Bayern 2 - Zündfunk


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Album der Woche: Juana Molina Voodoo-Magic und Fieberträume

Juana Molina spielte in einer erfolgreichen argentinischen Comedy-Serie. Damit ist aber schon lange Schluss. "Halo" ist schon das siebte Album der experimentellen Songwriterin. Gags gibts mittlerweile nur noch auf dem Albumcover.

Von: Tobias Schießl

Stand: 15.05.2017

Zwei Augen starren dich an. Durch eine venezianische Maske. Es sind die Augen der argentinischen Musikerin Juana Molina. Schaut man genauer hin, sieht man: Das ist ein überdimensionaler Knochen, keine Maske. Ziemlich spooky, ziemlich skurril – das Cover ihres neuen Albums "Halo".

Juana Molina, Cover von Halo | Bild: Crammed Discs

"Ein Knochen ist ja nichts Angsteinflößendes oder Abstoßendes. Ich hab selber eine kleine Sammlung von Knochen, die ich am Strand gefunden habe. Die sind von der Sonne, dem Meer und der Zeit verwittert. Ich finde, das ist was ganz Besonderes und Schönes. Und die ersten Reaktionen waren total unterschiedlich: Schauer, Abneigung, Überraschung, und  Faszination. Da hab ich gewusst – das wird das Albumcover. Das war das Bild, das ich so lange gesucht habe", erzählt Juana Molina dem Zündfunk.

Weird, schaurig, schön

Das Bild erzählt ganz gut, was musikalisch auf "Halo" passiert. Molinas hypnotische Stimme folgt ziemlich tiefenentspannt den warmen Synthesizer- und Gitarrenklängen. Gleichzeitig rauscht und brummt es aber immer wieder bedrohlich, und im Nachhall vernimmt man eine dezente Verstimmtheit.

Es ist Juana Molinas siebtes Album. Sie ist ist eine Abenteurerin, will immer weiter, raus aus dem, was man kennt. Das alte Vers-Refrain-Vers Schema ödet sie an. Bei ihr ist alles im Fluss. Diesmal mit ein bisschen mehr Voodoo-Magic und strangen Fieberträumen. Tune-Yards lässt grüßen.

Zu den herrlich verspulten Sounds gesellen sich Wortfetzen und Improvisationen, die eher eine Stimmung als Geschichten transportieren. Aber auch solche finden sich auf dem Album der Argentinierin. Passend zum skurrilen Cover des Albums singt Molina in „Cara de espejo“ von der Maske, die wir alle allzu oft tragen. Ein Blick in den Spiegel genügt. Und ihr ist klar geworden, dass "wenn du in den Spiegel siehst, dann tust du das aus einer bestimmten Erwartungshaltung. Du setzt ein bestimmtes Gesicht auf, das dich niemals enttäuscht. Ein Gesicht, das du kennst, weil du es in deinem Leben schon zig Mal gesehen hast. Nur damit du dir selbst gefällst."

Ein selbstgefälliges Spiegelbild

Auch das Artwork von "Halo" verzaubert

Dem Zündfunk berichtet Molina: "Wenn ich Musik aufnehme, dann bin ich wie in einem nicht endenden Tunnel. Es ist stockdunkel und alles verschwindet. Vor allem ich selbst, das ist mir ganz wichtig. Da sind keine Gedanken mehr, kein Bewusstsein, einfach nur machen. Musik machen. Und es den Instrumenten erlauben, mich an die Hand zu nehmen und mir zu sagen, wohin die Reise gehen soll. Selbst wenn ich singe – ich lasse es einfach passieren, da denke ich nicht drüber nach."

Auch wenn Molinas Unterbewusstseins-Pop manchmal einen kleinen Ticken zu gedankenverloren gerät. Sie hat mit "Halo" eine Platte gemacht, die nur so vor fantastisch-vertracktem Experimental-Pop strotzt, und dabei doch ganz leicht daherkommt. Ein bisschen wie ein Windspiel, das in seiner strangen Art so faszinierend ist, dass man ihm ewig zuhören möchte.


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