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Musikjournalismus 2016 Ist Coolness die letzte harte Schreiberling-Währung?

"10 Gründe gegen die Sportfreunde Stiller" hat Musikjournalist Linus Volkmann zusammengetragen. Der Diss-Artikel gegen das neue Sportfreunde-Video bewegt die deutschen Musikjournalisten seit über einer Woche. Woher kommt der Hass?

Von: Zündfunk

Stand: 08.08.2016

Rolling Stone Magazin fotografiert | Bild: picture-alliance/dpa

Letzte Woche hat der ehemalige stellvertretende Intro-Chefredakteur und Musikjournalist Linus Volkmann einen Artikel auf seinem facebook-Profil gepostet. Für die Vice hat er zehn Gründe "gegen die Sportfreunde Stiller und ihr neues Video zu ‚Raus in den Rausch'" zusammengeschrieben. Alles totaler Mist, so könnte das Fazit lauten.

Ob es mit den Sportfreunden Stiller die richtigen trifft? Man könnte sich sicherlich deutsche Bands raussuchen, die auf einem vergleichbar progressiven Level musizieren. Und sich nicht privat und als Band gutmütig engagieren. Geschenkt.

Spannender sind die Kommentare unter dem von Volkmann geposteten Artikel und  – weil sich im Urteil praktischerweise alle sehr einig waren – welch Anekdoten- und Meinungsschwall losgebrochen ist. Auch eine Woche später sammeln sich immer noch neue Kommentare. Offensichtlich wurde ein Nerv getroffen. Und natürlich geht es dabei unter anderem auch schlicht um Kritik an einer Band, um seichten deutschen Pop und immer gleiche vermeintlich hippe Optik.

Würden Sie es diesen Herren persönlich sagen, falls Sie ihre letzten Alben schlecht fanden?

Grade wird also eine riesige Diskussionen über die deutsche Poplandschaft auf dem öffentlichen Profil von Linus Volkmann geführt. Hut ab, Herr Volkmann. Die Diskussion wäre nämlich sehr wichtig. Aber sind Form und Ort passend? Bleibt die Frage, wie es eigentlich um den deutschen Musikjournalismus bestellt ist.

13 Fragen zur Lage des deutschen Musikjournalismus:

- Muss man nach einem Musiker-Interview wirklich immer ein Bier miteinander trinken können – und wollen?

- Kann man dann nur Bands interviewen, die man eh 1a findet und die critically acclaimed sind?

- Wenn Bands schlechte Musik machen, aber sympathisch sind, mag man sie dann trotzdem oder extra nicht?

- Wo hört privat auf, damit professionell beginnt?

- Wer muss zwischen Job und Freizeit unterscheiden können: Musiker oder Musikjournalisten? Oder beide?

- Gibt es eine Grenze zwischen Musikjournalismus und Selbstdarstellung?

- Was muss Musikjournalismus leisten, damit er mehr als launige Meinungsäußerung ist?

- Warum sind die großen Namen des deutschen Musikjournalismus alle schon so alt?

- Kommen überhaupt noch große Namen nach?

- Muss man Musikern ins Gesicht sagen, falls man ihre Musik scheiße findet?

- Muss man Musikern dann auch ins Gesicht sagen, weshalb man ihre Musik scheiße findet?

- Musste es zu diesem meta-musikjournalistischen Thema unbedingt ein Listicle sein?

- Ist Coolness die letzte harte Währung?


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