Heinrich Bedford-Strohm Andere Wege zum Glück?
Muss man eigentlich Christ sein, um ein glückliches Leben zu haben? Haben Sie mal darüber nachgedacht? Ist der christliche Glaube der einzige Weg zu einem erfüllten Leben, oder gibt es auch andere, vielleicht sogar Schönere?
Ja, es gibt Leute, die haben eine andere Grundlinie für ihr Leben gewählt. Manche gehen den Weg des engagiert-aufgeklärten Humanisten, der sagt: Das Wichtigste ist, dass alle Menschen in Würde leben können. Der Humanist glaubt an das Gute im Menschen und freut sich über jeden kleinen Schritt zu mehr Gerechtigkeit und Frieden. Der Humanist sagt: Ich kann mich engagieren, ich kann viel Gutes tun im Leben ohne viele Worte über Gott zu machen. Da ist zum zweiten der Weg des stillen Genießers, der sagt: Niemand hat etwas davon, wenn ich mir das Leben schwer mache.
Der Kampf für Gerechtigkeit
Ist der Kampf gegen das Leid der Welt nicht ein Kampf gegen Windmühlenflügel? Was kann ich als Einzelner schon ändern? Der Kampf für Gerechtigkeit ist so häufig gescheitert- warum soll ich mich quälen? Also freue ich mich ganz einfach an meinem eigenen Leben, an der Schönheit, am guten Essen und Trinken, an meiner Familie - und vielleicht strahlt mein privates Glück dann auch aus über mich hinaus. Da ist schließlich auch der Weg des skeptischen Beobachters, der sagt: Gibt es überhaupt etwas, an das sich wirklich zu glauben lohnt? Blendet nicht jede Weltanschauung einen Teil der Wirklichkeit aus? Schlagen sich die Leute nicht gerade deswegen die Köpfe ein, weil sie so von einer Sache überzeugt sind, dass ihnen jedes Mittel zu ihrer Durchsetzung recht ist?
Die drei Wege haben etwas Verlockendes
Waren es in der Vergangenheit nicht häufig die religiös Übereifrigen, die so viel Leid und Intoleranz in die Welt gebracht haben? Da halte ich mich doch lieber fern von Religion oder anderen Weltanschauungen. Diese drei Wege, der Weg des engagiert-aufgeklärten Humanisten, der Weg des privaten Genießers und der Weg des skeptischen Beobachters, diese drei Wege kommen mir sofort in den Sinn, wenn ich mich frage, ob ich den Weg Jesu gegen einen anderen Weg eintauschen möchte. Ich sinne diesen drei Wegen nach, und ich merke, dass mir etwas an ihnen fehlt. Alle drei Wege haben etwas Verlockendes, aber es fehlt mir etwas.
Langeweile und Unzufriedenheit statt Genießertum
Der engagiert-aufgeklärte Humanismus, verliert der nicht doch seine Kraft, wenn wir eine Enttäuschung nach der anderen erleben, wenn das Leben mit Füßen getreten wird und die Brutalen, die Schamlosen, die Skrupellosen die Oberhand behalten? Und das Genießen, verwandelt sich das nicht allzu schnell in Langeweile und Unzufriedenheit, wenn sich alles nur um gutes Essen, eine schöne Wohnung oder coole Partys dreht? Was ist, wenn ich das alles nicht mehr genießen kann, weil ich krank geworden bin, mich mein Freund hat sitzen lassen oder ich schwer krank bin und auf die Einsatzbereitschaft Anderer angewiesen bin? Und schließlich der Weg des skeptischen Beobachters, der immer meint, er würde über allem stehen und sich selbst raushalten aus all den sinnlosen Streitereien der vielen Weltverbesserer, mündet dieser Weg nicht doch sehr leicht in Trostlosigkeit oder gar Zynismus?
Jesus ist nicht weggelaufen
Bin ich nicht nur deswegen vor Enttäuschungen sicher, weil ich keine Hoffnungen mehr habe? Nein, ich weiß schon, warum mich der christliche Glaube so fasziniert. Er spricht von Jesus Christus als einem Menschen, der gekreuzigt wurde, gestorben ist und auferstanden ist. Jesus ist damals nicht weggelaufen. Auch nicht vor der Folter und dem qualvollen Tod am Kreuz. Denn Jesus hat zutiefst darauf vertraut, dass Gott mit ihm ganz eng verbunden ist, selbst noch im qualvollen Tod am Kreuz. Als Jesus starb, hat Gott selbst die Qualen des Todes gespürt. Der Gott, an den wir Christen glauben, hat das Schlimmste selbst erlebt, was Menschen erleben können: Den Tod. Aber er hat dafür gesorgt, dass der Tod nicht das Ende ist. Gott hat Jesus nach drei Tagen auferweckt zu neuem Leben. Darum haben Christen eine riesengroße Hoffnung: Leid und Tod haben nicht das letzte Wort.
Gottes großes Ja
Über den vielen Neins, die wir in unserem Leben erfahren, steht am Ende Gottes großes Ja. Dieses große Ja zum eigenen Leben und zur ganzen Welt, das ist es, was die christliche Frömmigkeit den Menschen schenkt, die sich auf sie einlassen. Das sollte man sich nicht entgehen lassen. Versuchen Sie es mal mit dem Beten. Lesen Sie in der Bibel. Gehen Sie in die Kirche. Das wäre ein Vorsatz für 2012, der sich zu einer spannenden Entdeckungsreise entwickeln könnte!
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