Bayern 2 - Programm

Willkommen daheim Die Zukunft des Wohnens

Wie werden wir in 30 bis 50 Jahren wohnen? Das lässt sich schlecht sicher vorhersagen. Aber die ArchitketInnen und StädteplanerInnen von heute gestalten das (Über)Morgen mit. Wilhelm Warning hat einige aufgesucht und nach ihren Ideen gefragt.

Stand: 28.12.2012

Wie wollen wir wohnen? Schon die Frage birgt ein Riesenproblem, denn dieses "Wir" gibt es nicht, es strebt auseinander. Die einen wollen in der Stadt wohnen, die anderen auf dem Land, die einen zusammen mit anderen - ob mit Familie oder Freunden - die anderen allein. In München sind mittlerweile mehr als die Hälfte der Wohnungen Single-Haushalte. Und von den Single-Stadtbewohnern wollen die einen eine möglichst pflegeleichte Wohnung haben, in der sie eigentlich nur noch chillen und schlafen: Sie brauchen keine Küche mehr, sind fast den ganzen Tag unterwegs, essen irgendwo außerhalb und bringen ihre Wäsche in die Reinigung. Andere Singles hätten lieber eine Wohnung, die Arbeits- und Wohnort in einem ist, sie verlassen ihre vier Wände tagelang nicht; sie können via Internet für alles sorgen und sich alles besorgen.

Doch so individuell wie die Wünsche und Vorlieben der Menschen von heute und morgen sind: Es gibt veränderte Bedingungen des künftigen Wohnungsbaus und es gibt - wie auch schon in der Vergangenheit und der Gegenwart - kompetente und gelungene Lösungen, aber auch jede Menge misslungene.

Dichte ist angesagt

Christoph von Öfele

"Spannend ist es, über Dichte nachzudenken, spannend, über den Radius nachzudenken, den man in fünf Fußminuten hat, was man gemeinhin so als Urbanität bezeichnet. Es wird aus unserer Sicht immer noch viel zu wenig dicht gebaut."

Der Wunschtraum der 50er-Jahre vom Eigenheim mit Garten auf grüner Wiese ist ausgeträumt, die Bedingungen für die Bauherren von heute und morgen sind andere. Die Ressourcen sind begrenzt: Weite Wege und zu viel Fahrerei ist möglichst zu vermeiden und das bedeutet: Selbst auf dem Land ist eine größere Baudichte angesagt. Doch Dichte ist nicht Dichte - wie Architekt Christoph von Öfele vom Büro NVA weiß. Es kommt auch bei der dichten Bebauung vor allem auf die Qualität an, auf die Infrastruktur eines Wohnviertels.

Es kommt auf die Mischung an

Ritz Ritzer

"Also ein wesentlicher Aspekt wird die Nahversorgung sein, ein weiterer Aspekt ist die Versorgung mit Sozialeinrichtungen. Das sind aber alles Dinge, die über das Planungsgebiet einer Wohnanlage hinausgreifen, das sind eigentlich stadtplanerische Themen, die eine Kommune vorantreiben muss, um die Attraktivität eines Siedlungsbereiches hochzuhalten oder zu kreieren."

Sache der Stadtplaner, weniger der Architekten, ist es, künftig für Mischbebauungen zu sorgen: dass Wohn-, Dienstleistungs- und Gewerbegebiete nicht mehr so auseinanderfallen. Das wäre in der Stadt wie auf dem Land eine angemessene Antwort auf die wachsende Überalterung der Bevölkerung, wie Architekt Ritz Ritzer vom Architekturbüro Bogevisch ausführt.

Nachhaltikgeit muss sein

Wohnanlage Hollerstauden: Hier werden Sonnenkollektoren zum Gestaltungsmittel

Die zunehmende Knappheit der Ressourcen macht künftig auch das ökologische Bauen, den Einsatz von Wind- und Sonnenenergie und von Biomasse zur Energiegewinnung noch nötiger. Zukunftsweisend ist die Art und Weise, wie das Architekturbüro Bogevisch bei der Wohnanlage Hollerstauden bei Ingolstadt die Photovoltaikanlagen auf dem Dach installiert hat: Nicht als einen ästhetischen Störenfried wie sonst häufig, sondern als ein markantes Gestaltungsmittel der Dachkonstruktion.

Das Beispiel Wilhelmsburg

Aus dem alten Flakbunker wird eine moderner Energiebunker

Unter dem Motto "Kreative Stadtentwicklung“ hat die IBA (Internationale Bauausstellung) aus einem ehemaligen Problemviertel im Süden Hamburgs ein Musterbeispiel für die "Stadt der Zukunft" und für nachhaltiges Bauen gemacht. Der neue "Energiebunker", der an der Stelle des Flakbunkers aus dem Zweiten Weltkrieg entsteht, wird mit einem Biomasse-Blockheizkraftwerk, einem Wasserspeicher sowie einer Solarthermieanlage ausgestattet.

Michael Ziller

"Also wir haben auf der einen Seite den Gedanken der Natur wieder aufgegriffen, in der Fassade ein wachsendes Element eingebracht zur Verschattung, zur Kühlung. Und gleichzeitig den Sonnenkollektor gestalterisch in eine Fassade eingearbeitet, als Brüstung, als Dachelement und nicht nur auf Bestehendes appliziert, sondern integriert in ein Konzept."

Auch die Wohnungen, die etwa Architekt Michael Ziller vom Münchner Büro zillerplus in Hamburg Wilhelmsburg geschaffen hat, zeichnen sich durch eine Verträglichkeit mit der Natur aus und zwar auf höchst unkonventionelle Weise: Die Außenhaut seines Wilhelmsburger Wohnhauses für 14 Partien besteht aus vertikalen Gärten!

Es gibt sie schon, die zukunftsweisenden Alternativen zu unseren seelenlosen Vorstädten, Innenstädten und entkernten Dörfern. Wilhelm Warning hat sie aufgesucht und mit StädteplanerInnen und Architekten gesprochen. Sie hören sein Feature in der Bayern 2 Radio Revue, Freitag, 28. Dezember 11.05 Uhr, Wiederholung 20.05 Uhr.


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