Bayern 2 - Kulturpartner

Kulturpartner Bayern 2 Porzellanikon Selb

Das Porzellanikon Selb, Europas größtes Spezialmuseum für Porzellan, befindet sich in einer 1969 stillgelegten ehemaligen Rosenthal-Fabrik, es ist das erste Industriemuseum Bayerns.

Stand: 08.06.2011
Porzellanservice Elyxir, Design Barbara Schmidt | Bild: Kahla, Tübingen Porzellan GmbH

Mit mächtigen Schloten und dem burgartig verschachtelten Gebäudeensemble wirkt die Anlage wie ein wehrhaftes Labyrinth. Eine architektonische Besonderheit im Porzellanikon ist, dass von den zehn ehemals vorhandenen mächtigen Rundöfen noch sechs völlig erhalten und begehbar sind. Gut 9.000 Quadratmeter des insgesamt umgenutzten Industriestandortes beherbergen heute drei verschiedene Museen, das Europäische Industrie Museum für Porzellan, das Rosenthal Museum für die Fans deutscher Tisch- und Wohnkultur und für Hightech-Fans das Europäische Museum für Technische Keramik. In Mechatronik und Raumfahrt, Hightech und Medizin - nirgendwo ist das Material verzichtbar. Egal ob als Dichtungsring in der Kaffeemaschine, als Bremsscheibe im ICE, ob als Kniegelenk im eigenen Körper, als Belag auf Sprungschanzen oder als Hitzeschild am Space Shuttle - überall ist Keramik zu finden - besonders da, wo man es gar nicht vermutet. So spielt Keramik noch immer eine herausragende Rolle im alltäglichen Leben, wenn auch zumeist den Blicken verborgen.

Weißes Gold in Selb

Neben Führungen bietet das Porzellanikon auch ein museumspädagogisches Programm für die kleinen Besucher an: Hier lernen Sie unter anderem, dass Porzellan nicht nur was für alte Kaffee-Tanten und verstaubte Vitrinen ist, wie eine feine Tasse aus "dreckigem" Stein entsteht und warum das rote Geschirr nach dem ersten Brand im Ofen grau ist. Hier können die Kinder nicht nur forschen und entdecken, sondern ganz nebenbei auch ein bisschen was lernen. Das Porzellanikon und sein Team aus Kuratoren und anderen Spezialisten verstehen sich auch als Dienstleister. Fragen rund um das Thema Porzellan, Reparaturen wertvoller Stücke und Porzellanexpertisen sind nur einige Angebote des Teams. Und da bekanntlich Scherben Glück bringen, gibt es seit einigen Jahren die Möglichkeit, sich im Porzellanikon Selb trauen zu lassen.

Museum in Hohenberg a. d. Eger

Museum in Hohenberg a. d. Eger

In einem weiteren Museum in Hohenberg a. d. Eger, in der ehemaligen Direktorenvilla des Familienunternehmens C.M. Hutschenreuther sind weitere 12.000 Exponate zu sehen. Die Präsentation in Hohenberg hat ihren Schwerpunkt auf dem 19. und 20. Jahrhundert und zeigt den Wertewandel des Porzellans vom ehemals höfischen Luxusgut zum Massenartikel. In anschaulich animierten Wohnszenen werden im Museum ganze Sozialzusammenhänge und gesellschaftliche Stimmungen nachvollziehbar: Speisen im Biedermeier, Geschirr im Flugzeug oder Porzellan-Kultobjekte der 50er und 60er Jahre.

Die Spuren einer großen Fertigungstradition

Mit der aktuellen Sonderausstellung "Ära Porzellan - Wertschätzung der Vergangenheit" geht das Museum neue Wege: Gezeigt werden nicht Porzellanstücke selbst, sondern Fotos aus einer Mitte der 90er-Jahre stillgelegten Produktion, der Porzellanfabrik Carl Schumann Arzberg. Die Fotogafen Jutta Bender und Peter Hirsch haben das verlassene Schumann-Gelände, zu dem auch die Unternehmervilla gehörte, knapp zehn Jahre nach der Schließung der Fabrik entdeckt. Ihr Projekt hält die Gebäude und zurückgelassenen Gegenstände in stimmungsvollen Bildern fest und erinnert an die große Vergangenheit einer Fertigungstradition, die der Strukturwandel hart getroffen hat. Zu sehen ist die Schau noch bis zum 22. April 2012 im Porzellanikon.

Porzellanikon Selb

Porzellanikon Selb  | Bild: Porzellanikon Selb

Das Porzellanikon Selb befindet sich in einer 1969 stillgelegten ehemaligen Rosenthal-Fabrik, die bis zu Beginn der 90er-Jahre leerstand. Dann wurde die Fabrik als Industriedenkmal nach neuesten Gesichtspunkten der Denkmalpflege original restauriert. Das Porzellanikon Selb ist das erste Industriemuseum Bayerns und verströmt noch heute den spröden Charme der ehemaligen Fabrik aus dem 19. Jahrhundert.