Das Regensburger GEMA-Modell Zusammen ist man weniger allein
In den letzten Wochen war die GEMA ständig in den Schlagzeilen. Die Clubs fürchten wegen der Tarifreform um ihre Existenz. Dabei gibt es schon jetzt die Möglichkeit 20 Prozent Rabatt bei der GEMA zu bekommen. In Regensburg wird das seit Anfang des Monats getestet.
"Jetzt 20 Prozent auf ihre Gema-Gebühren! Kostenlose Mitgliedschaft!" Dieser Slogan begrüßt einen auf der Homepage der "Regensburger Unternehmer Organisation". Der neue Verein verfolgt nur einen Zweck: Jedem seiner Mitglieder 20 Prozent Rabatt auf alle GEMA-Gebühren zu ermöglichen. Wie das geht? Mit einem Gesamtvertrag. Die GEMA ist nämlich dazu verpflichtet, Vereinigungen mit über 70 Vertragspartnern einen Nachlass von 20 Prozent zu geben. Phuc Huynh hat die Initiative mitbegründet. Er betreibt die Musikkneipe "Monobar" in der Regensburger Innenstadt und hat das Schlupfloch in den GEMA-Statuten gefunden.
"Man braucht eine kritische Masse an Mitgliedern, bei der die GEMA dann sagt, ok, das sind jetzt wirklich so viele, das bringt uns etwas. Jetzt geht es darum, in Regensburg alle unter einen Hut zu bringen. Das haben wir schon fast geschafft, weil alle mitmachen wollen, weil es keinen Beitrag kostet und eigentlich keine Probleme gibt, außer dass man sofort auf alles 20 Prozent Rabatt bekommt. Auf die bestehenden Gebühren und auf die Zukünftigen."
(Phuc Huynh, Initiator des Regensburger GEMA-Modells)
Phuc Huyhn spart sich dadurch für seine kleine Monobar schon jetzt bis zu 1.500 Euro GEMA-Abgaben pro Jahr. Und sollte die gefürchtete Tarifreform kommen, wären die prozentualen Ersparnisse deutlich mehr wert. Aber auch die GEMA profitiert von solchen Zusammenschlüssen. GEMA Sprecherin, Gabriele Schilcher:
"Also diese Gesamtverträge sind sowohl für Kundengruppen, also die Musiknutzer, als auch für die GEMA – die Verwertungsgesellschaften - ein Vorteil. Da wir damit einen Ansprechpartner in einem Verband haben, der unsere Informationen an die Mitglieder weitergibt. Das heißt die Kommunikation wird erleichtert und wir können für diese Erleichterung 20 Prozent Nachlass gewähren - für alle, die in diesem Verband Mitglied sind. Es ist also für beide eine Win-Win-Situation."
(Gabriele Schilcher, Gema)
Vom Dönerladen bis zum Musikclub
In Regensburg sind innerhalb von drei Wochen schon über 90 Unternehmer dem Verein beigetreten - vom Dönerladen in der Pustet-Passage über Modegeschäfte und Friseurläden bis zu Clubs wie dem Zap oder der Suite 15. Und täglich flattern weitere Mitgliedsanträge ins Büro. Andere Verbände wie der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband bieten ihren Mitgliedern zwar auch den 20 Prozent-Rabatt. Anders als der Regensburger Verein verlangen sie dafür aber hohe Mitgliedsbeiträge, 200 Euro und mehr. Das ist auch der Grund, wieso das Konzept so schnell erfolgreich war.
"Das Schöne ist halt: In der Sache sind sich alle einig und jeder will mitmachen. Es ist selten, dass es unter Gastronomen so eine Solidarität gibt."
(Phuc Huynh, Initiator des Regensburger GEMA-Modells)
Phuk Huynh und seine neun Mitstreiter arbeiten ehrenamtlich. Die meisten von ihnen sind Jungunternehmer und profitieren selbst von dem GEMA-Rabatt. Die gesparten Gebühren will Phuk Huynh wieder ins Musik-Programm der Monobar stecken, also mehr Veranstaltungen machen und die DJs besser bezahlen.
"Eigentlich ist es relativ simpel ist und es ist überall möglich – in der ganzen Bundesrepublik. Und wenn andere Städte oder Kommunen so ein äquivalentes Modell umsetzen wollen, können wir sie auch gerne kostenlos beraten."
(Phuc Huynh, Initiator des Regensburger GEMA-Modells)
Ein Modell mit Zukunftspotential
Das kostenlose Regensburger Modell, wie das Konzept aus Regensburg mittlerweile schon genannt wird, wird immer populärer. Die ersten überregionalen Partner sind bereits eingestiegen. Vor allem mit Blick auf die Tarifreform der GEMA kann es Zukunftspotential für die Musikbranche entwickeln. Oder zumindest dazu beitragen, den Bierpreis in mancher Kneipe niedrig zu halten und den ein oder anderen Club vorm Aus zu bewahren.

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