Bayern 2 - Zündfunk


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Rapper und Twitter-Aktivist Talib Kweli "Ich schlage die Trolle mit ihren eigenen Waffen - weil ich smarter bin"

Was er früher an Aktivismus in seine Songs gepackt hat, das packt er heute in 140 Zeichen auf Twitter: Talib Kweli, der Conscious Rapper aus Brooklyn. 1,4 Millionen Menschen folgen ihm auf Twitter, gut 200.000 Kurznachrichten hat er schon abgesetzt.

Von: Sammy Khamis

Stand: 12.07.2017

Talib Kweli aus Brooklyn ist bekannt geworden als Teil der legendären HipHop-Combo "Blackstar" neben Mos Def, aka Yasiin Bey. Kweli kommt aus der Conscious Rap-Ecke, seine Texte sind politisch und sozialkritisch motiviert. In New York betreibt er einen Buchladen, in dem ausschließlich Bücher schwarzer Autorinnen und Autoren verkauft werden. Als wir ihn zum Interview treffen scrollt er gerade auf seinem Smartphone rum und checkt Nachrichten und seinen Twitter-Feed.

Zündfunk: Wie viele Nachrichten bekommst du am Tag?

Talib Kweli: Viele. Hunderte. Ich antworte eigentlich nur auf Mails und eben auf Tweets.

Nutzt du Twitter eher als Tool für deinen Aktivismus oder um deine Musik zu promoten?

Ich nutze Twitter für alles. Um meine Musik zu promoten, um meine Gedanken und Gefühle rauszulassen und für meinen Aktivismus.

Seit den 90ern kennt man dich als Conscious Rapper, als jemand der soziale Missstände auf der Bühne anspricht. Einmal am Tag checke ich dann deinen Twitter-Feed und sehe, wie du Faschos auf Twitter trollst.

Mit geht es nicht darum, Trolle zurück zu trollen – aber klar, man kann das so nennen. Sie versuchen mich anzugreifen und was ich mache, ist, sie mit ihren eigenen Waffen zu schlagen, weil ich einfach smarter bin: Ich suche mir also jemanden heraus, der mich angreift und der bekommt dann alles ab.
Es heißt dann immer: 'Martin Luther King und Malcolm X waren ja auch nie auf Twitter'. Natürlich nicht, damals gab's noch kein Twitter. Aber es gibt einen Grund, weshalb King und Malcolm X eine ganze Generation repräsentieren: Sie waren unglaublich gute Redner. Sie konnten zuspitzen. Sie waren in Talkshows, konnten ihr Argument in 140 Zeichen zusammenfassen und das im Fernsehen sagen. Fernsehen war damals unser Social Media – und King und Malcolm X beherrschten es, ihre Message dort zu verbreiten.

Als Aktivist machst du Musik und bist auf Twitter unterwegs: Womit erreichst du mehr Leute?

Meine Musik wird nicht mehr so gepusht wie vor zehn oder 15 Jahren. Die Mehrheit der Leute heute kennt mich entweder von Twitter, oder weil andere Rapper wie JAY Z oder Kanye West meinen Namen in ihren Songs erwähnen. Aber für junge Leute ist es Twitter – das muss ich zugeben. Und klar spreche ich mit den Trollen, aber ich mache das, weil meine Community mitliest. Alles was ich diesen Typen entgegenhalte, kommt also bei ihnen an: Texte, die ich teile, Artikel, die mir aufgefallen sind. Damit liefere ich Argumente und auch Munition, geistige Munition. Ich will, dass meine Community etwas gegen Ungerechtigkeit oder Rassismus unternehmen kann, beispielsweise wenn sie rassistische Äußerungen hört. Bestenfalls fassen sie den Mut etwas gegen Diskriminierung zu unternehmen, weil sie sehen, wie ich das online mache.

Wenn Twitter dich bezahlen würde – würdest du mit dem Musik machen aufhören?

Ich habe dafür schon Geld bekommen, zwar nicht von Twitter selbst, aber von Firmen, in deren Auftrag ich etwas getwittert habe, also Bücher oder Veranstaltungen, so Zeug. Aber Musik würde ich niemals aufgeben.

Das komplette Interview gibt's beim Klick auf das Bild oben. Darin erzählt Talib Kweli unter anderem, wie sich der Conscious Rap verändert hat und warum seine Oma eine "Obama Mama" war.


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