Bayern 2 - Zum Sonntag

Ökumene auf neuen Wegen "Wir glauben an denselben Gott"

Katholische Flüchtlinge wurden in evangelisch geprägten Gebieten und evangelische Flüchtlinge in katholischen angesiedelt. Die Besatzungsmächte wollten, dass die Deutschen nach dem Nationalsozialismus Toleranz und gegenseitige Achtung lernen.

Autor: Pater Jörg Dantscher Stand: 27.08.2011
Pater Jörg Dantscher | Bild: Privat

Die konfessionelle Durchmischung durch die Amerikaner hatte vor allem eins zur Folge: Etliche katholisch-evangelische Mischehen. Für die Kirche war das damals in den 1950er-Jahren eine Katastrophe. Meine Mutter, evangelisch, ist mit unserem Vater und uns Kindern oft in katholische Gottesdienste gegangen und hat sich manche Predigt über dieses echte oder vermeintliche Unglück anhören müssen.

Gerade ist der Weltjugendtag in Madrid zu Ende gegangen. In gut vier Wochen kommt Papst Benedikt nach Deutschland. Dann wird er auch Begegnungen mit Vertretern der evangelischen Kirche haben. Viele hoffen auf weitere Schritte in der Ökumene. Denn heute hat, wenn ich die eigene Kirchengemeinde ansehe, vieles an trennenden Aspekten keine Bedeutung mehr. Es mag sein, dass sogar das Bewusstsein beim normalen Gläubigen für konfessionell abgrenzende Kriterien gar nicht mehr vorhanden ist. "Wir glauben doch alle an den selben Gott", höre ich oft.

Geschenk einer neuen Zeit

Es geht mir nicht darum, solche Pauschalierungen für richtig zu erklären. Aber ich stelle fest, wie sehr sich der Wunsch der Menschen in einer multikulturellen und multikonfessionellen Gesellschaft verändert hat, und ich empfinde das nicht nur als Problem, sondern auch als Geschenk einer neuen Zeit: Nicht mehr das Trennende, nicht mehr die Mauern zwischen den Konfessionen, sind das wichtige, sondern die Brücken und das beglückende Gefühl, wie anregend die vielfältigen konfessionellen Erfahrungen für uns als Christen insgesamt sein können.

Wiederverheiratete bitten um Segen

Meine Frage lautet daher heute nicht mehr: Warum dürfen nur die Katholiken in einer katholischen Messe zur Kommunion gehen? Sondern: Wie können wir den gemeinsamen Glauben an die Gegenwart Jesu unter uns Christen so stärken, dass die verschiedenen Konfessionen sich mit Recht und gegenseitiger Anerkennung zum Abendmahl einladen dürfen. Damit verändert sich die Landschaft unserer religiösen Suche: Denn wir suchen nicht mehr das Trennende, sondern das, was uns eint.

Der Papst und die Kirchenleitungen werden manchmal in diesen Fragen von den normalen Gläubigen überholt. Während wir Theologen noch darüber nachdenken, was gemeinsam sein darf und was nicht, sind viele schon an der Basis weiter - und dies nicht aus Leichtfertigkeit, sondern von Jesu Aufforderung zur Einheit geleitet: Da kommen Christen aus Schwesterkirchen und feiern zusammen, gehen wechselseitig zum Abendmahl und zur Kommunion. Da bitten geschieden Wiederverheiratete um den Segen für ihren neuen Lebensbund und wollen sich nicht vom Abendmahl oder der Kommunion ausgeschlossen fühlen.

Mehr Mut und Offenheit

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So verändert sich unsere Perspektive. Wir sind nicht mehr bereit, Ökumene zu verstehen als Auseinandersetzung mit den Unterschieden, sondern als ein Leben aus gemeinsamen Hoffnungen und Lebensformen. Es ist der Weg vieler, die Einheit suchen und sich von Verschiedenheit nicht abschrecken lassen. Es ist der Weg vieler, die Ökumene nicht nur als Erklärung der je eigenen Glaubensüberzeugungen verstehen, sondern als Klärung gemeinsamer Wege. Wenn der Papst demnächst also nach Deutschland kommt, sind die Erwartungen an ihn hoch. Mut und Offenheit für mehr Gemeinsamkeit - das würde ich mir von diesem Besuch wünschen.