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Album der Woche: Ariel Pink "Alle sagen immer, ich klinge nach L. A. Porno - wovon zur Hölle sprechen die?"

Kritikerliebling, Chaot und Träger der schrillsten Haarfarben - so kennen wir Ariel Pink, der einst im Animal Collective-Umfeld anfing, seine ersten Platten zu veröffentlichen. Mittlerweile wirkt er fokussierter denn je, auch wenn er sein Leben immer noch nicht im Griff hat.

Von: Thomas Mehringer/Julian Weber

Stand: 18.09.2017

A real Pink. Ein echter Pink. So will Ariel Pink ausgesprochen werden. Nicht wie Arielle, die Meerjungfrau. Ein echter Pink ist auch die Schlagzeile, die in seiner geliebten Heimat Beverly Hills in L.A. gerade die Runde gemacht hat: Ariel Pink war die letzten 15 Jahre verheiratet - ohne es zu wissen. Seine Ehefrau hat die Scheidungspapiere nie unterschrieben, das haben sie jetzt nachgeholt. Typisch Pink, Bürokratie interessiert den Künstler-Hobbit nicht, mit wem er sich umgibt, schon. "Alle sagen immer: Du klingst nach L. A., nach dem widerlichen L. A., dem der Porno Stars. Ich hab keine Ahnung, wovon zur Hölle die sprechen. Vielleicht fantasieren sich Leute das so daher, wenn sie noch nie in L. A. waren. Vielleicht klinge ich wie ein Pornostar, aber ich hab mich nie in einen hineinversetzt."

Mit Pornostars hat es Ariel Pink nicht so, dafür mit gebrochenen Menschen, denen das Leben übel mitgespielt hat. Auf unserem Album der Woche hat sich Ariel Pink in einen Künstlerkollegen aus L. A. versetzt, seine neue Platte heißt “Dedicated to Bobby Jameson”. Jameson war ein aufstrebender Popstar aus L. A. in den Sixties. Er spielte unter anderem im Vorprogramm der Beach Boys. Sein Sound erinnert nicht zufällig an den von Ariel Pink.

Diese Platte ist eine Widmung - und eine Warnung

Bobby Jameson war auf dem Weg, ein Großer zu werden, dann kam der Absturz: Sektenanhänger, obdachlos, alkoholkrank, totgeglaubt, aber 2007 taucht er wieder auf, und rechnet in einem Blog mit dem Musikbusiness und der Welt ab. 2015 stirbt er bettelarm. Das Album ist eine Widmung - und eine Warnung: Es kann ganz schnell jeden von uns treffen. Im Titelsong singt Pink demütig: "Me myself and I - try not to die".

Auf “Dedicated To Bobby Jameson” tut Ariel Pink das, was er immer tut - und im Endeffekt einen tollen Künstler ausmacht: Er polarisiert. Er setzt nach einem Song wie “Feels like Heaven”, der in den Sixties schon ein Hit gewesen wäre, einen verstörenden Haufen wie “Death Patrol” auf die Tracklist. Bei Pink kann nicht Hit auf Hit folgen, er will uns Hörer fordern - gerne auch überfordern. Dabei mixt er nicht nur Genres, sondern auch die Jahrzehnte, wie er im Interview erzählt: "Ich würde sagen, ich habe die Sixties in die Eighties gebracht. Eigentlich tue ich das, was ich immer gemacht habe. Ich meine, da es gibt Unterschiede zwischen meinen Alben, aber ich versuche das nicht bewusst zu ändern, ich versuche nur Songs zu schreiben, aber ich ändere jetzt nicht aktiv die Richtung oder versuche mich dem Zeitgeist anzupassen."

"Human League, Michael Jackson und Battlestar Galactica haben mich geprägt"

Mag Battlestar Galactica: Ariel Pink in schwarz

Auch wenn Ariel Pink in den Sixties und Eighties hängengeblieben ist, wie auf einer Auslaufrille: Aktuelle Themen wie Online-Dating, Netflix und Uber kommen in seinen Texten vor. Trotzdem: Pink bleibt ein Künstler, den man retro nennen kann – wenn auch ein ziemlich Spezieller. "Ich passe in kein Genre. Das Einzige, was retro an mir ist: Mein Wunsch wieder fünf Jahre alt zu sein, da bin ich das erste Mal mit Musik in Berührung gekommen. Das war in den späten Siebzigern. Darum bleibe ich auch bei Human League und Michael Jackson, die liefen, während Battlestar Galactica im TV kam. Das hat mich wirklich geprägt."

Wie ein Fünfjähriger seine bunten Lollis wechselt, so hat Pink früher auch seine Haarfarbe gewechselt. Mittlerweile hat es sich bei blond oder mal schwarz eingepegelt. Ariel Pink wirkt jetzt fokussierter. Das Chaos, für das ihn sonst vor allem die Kritiker lieben, ist nicht mehr so stark, trotzdem ist “Dedicated To Bobby Jameson” ein echter Pink. A real Pink eben. Nur Empathie rückt jetzt in den Vordergrund - vor allem für einen ganz bestimmten Zeitabschnitt im Pop: "Das Sixties-Revival ist gefühlt gerade mal fünf Minuten her, also die perfekte Zeit für mich da dran zu bleiben. Damit schaffe ich’s auch weiter, komplett aus der Mode zu sein - und trotzdem relevant zu bleiben. Ich will eigentlich nur die Sixties zum hundertsten Mal wiederbeleben."


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