Bayern 2 - Zündfunk

The Kings Of Dubrock "Fettuccini"

Studio Braun-Telefonist Jacques Palminger hat ein neues Album draußen, schon das zweite in diesem Jahr, nach der Kooperation mit dem 440hz Trio. Auf „Fettuccini“ sind die Einflüsse klar benannt: Von King Tubby bis Adriano Celentano ist alles dabei bei den Kings Of Dubrock.

Von: Thomas Mehringer Stand: 06.08.2012

Jacques Palminger sagt viel, wenn die Platte lang ist, aber man kann selten genug kriegen von seinem Studio Braun geschulten Humor. Wohlgleich Palminger neben Heinz Strunk und Rocko Schamoni schon immer der Psychedelischste, weil Unberechenbarste des Hamburger Telefonstreich-Trios ist. Seit über zwei Jahren und zwei Alben ist Palminger mit seinen Kings Of Dubrock unterwegs. Die bestehen aus Beatpeitscher Viktor Marek und der Dub-Chanteuse Rica Blunck - ein eingespieltes Trio, das live einem klaren Manifest folgt:

"Palminger: 'Guten Abend!'
Publikum: 'Guten Abend, Herr Palminger'!
Palminger: 'Es ist gut, es ist Dub. Das hier ist die Dubrock-Leistungsschau. Heißt: Arbeitszeit ist Leistungszeit. Und wer nuschelt, der wird erschossen. Wir wollen original drei Dinge hier etablieren: Druck, Druck, Druck!"

Jacques Palminger im 'Film für alle'

Einen gewissen Druck scheint sich Jacques Palminger auch selbst zu machen - „Fettuccini“ ist schon sein zweites Album in diesem Jahr, nach dem Pop-Jazz-Projekt mit dem 440Hz Trio. Der Output kann aber nur so hoch sein, weil die Inspiration weitläufig ist.

"Wir kommen vom Dub. Ich glaube, dass hört man schon am Namen: Kings Of Dubrock. Aber wir haben auch viele andere bunte Einflüsse, zum Beispiel aus der elektronischen Musik oder aus der italienischen Folklore und natürlich aus den Discotheken Frankreichs."

Jacques Palminger

Musikalisch zieht Viktor Marek an den Beats tatsächlich alle Dub-Register: von Linguini-Pop über Dancehall-Bässen, dem unumgänglichen King Tubby bis hin zu Banana-Joe-Melodien. Apropos Banane: „Gib dem Affen Zucker“-Star Adriano Celentano ist auf „Fettuccini“ offenkundiges Vorbild der Dubkings.

Cover des Albums "Fettuccini"

Nimmt man nur Palmingers „Fettuccini“-Texte so könnten sie als Tonspur für die Arte-Doku „Durch die Nacht mit...“ durchgehen - dort zusammen unterwegs wäre Jacques Palminger mit dem Lyriker Hans Magnus Enzensberger. Ihr Thema: Hass. Denn Hass hat auch das Recht komisch zu sein. In den kurzen Momenten wie im Song „Uhren befummeln die Zeit“, wo kurz Ernsthaftigkeit in Form von - ja beinahe - Poesie aufblitzt, assoziiert sich Palminger schnell wieder in den Nonsens. Nervig? Nein, eine Gabe. Seine schräge Eloquenz hält „Fettuccini“ am Laufen.

"Man kann echt nicht sagen, dass wir die ganze Zeit nur ernsthafte Gespräche führen oder unser Geld zählen. Wir sind auf ne Art auch ne witzige Band. Wir mögen gerne Witze, da sind wir genauso wie die Bangles oder Cindy & Cher, also Leben, Lieben, Lachen und im Sommer Eis lutschen. Ganz normale Sachen halt."

Jacques Palminger im 'Film für alle'

„Fettuccini“ ist eine Sommerplatte - zum Tanzen auf derbsten Humor. Ganz bestimmt also keine normale Platte: fein produzierte Dub-Spielereien, die einen Teufel tun und Palmingers windschiefen Witz konterkarieren. Dass es nicht egal ist, welches Genre er seinen Texten unterlegt hat sein jüngstes Album „Jzz & Lyrk“ gezeigt. Dub und Palminger - das passt wie Fettuccini und ein Glas Weißwein oder wie Di-Di-Di zu Da-Da-Da-Dub.

"Viktor ist der große Zaubermeister Marek und Rica, die kann im Dunkeln Knoten aufmachen und das nur mit ihrer Stimme. Also vielleicht sind wir doch was ganz besonderes."

Jacques Palminger im 'Film für alle'


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