Hans-Joachim Vieweger Kommunikation braucht Stille
"Die Stille ist ein wesentliches Element der Kommunikation." Über diesen Satz bin ich gestolpert. Zumal er sich an Journalisten richtet. Er stammt von Papst Benedikt und ist Teil seiner Botschaft zum diesjährigen Tag der sozialen Kommunikationsmittel – sprich: der Medien.
Stille als wesentliches Element der Kommunikation – dieser Satz scheint so gar nicht in unsere laute Zeit zu passen. Als Journalist wäre ich arbeitslos, wenn ich nichts mehr zu sagen hätte. Stille im Radio? Unmöglich.
Gut, beim Nachdenken erschließt sich, was gemeint ist, wenn der Papst schreibt: Stille und Wort seien "zwei Momente der Kommunikation, die sich ausgleichen, aufeinander folgen und sich ergänzen müssen, um einen echten Dialog und eine tiefe Nähe unter den Menschen zu ermöglichen." Klar, ein Gespräch, bei dem ständig nur einer spricht und der andere zuhört, ist kein Gespräch, sondern ein Monolog. Und ein Gespräch, bei dem alle gleichzeitig den Mund aufmachen, trägt überhaupt nicht zum Gelingen von Kommunikation bei – selbst wenn manche Talkshows das Gegenteil zu beweisen suchen.
Ertragen wir überhaupt die Stille?
Doch nicht nur das unmittelbare Gespräch lebt von der Ergänzung von Wort und Stille, auch die Medienwelt. Wenn wir uns ständig nur zudröhnen, und sei es mit noch so guten Informationen, fehlt die Zeit, diese Informationen zu verarbeiten. Oder, um noch einmal mit Benedikt zu sprechen: "Wo es eine Fülle von Nachrichten und Informationen gibt, wird die Stille unentbehrlich, um das, was wichtig ist, von dem, was unnütz oder nebensächlich ist, zu unterscheiden." Wie wahr – in Zeiten, in denen man aus Hunderten von Fernsehkanälen auswählen kann und das Internet schier unendliche Informationsmöglichkeiten bietet.
Freilich: Es ist leicht, diesem Satz zuzustimmen, aber schwer danach zu leben. Ertragen wir überhaupt die Stille? Zeit, in der – zumindest äußerlich – nichts passiert? Wenn ich es denn mal schaffe, die Stille zu suchen, wie schnell schießen mir dann nicht die verschiedensten Dinge durch den Kopf, die alle noch zu erledigen sind: Hier ein Anruf, da eine Mail, ja – und aufräumen müsste ich eigentlich auch noch.
Blaise Pascal hat gesagt: "Das ganze Unglück des Menschen kommt aus einer einzigen Ursache: Nicht ruhig in einem Zimmer bleiben zu können." Theologisch steckt dahinter der Gedanke, dass der Mensch die Begegnung mit Gott scheut – weil mit dem Sündenfall eine tiefe Unruhe in den Menschen gekommen ist (nach Wolfgang Breithaupt). Diese Unruhe kann sich in Aktivismus ausdrücken oder auch darin, sich vom Fernseher berieseln zu lassen. Alles – nur nicht still sein.
Keine Aufforderung zum Eintritt in ein Schweigekloster
Demgegenüber ruft der Gott der Bibel zum Innehalten auf, darauf, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren: Seid stille und erkennt, dass ich Gott bin, heißt es in den Psalmen (Psalm 46,11). Und durch den Propheten Jesaja lässt der Herr, der Gott Israels, sagen: "Wenn ihr umkehrtet und stille bliebet, so würde euch geholfen. Durch Stillesein und Hoffen würdet ihr stark sein." (Jesaja 30,15)
Das ist keine Aufforderung zum Eintritt in ein Schweigekloster, das heißt auch nicht, dass man ständig die Hände in den Schoß und den Finger vor die Lippen legen soll. Nein, es geht um die richtigen Prioritäten im Leben. Zuerst dürfen wir vertrauen, dass Gott es gut mit uns meint, bei ihm dürfen wir zuerst Empfangende sein – ohne uns dafür schämen zu müssen. Das geht, bildlich gesprochen, dann am einfachsten, wenn wir unsere Hände öffnen und von ihm füllen lassen. Und wenn wir uns auch auf Kommunikation mit ihm einlassen: Kommunikation, die – wie gesagt – aus Wort und Stille besteht.

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