Bayern 2 - Zündfunk


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Album der Woche: Laura Marling Miss Troubadour 2017

Wenn ein Album den Titel "Semper Femina" trägt, ist das dann feministisch gemeint? Selbstverständlich. Auf ihrer sechsten Platte verarbeitet Laura Marling scharfsinnige Betrachtungen aus ihrer "maskulinen Zeit" zu Musik.

Von: Barbara Streidl

Stand: 13.03.2017

Für das sechste Studioalbum hat Laura Marling ihre Lateinkenntnisse aus der Schublade geholt: "Semper Femina" - Semper, lateinisch für "immer, stets, jederzeit" und Femina, lateinisch für "Frau". Mit ein paar Trommelschlägen beginnt es. Viel akustische Gitarre und Kontrabass, hier und da eine Waber-Orgel: Neun Songs, die, so sagt sie es, "Betrachtungen über Weiblichkeit" sind, entstanden in einer "maskulinen Zeit" in ihrem Leben. Steckt Laura Marling in Gender Trouble?

Ihr Gender Trouble sei strukturell, meint Laura Marling. Was denn der Unterschied sei, zwischen weiblicher Kreativität und männlicher Kreativität, das treibt sie um. Und die Frage, ob es da überhaupt einen Unterschied gibt und woher der kommen mag. "In den zehn Jahren, die ich jetzt Alben mache, habe ich nur zweimal mit Frauen im Tonstudio zusammengearbeitet", schreibt sie zu ihrem Podcast, "Reversal of the Muse", in dem sie mit Frauen und Männern über die Arbeit in Aufnahmnestudios spricht, genauso wie über weibliche Kreativität und wie diese in männerdominierten Domänen wahrgenommen wird.

Raus aus der Musen-Falle

Was wäre, wenn mehr Frauen in den Tonstudios beschäftigt wären? Wie viele weibliche Vorbilder gibt es für eine junge Musikerin, mit wie vielen Frauen arbeitet sie zusammen, sind nicht überall schon immer Männer da,  auf der Bühne, in der Musikindustrie? Darüber spricht sie mit anderen Musikerinnen. Die großen Country-Ikonen Dolly Parton und Emmylou Harris sind dabei, aber auch Marika Hackmann und Karen Elson aus der jüngeren Generation.

"Semper Femina" steht nicht nur auf der Platte, sondern auch auf Laura Marlings Bein

Laura Marling fordert nicht zur Revolution auf, sondern weist auf ein Ungleichgewicht hin, das schon lange besteht. In ruhigen, sanften Songs transportiert sie ein drängendes Bedürfnis nach Selbstbestimmung. Denn Emanzipation ist Laura Marlings Ausweg aus dem Gender-Trouble, wie sie in "Always this way" singt: "At the end of the day, At least I can say, I made my own way, And my debts have been paid".

Start Lou Reed - Ziel Laura Marling

Für Laura Marling geht weibliche Kreativität nicht unbedingt nur von Frauen aus, sie stellt sich da mehr ein Gleichgewicht vor. Wie Goethes zwei Seelen in der Brust, kann eine Frau durchaus weibliche und männliche Kreativität empfinden. Was Marling selbst auch bestätigt. Ihr Fach, das von vielen "Singer/Songwriter" genannt wird – wie gut, dass das Englische hier neutral ist! – war einst ziemlich männlich besetzt vom "Troubadour". Denken wir an Bob Dylan, den "American Troubadour", der über alles in seinen Songs singt, über Politik, Liebesbeziehungen, Heimat, Drogen oder Enttäuschungen. Sein Fach wurde schon in den Sechzigern von Frauen geöffnet: Joni Mitchell, Laura Nyro oder Melanie, gefolgt von Patti Smith und Emmylou Harris in den Siebzigern. Heute zählen Frauen wie Courtney Barnett und eben Laura Marling dazu, und zwar ganz selbstverständlich.

Der Song "Wild Fire" fängt fast an wie "Walk on the wild side" von Lou Reed, geht aber dann seinen eigenen Weg. Und so lässt sich das Album "Semper Femina" von Laura Marling ziemlich gut beschreiben: Sie startet dort, wo ihre männlichen Kollegen stehen, macht sich dann aber auf ihre individuelle Reise, die Reise einer Frau.


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