Bayern 2 - Zündfunk


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Album der Woche: "Milano" Wie die Parquet Courts und Daniele Luppi amerikanisch-italienische Freundschaft feiern

Der italienische Musiker hat wieder eingeladen. Beim letzten Mal war es der US-Super-Produzent Dangermouse. Die neue Platte ist mit der New Yorker Indie-Band Parquet Courts entstanden. On top: Karen O von den Yeah Yeah Yeahs am Mikro. Eine Konzept-Platte über das (Mode)-Mailand der 80er. Und das Ende seiner Italien-Trilogie.

Von: Ralf Summer

Stand: 20.11.2017

Lässig, lässig. Mit dem tollen „Soul And Cigarette“ beginnt dieses aufregende Aufeinandertreffen. Daniele Luppi, italienischer Soundtrack-Komponist und die Parquet Courts, die an The Velvet Underground erinnernde New Yorker Band, haben tatsächlich eine gemeinsame Platte aufgenommen. Die klingt so rund und so stimmig, dass man meinen würde sie machen schon ewig miteinander Musik. Und obwohl das allein schon eine saubere Überraschung ist, gibt es on top noch Karen O von den Yeah Yeah Yeahs.

Eine Hommage an Gianni Versace

Okay, Karen O ist nur bei vier der neun Stücke Gast am Mikrofon. Aber sie gibt der Platte den Glam, den das Thema braucht: es geht über das wilde Mode-Mailand der 80er. Mit  seinen rauschenden Partys. Es geht um all die Außenseiter und Gestrandete und deren Vorliebe für den coolen und dreckigen Post-Punk aus New York. Das Video zum Song “Talisa” ist eine Anspielung an den britisch-italienischen Kino-Klassiker “Blow Up”. Der Text ist eine Art Liebesbrief an das Model und Schauspielerin Talisa Soto. Sie war Muse von Gianni Versace, dem weltbekannten Modeschöpfer aus Mailand. Zu seinen Kunden gehörten die Stars der 80er Jahre: Michael Jackson, Elton John und Madonna.                    

Der New Wave der frühen 80er treibt den coolen Beat von “Flush” voran. Und erinnert an Blondie in ihren besten Tagen. In „Pretty Prizes“ singen Andrew Savage von den Parquet Courts und Karen O im Duett – das nächste Duett komplett nach Courtney & Kurt.

“Milano” ist der Schlussteil von Daniele Luppis Italien-Trilogie, die 2004 mit “Italian Story” begann. Teil 2 war Luppis Kooperation mit Danger Mouse: “Rome” fing eine andere Ära seines Landes ein. Die Platte verhandelte den Spaghetti-Western-Sound der 50er. Danger Mouse ist zwar diesmal bei den Eighties in Mailand nicht mit im Boot, aber er veröffentlicht die “Milano”-Platte auf seinem Label. Damit geht die lange Freundschaft zwischen den Beiden weiter. Sie kennen sich, seit Daniele Luppi für den Gnarls Barkley-Welthit “Crazy” die Streicher arrangierte. Inzwischen lebt Luppi in Los Angeles. 

Beauty and decay in the mix

Ich war einmal in einer Disco in Mailand. Da hat es der DJ geschafft, nach Roxy Music glatt die Sex Pistols zu spielen. Was wohl nur für mich ein Problem war. Die Models stellten ihre Handtaschen für eine Runde Pogo light auf den Dancefloor. Danach ging es weiter mit Italo-Disco. Ich fand es damals furchtbar dekadent und stillos. Heute könnte man so etwas als "Playlist-Wildstyle" feiern. Beauty and decay in the mix.

Nach einer halben Stunde kommt unser Album der Woche über die punkigen 80er im poppigen Mailand beim Jazz an - im „Café Flesh“. Wo man wahrscheinlich darüber diskutiert, dass man sich Hollywood nicht ohne die italienischen Einflüsse vorstellen könnte: "Der Pate", "Once Upon A Time In America" oder die "Sopranos". Schade nur, dass es in der Musik, im Pop, nur so selten zusammen funzt. Es wird Zeit für eine neue Art von amerikanisch-italienischer Freundschaft. Salute!


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