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Album der Woche: Sudan Archives Diese Frau spielt im experimentellen Pop die erste Geige

Brittney Denise Parks ist Sängerin und Geigerin aus L.A.. Ihr Debüt bringt sie unter dem Namen Sudan Archives raus. Sie bezieht sich im Namen auf nordafrikanische Fiddler, die die Geige anders als in der Klassik spielen. Ihre Songs unterlegt die Musiktechnologie-Studentin mit Hip Hop-Beats.

Von: Ralf Summer

Stand: 04.08.2017

Album der Woche: Sudan Archives | Bild: Eric Coleman

Es sind die unerwarteten Begebenheiten, die Leben ändern können. Brittney Denise Parks sitzt in der Schule in Cincinnati, Ohio. Die damals 16-jährige Afro-Amerikanerin ist eine kleine Rebellin, denn es ist bereits die fünfte Schule, die sie besucht. Und die Fünfte ohne Musik-Unterricht. An diesem Tag aber kommt eine Formation Geiger in die Schule. Um Brittney, die schon immer gerne lokalen DJs auf die Finger geschaut hat, ist es geschehen: Sie will auch so ein Instrument haben, am besten sofort!

Brittney wird von ihrer Mama meist “Sudan” gerufen – “weil das besser passt”. Sie lernt nun tatsächlich Geige – nicht in der Schule, sondern in der Kirche. Als sie mit 19 zum Studieren nach Los Angeles zieht, schreibt sie sich am College für Musikproduktion ein, remixt einen Kanye West-Song und covert Kendrick Lamars “King Kunta” als “Queen Kunta”. Abends klickt sie sich durchs Netz und entdeckt die eigenwilligen Geiger aus dem Land, das so heißt wie ihr Spitzname: Youtube ist ein riesiges Archiv sudanesischer Musik für sie.

Großes Vorbild: Erykah Badu

„Paid“ wird ihr erster eigener Track – und kommt daher wie ein Grace Jones-Beat, auf den Erykah Badu singt – Badu ist ihr Vorbild. Auch was ihren Kleidungs-Stil betrifft: Miss Sudan Archives zeigt sich gerne wie die Neo-Soul-Queen: in weiten Kleidern, bunten Stoffen mit afrikanischen Mustern. Modisch ist sie eher von Ghana und West-Afrika beeinflusst, wie sie in einem Interview sagt, musikalisch eher von Ost-Afrika.

„I want to be friends, friends 'til time ends“ singt sie in „Come Meh Way“ - der Single aus der ersten EP von Sudan Archives, die Mitte September auch auf Vinyl erscheinen wird. Das am meisten von Streichern getragene Stück hat sich auch in der Zündfunk Redaktionshitparade für August platziert. Veröffentlicht hat die Digital-EP das West-Coast-Label Stones Throw. Die Kalifornier entdeckten schon Künstler wie Aloe Blacc, J Dilla oder Mayer Hawthorne. Musiker mit Soul in allen Facetten. Im Track „Oatmeal“ hört man am Besten, was die Musikerin am Sound des Sudan fasziniert: der afrikanisch-arabische Mix – das Land liegt schließlich zwischen Ägypten, Äthiopien und Saudi Arabien. 

Die Geige als Rhythmus-Maschine

So wie viele west-afrikanische Gitarristen ihr Instrument anders, perkussiver spielen als die meisten weißen Kollegen, macht es Brittney Parks auch mit ihrer Geige. Sie benutzt sie eher als Tonerzeuger, als verfremdungs- und Rhythmus-Maschine. Mal spielt sie sie mit Bogen, dann tupft sie mit den Fingern auf die Saiten, sampelt die Geige mit der Loop-Station oder verändert sie via App. Das Instrument spielt in ihrem auf leichten Hip Hop-Beats gebauten Sound die „erste Geige“.

Sudan Archives ist neben Laurel Halo, Holly Herndon und FKA Twigs eine der vielen Frauen im avantgardistischen Pop, die den Männern gerade in Sachen „Experiment“ davonspielen. Und ihre Musik eine unerhört-moderne Art von Folk. Ein Plädoyer für besseren Musikunterricht und mehr Bands, die in Schulen spielen dürfen!


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