Bayern 2 - Zum Sonntag

11. September Leider keine Science-Fiction

Am 11. September 2001 saßen wir in einem griechischen Café und warteten auf den Bus zum Flughafen. Aus dem Augenwinkel verfolgte ich die Fernsehbilder, die zeigten, wie ein Flugzeug in ein Hochhaus raste. Oh je, schon wieder so ein brutaler, aggressiver Science-Fiction-Film, dachte ich.

Autor: Johannes Schießl Stand: 10.09.2011
Zum Sonntag | Bild: Privat

Am 11. September 2001 waren wir gerade auf dem Rückweg aus dem Urlaub. In einem griechischen Café warteten wir auf den Bus, der uns zum Flughafen der Insel Korfu bringen sollte. Aus dem Augenwinkel verfolgte ich die Fernsehbilder, die zeigten, wie ein Flugzeug in ein Hochhaus raste. Oh je, schon wieder so ein brutaler, aggressiver Science-Fiction-Film, dachte ich.

Johannes Schießl

Doch ein Telefonat mit den Daheim-Gebliebenen riss uns aus der Ferien-Stimmung. Es war eben keine Fiktion, die wir da flimmern sahen. Nein, es war grausame Realität. Zehn Jahre ist es nun her, dass die Selbstmord-Attentäter von "Nine-Eleven" die von ihnen entführten Flugzeuge in die Türme des New Yorker World Trade Centers jagten und 3.000 unschuldige Menschen umbrachten. Der 11. September 2001 wurde zur "historischen Zäsur" mit weltweiten Folgen - bis hin zum Krieg in Afghanistan und auch im Irak. Die Terroristen um Muhammad Atta beriefen sich auf ihre Religion, den Islam. Auch für den Attentäter von Norwegen, Anders Breivik, spielte die Religion in seinem wirren Internet-Konvolut eine Rolle, freilich ein krudes Durcheinander pseudo-christlicher Elemente.

Enges Netz von Kontakten

Dass Religion und Gewalt letztlich nicht zusammenpassen, darum geht es dem internationalen Friedenstreffen der katholischen Gemeinschaft Sant'Egidio, das morgen in München beginnt. Hohe Würdenträger der christlichen Kirchen, Ober-Rabbiner und Groß-Muftis aus der halben Welt treten in einen Dialog mit hochrangigen Politikern unterschiedlicher Couleur - von der Bundeskanzlerin bis zum pakistanischen Integrationsminister.

Gegründet hat die Gemeinschaft Sant'Egidio vor über 40 Jahren der italienische Historiker Andrea Riccardi, der von sich sagt: "Friede ist meine Leidenschaft." Die Leute von Sant'Egidio kümmern sich einerseits um die Armen im römischen Stadtviertel Trastevere und andererseits um den Frieden in der Welt - von Mosambik bis Kolumbien. Über die Jahre haben sie ein enges Netz von Kontakten, ja Freundschaften geknüpft. Die internationalen Treffen gehen zurück auf die Begegnung der Weltreligionen, zu der Papst Johannes Paul II. 1986 - vor 25 Jahren - nach Assisi eingeladen hatte. Es sind unvergessliche Bilder, auf denen die unterschiedlichen Religionsführer nebeneinander stehen, vereint in der Achtung vor den religiösen Traditionen der anderen und in ihrem Bemühen um den Weltfrieden. Darauf hat auch Papst Benedikt XVI. hingewiesen: "Der 'echte Geist' von Assisi widersetzt sich jeder Form von Gewalt und dem Missbrauch der Religion als Vorwand für die Gewalt."

Ein Gott des Friedens

Ihre Meinung:

Wie ist Ihre Meinung zu unserer Sendung "Zum Sonntag"? Haben Sie Anregungen, was wir besser machen könnten? Und was gefällt Ihnen an der Sendung besonders gut?

Schreiben Sie uns:
zumsonntag@bayern2.de

Postanschrift
Bayerischer Rundfunk
Redaktion Religion und Kirche
Rundfunkplatz 1
80335 München

Telefon: 089/5900 - 3238
Telefax: 089/5900 - 3518

Sicher hat auch das Christentum eine Gewalt-Geschichte, die von den Kreuzzügen bis zur Eroberung Lateinamerikas reicht. Aber seine Grundströmung ist der Frieden. Wie immer lohnt ein Blick in die Bibel: Das hebräische Wort Schalom umfasst mehr als das deutsche. Es ist ein Gruß, es meint die Abwesenheit von Krieg und auch einen Zustand vollkommenen Glücks bis hin zur Identifikation mit Gott: "Der Herr ist Friede", heißt es im Buch der Richter, vom "Gott des Friedens" sprechen die paulinischen Briefe. Jesus selbst preist die Friedensstifter selig, für Paulus ist Friede Gabe Gottes, aber auch Aufgabe der Menschen.

Die mittelalterliche Theologie entwickelte die Lehre vom "gerechten Krieg", die jedoch im Zeitalter globaler Bedrohungen nicht mehr gelten kann. Das Zweite Vatikanische Konzil fordert dagegen eine "Lehre vom gerechten Frieden2 jenseits nationalstaatlicher Interessen. Neu in den Fokus gekommen ist die Frage eines Weltethos, zu dem die Religionen entscheidend beitragen können. Das Münchner Sant'Egidio-Treffen will da - zehn Jahre nach 9/11 - einen Meilenstein setzen.