Bayern 2 - Zündfunk


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Mount Kimbie Die beste Band, die der Post-Dubstep hervorgebracht hat

Mount Kimbie sind stets auf der Suche nach Neuem. Post-Dubstep war einmal. Treu sind sie ihren Freunden geblieben: King Krule ist wieder mit dabei. Auch James Blake ist ein Longtimefriend. Ach, und einen schöneren Titel kann man kaum finden: „Love What Survives“!

Von: Florian Fricke

Stand: 05.09.2017

Mount Kimbie | Bild: Warp / Frank Lebon

“You guys are suckers, man, counting Euros...”, Kai Campos, eine Hälfte von Mount Kimbie, hadert mit seiner Heimat Großbritannien aus den offensichtlichen politischen Gründen. Bandpartner Dom Maker ist nach Los Angeles geflüchtet, obwohl daran primär seine Freundin Schuld ist. Campos ist in London geblieben und denkt lieber nicht allzu viel an die Zukunft. „Bei uns ist gerade alles ziemlich kompliziert, wie in vielen anderen Gegenden Europas. Die ganze Welt scheint im Wandel und die Probleme ähneln sich. Aber man sollte jetzt nicht zu hämisch auf Großbritannien schauen. Man weiß ja nie, wer als nächstes drankommen wird.“

Mount Kimbie gründete sich 2008 und wurde anfangs dem Post-Dubstep zugerechnet, aber diesen Rahmen hat das Duo längst verlassen. Im Grunde ist es eins der wenigen elektrischen Projekte, das sich als organische Band begreift mit echten und abgeschlossenen Songs. Kai Campos und Dom Maker befinden sich in einem steten Prozess der Suche nach neuen Herangehensweisen und neuen Sounds, diesmal sind zwei analoge Synthesizer mit an Bord, ein Korg MS-20 und ein Korg Delta: „Für dieses Album wollten wir herausfinden, wie es sich anfühlt mit eher limitierten Instrumenten zu arbeiten, die aber voller Charakter und Geschichte stecken. Wie können wir diese Instrumente in die Jetztzeit übertragen und ihnen unseren Stempel aufdrücken?“

Mit dabei: James Blake, King Krule, Micachu

Das Ergebnis klingt auf jeden Fall sehr abwechslungsreich. In das Album „Love What Survives“ muss man sich hineinhören, hier passiert nichts von selbst, kein Flow, der einen automatisch mitreißt. Jeder Track steht für eine eigene Atmosphäre und eine eigene Klangwelt. Das unterscheidet Mount Kimbie dann doch von den meisten gewöhnlichen Bands und deswegen produzieren sie sich immer noch selbst.

Natürlich sind wieder Gäste dabei. King Krule, den Mount Kimbie schon auf ihrem letzten Album gefeaturet und mit entdeckt haben, hat wieder einen glänzenden Auftritt. James Blake ist ein Freund seit zehn Jahren. Er lebt wie Dom Maker gerade in LA, nun hat die Kooperation endlich geklappt. Auch neu dabei ist Mica Levi, besser bekannt unter ihrem Pseudonym Micachu, eine britische Produzentin, die immerhin schon für einen Filmmusik-Oscar nominiert war. Dom Maker ist großer Fan: „Mica Levi haben wir immer bewundert seit ihrem Grime-Mixtape „Filthy Friends“. Seitdem haben wir jeden ihrer Schritte verfolgt. Ihr Schlagzeuger Mark begleitet uns nun auch auf der Bühne. Mica nimmt sich nicht zu ernst, hat einen ansteckenden Humor und ist überhaupt eine sehr inspirierende Person. Wir konnten uns jedenfalls nicht vorstellen, diesen Track ohne sie zu beenden.“

Der düsteren Zukunft mit kreativem Zauber zu begegnen

„Love What Survives“ ist ein typisches Mount Kimbie-Album geworden. Vom garagigen Electro-Track über Daumenklavier bis zum rauen Gitarrenriff ist alles an Bord, aber die Songs vertragen sich blendend miteinander. Im Vergleich zu den Vorgängeralben sind mehr Live-Instrumente zu hören, was den organischen Charakter noch unterstreicht. Mount Kimbie machen weiter in ihrer eigenen Welt und versuchen der düsteren Zukunft mit kreativem Zauber zu begegnen. Love what survives – da gehen wir doch alle mit.


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