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Kunstmuseum Kindermuseum Erlebnisräume Edwin Scharff Museum - derzeit im Umbau

"Jeder Mensch ist ein Künstler in dem Sinne, dass er etwas gestalten kann": Statt den populären Spruch von Joseph Beuys nur in der Theorie zu zitieren, macht das Neu-Ulmer Museum die Probe aufs Exempel. Es zeigt Kunstwerke seines Namensgebers Edwin Scharff und Werke von dessen Zeitgenossen und animiert kleine und große Menschen zum eigenen Schaffen.

Stand: 18.11.2016

Blick in die Ständige Sammlung des Edwin Scharff Museums | Bild: Edwin Scharff Museum Foto

8.016 Euro für Museumsprojekt erlaufen

"Bunt ist meine Lieblingsfarbe" heißt das neue Museumsprojekt, das sich an Kindergartengruppen und Grundschulen richtet, die einen hohen Anteil an Kindern mit internationalen Wurzeln haben. "Dabei werden spielerisch deren kreative Ausdrucksmöglichkeiten gefördert und zugleich ihre Persönlichkeit und ihr Gemeinschaftssinn gestärkt", erklärte Museumsleiterin Dr. Helga Gutbrod.
Eine Spende von 8.016 Euro erhielt das Museum für das Projekt durch rund 40 Teilnehmerinnen und Teilnehmer am Einstein Marathon 2015, bei dem sie sich ihre erlaufenen Kilometer von Unterstützern des Projekts "sponsern" liesen.

Ab Mitte September ist dann das Edwin Scharff Museum am Neu-Ulmer Petrusplatz wegen umfangreicher Umbauarbeiten für rund ein Jahr geschlossen.

Das 1999 erbaute, gut 1.400 Quadratmeter große Museum befindet sich mitten in Neu-Ulm am Petrusplatz. Grundstock des Hauses sind die Werke des Bildhauers und Grafikers Edwin Scharff, der 1887 in Neu-Ulm geboren wurde und zu den bedeutendsten deutschen Künstlern der ersten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts zählt.

Kunst und mehr

Blick ins Treppenhaus des Edwin Scharff Museums

Doch das Museum bietet mehr als Kunst: Im Zusammenhang mit den Ausstellungen eröffnet es reale und mentale Erlebnisräume, in denen Groß und Klein Ungewohntes erfahren und Neues erforschen können. Oder auch nur in Ruhe, mit oder ohne Anleitung nachdenken können. Mitmachen, Anfassen und Erleben ist gefragt im Kindermuseum, das jährlich wechselnde Ausstellungen präsentiert. In "Achtung Familie!" zum Beispiel ging es um die unterschiedlichsten Lebensformen der heutigen Familien mit allen Freuden und Leiden der jeweiligen Konstellation. "Ganz weit weg und doch so nah" öffnete interaktiv den Blick hiesiger Kinder für das Zuhause anderer Kinder in der Welt. "Erzähl mir was vom Tod" setzte sich mit Alter, Zeit und Vergänglichkeit auseinander.

Edwin Scharff und die Klassische Moderne

Stehender weiblicher Akt 1923

Scharff studierte an der Münchner Akademie der Künste Malerei, begegnete bei seinem einjährigen Parisaufenthalt vor dem Ersten Weltkrieg namhaften Avantgardisten, gründete zusammen mit Paul Klee, Albert Weisgerber u.a. die Münchner Neue Sezession und lehrte ab 1923 an der Hochschule für Bildende Künste in Berlin. Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten wurde er an die Kunstakademie Düsseldorf versetzt, doch seine expressiven Figuren gefielen den Nazis nicht - 1937 wurde er als entarteter Künstler diffamiert. Nach dem Krieg war Scharff wieder gefragt: Er nahm teil auf der documenta 1 und 2 in Kassel.

Sonderausstellungen zur Klassischen Moderne

Die verschiedenen Stationen seines Lebens animierten Edwin Scharff zur Auseinandersetzung mit den prägenden Stilrichtungen seiner Zeit: Mit dem Impressionismus französischer und deutscher Provenienz, dem Expressionismus, dem Kubismus und schließlich mit der Abstraktion. In wechselnden Sonderausstellungen dokumentiert das Museum die Arbeiten seines Namensgebers im Kontext seiner Zeit und in der Auseinandersetzung mit seinen Zeitgenossen: Bildhauer wie Käthe Kollwitz, Ernst Barlach, Bernhard Heiliger, Gerhard Marcks und William Wauer, die expressionistischen Maler der Brücke und der sich zwischen Impressionismus und Jugendstil bewegenden Künstlergruppe Scholle.

Kontrastprogramm von Ernst Geitlinger

Kontur gewinnt das figürliche Schaffen von Edwin Scharff auch im Kontrast zu dem Maler und Professor der Münchner Kunstakademie Ernst Geitlinger (1895-1972). Anders als Scharff hat Geitlinger früh den Schritt zur Abstraktion gewagt - 50 Werke aus seinem Nachlass begleiten die ständige Präsentation von Scharffs Werk. 

Edwin Scharff Museum

Kunstmuseum.Kindermuseum.Erlebnisräume
Petrusplatz 4,
89231 Neu-Ulm,
Tel. 0731 – 9 72 63 18


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