Bayern 2 - Zündfunk

Why? "Mumps etc."

Angefangen haben Why? als Ein-Mann-Projekt von Yoni Wolf in San Francisco. Seit letzten Freitag steht ihr mittlerweile viertes Bandalbum in den Läden. Und nach dem 2008er Album „Alopecia“, dem Haarausfall, ist unser Album der Woche wieder nach einer Krankheit benannt.

Von: Thomas Mehringer Stand: 08.10.2012

Rubula, Tölpel, Ziegenpeter oder einfach: Mumps. Es gibt viele Namen für die unangenehme Kinderkrankheit, an der man nur einmal im Leben erkranken kann. Auch die Band Why? funktioniert wie ein Virus: und wer sich diesen Virus einfängt wird gleichermaßen mit Indie-Pop und allen möglichen Formen von Hip Hop infiziert. „Mumps etc.“, das vierte Album von Why?, soll laut Gründer Yoni Wolf nun den Geist freimachen von allen körperlichen Gebrechen.

"Ich habe das Gefühl, dass man nur schwer über etwas anderes nachdenken kann, wenn einem der eigene Körper Probleme bereitet. Der Geist ist nicht frei, die Krankheit stranguliert dich, man ist darin gefangen. Es fällt mir schwer, meinen Körper hinter mir zu lassen, wenn ich krank bin. Wenn man gesund ist und sich gut fühlt, dann denkt man erst gar nicht über den eigenen Körper nach und ist frei für andere Dinge. Und genau das will diese Platte, sie ist eine Art Rachenputzer."

Yoni Wolf

Stream Of Funny Consciousness

Yoni Wolfs Rezept dafür ist eine feine, durchaus lebensbejahende Melancholie, die er seinen erstmals durchgehend zugänglichen Songs anheftet. Seine Beats bleiben samplefreie Zone, aber alte Leitmotive wie rasselnde Ketten und andere Klacksounds tauchen immer noch auf - werden aber konterkariert von eher warmen weiblichen Chorälen.

Cover von Mumps etc.

Die Texte von Wolf folgen auch auf „Mumps etc.“ seinem so geschätzten „Stream Of Funny Consciousness“ – oftmals sehr kryptisch, zumeist humorig, und immer hintersinnig. Nicht nur deswegen wird Yoni Wolf gerne mit Woody Allen verglichen – auch Yoni hat jüdische Wurzeln.

"Mein Humor – ich würde ihn nicht als typisch jüdisch bezeichnen. Es gibt da vielleicht eine selbstironische Qualität, die man bei Woody Allen und anderen jüdischen Künstler erkennen kann. Woody Allen ist jüdisch, klar das ist seine Basis, da kommt er her. Aber noch mehr ist er eben Woody Allen, mit einem sehr einzigartigen Sinn für Humor. Wenn es zwischen seinem und meinem Humor eine Verbindung gibt, dann vielleicht die selbstironischen Seiten. Aber ob das typisch jüdisch ist? Vielleicht."

Yoni Wolf

Anticon bleibt innovativ

Redet man über Why? muss man auch über ihr Label Anticon reden, auch das hat Yoni Wolf mitbegründet. Anticon lotet die Grenzen von Hip Hop aus – nahezu alle Acts wie Sole, Doseone oder in jüngerer Vergangenheit Son Lux und 13 & God bewegen sich entlang der Hip Hop-Peripherie. Und man hätte beinahe Angst haben können, dass der brandneue Crossover von R’n’B, Indie und Whateverstep, dass all diese James Blakes und Nicolas Jaars das einst so innovative Anticon Label alt aussehen lassen. Irgendwie etwas angestaubt und jugendzentrig. Aber mit „Mumps etc.“ kommen Why? nochmal mit einem leicht verspäteten Standardwerk ums Eck.

Selten wurde Sprechgesang perfekter mit Indie verbunden. Aus der Perspektive von Hip Hop bleiben Why? der sympathischste Virus, den Indie-Pop je hat ausschwitzen müssen.


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