Bayern 2 - Zündfunk


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Zehn Jahre "Oracular Spectacular" MGMT haben den Soundtrack für eine Generation gemacht - unfreiwillig

Das Duo Ben Goldwasser und Andrew VanWyngarden alias MGMT wurden mit ihrem Debüt "Oracular Spectacular" ungewollt zum Sprachrohr einer Generation. Zehn Jahre später wollen sie diese Rolle mit ihrem Album "Little Dark Age" immer noch nicht annehmen.

Von: Christoph Möller

Stand: 09.02.2018

MGMT bei den NME Awards 2009 | Bild: picture-alliance/dpa

Als vor zehn Jahren mit „Oracular Spectacular“ das Debüt-Album von MGMT erschienen ist, war die Welt noch in Ordnung. Der 11. September lag schon ein paar Jahre zurück, die Weltwirtschaftskrise war noch nicht im Alltag angekommen. Ein Hit wie „Kids“, in dem es um Kindheit, Naivität und Freiheit ging, kam da gerade recht. MGMT prägten den Sound einer ganzen Generation. Nach zwei verkopften, weniger erfolgreichen Alben sind sie jetzt mit ihrem vierten Album „Little Dark Age“ zurück. Ein Gespräch über ihre neue Platte, ihr Debüt und den Fakt, dass sie unfreiwillig zum Sprachrohr einer Generation wurden.

Der Sound auf der neuen Platte "Little Dark Age" wirkt positiver. Es gibt viel mehr Hits als auf den beiden Alben vorher.

Ben Goldwasser: Ja, das Album ist auf jeden Fall positiver. Ich meine, wir schreiben zwar über ziemlich düstere Themen, aber eigentlich ist es eine optimistische Platte. Und natürlich sind die Zeiten schwierig, aber ich finde es wichtig, zu betonen, dass es auch ein paar gute Dinge gibt. Wir wollen die Leute zum Tanzen bringen mit dieser Platte. Die Songs sollten eingängige Beats haben, zu denen die Leute tanzen können.

Jetzt heißt das Album “Little Dark Age” – ich glaube, viele Leute werden es als Kommentar auf unsere Zeit lesen. Vor allem in den USA. Ich weiß, dass es so nicht gedacht ist, aber könnte die Message der Platte sein: Ja, wir leben in düsteren Zeiten, aber es sind eben nur kleine düstere Zeiten, so im Sinne von: bleibt ruhig, Leute – die Dinge werden bald schon wieder besser sein?

Ben Goldwasser

Ben Goldwasser: Ja, auf eine Art geht es um schwere Zeiten, durch die du persönlich gehen musst. In denen es schwer ist, das Ende zu sehen, aber natürlich gibt es ein Ende. Und na klar, es ist unmöglich nicht beeinflusst zu sein von dem, was in den letzten Jahren in den USA passiert. Die Mächtigen versuchen ein kontrolliertes Klima der Angst zu schüren. Sie reden den Leuten ein, dass sie Angst haben müssten vor Menschen, die anders sind als sie. Aus diesem Klima schlagen die mächtigen Profit, sie nutzen es für ihre Zwecke. Ich glaube, es ist wichtig, sich davon nicht beindrucken zu lassen. Denn du wirst keine guten Entscheidungen treffen, wenn sie auf Angst beruhen.

Es ist keine politische Musik. Wir haben nicht das Gefühl, eine politische Message zu haben. Ich empfinde es eher wie ein Soundtrack für eine tolerantere, offenere Zukunft.

Nochmal zurück in die Vergangenheit. Mit dem zehnten Geburtstag von “Oracular Spectacular“ stellt sich nämlich noch eine ganz andere Frage: Wer waren MGMT und wer sind MGMT heute? Würden Sie sagen, die Musik von MGMT passt auch noch zur heutigen Zeit?

Ben Goldwasser: Ich weiß nicht. Ich glaube, wir kriegen gar nicht mehr mit, was gerade in der Popkultur los ist. Außerdem haben wir uns nie einer Szene zugehörig gefühlt. Wir waren total überrascht, als wir unsere erste Platte rausgebracht haben und das alle – wie soll ich sagen – ja, als Soundtrack für ihre Zeit oder ihre Generation gefeiert haben. Natürlich war das toll! Aber auch unangenehm. Denn wir hatten keine Message und auch nicht die Absicht, das Sprachrohr irgendwelcher Leute zu sein. Wir waren einfach diese Nerds, die im College Musik gemacht haben.

Ihr Bandkollege Andrew VanWyngarden hat sogar mal in einem Interview gesagt, dass die Band eigentlich als Satire gemeint war? Um sich lustig machen zu können über die damalige Popmusik?

Ben Goldwasser: Ja, eigentlich war die Band als Scherz gedacht. Oder als so etwas wie ein Scherz. Denn die Basis war schon ein aufrichtiges Interesse am Mainstream-Pop. Und auch am Kitsch-Pop der 80er und 90er. Ich bin mir ziemlich sicher, dass das in 20 Jahren andere Leute genauso mit der heutigen Popmusik machen werden. Im Rückblick wirkt alles immer total kitschig und nett.


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