eine Liste der am ICTI CARE Programm beteiligten Firmen, aus der auch hervorgeht, inwieweit die Hersteller ihre Selbstverpflichtungserklärung umgesetzt haben.


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