Bayern 2 - Zündfunk


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Album der Woche Torres feiert auf "Three Futures" den Körper - mit vielfältigen Emotionen

Torres wechselt die Schublade: Weg von typischem Singer-Songwriter-Kram, hin zu ätherischen Space-Cowboy-Klängen. Ein Wechsel, der ihr sehr gut steht. "Three Futures" ist unser Album der Woche.

Von: Barbara Streidl

Stand: 02.10.2017

Eine Lady mit einem Staubsauger. Ein Cowboy mit einem Glas Whisky. Eine Frau mit einer Telecaster-Gitarre: Alle drei werden von derselben Person gespielt im Video zu „Three Futures“: Torres heißt auf Spanisch „Türme“. Darin verbirgt sich die US-amerikanische Musikerin Mackenzie Scott, sie hat sich nach ihrem verstorbenen Großvater benannt. Die Biografie der 26-Jährigen gibt allein schon Stoff für eine Handvoll Songs her: Geboren in Florida, aufgewachsen bei strenggläubigen Adoptiveltern in Georgia, in der Kirche hat sie das Musikmachen kennengelernt, in Gottesdiensten gesungen und dann, in der High School, eine Hauptrolle im „Fiddler on the roof“.      

Ihre Stimme fällt weich

Torres klingt anders als ihre Singer-Songwriter-Kolleginnen Sharon Van Etten oder Lady Lamb the Beekeeper, mit denen sie öfter auf der Bühne steht: Ihre Stimme ist viel tiefer. Torres lässt  ihre Telecaster zum Synthieteppich werden und setzt Elektrogebrummel ein: Ein weiches Bett für ihre tiefe Stimme. Ihr erstes Album hat sie noch als Studentin im Studio von Tony Joe White aufgenommen. Auf ihrem zweiten Album beschreibt Torres ihr Zweifeln an der Baptistischen Kirche. In ihrem dritten Album geht es nun um den Körper, der wird gefeiert, und zwar mit vielfältigen Emotionen.

Ein neues Musikgenre: Space Cowboy

Dabei bleibt die dunkle Seite des Körperfests nicht aus: Es wird gehasst und gezweifelt, und die Liebe landet auf dem Müll. Spätestens auf ihrem dritten Album hat Torres sich aus der Singer/Songwriter-Schublade herausgewunden und eine neue Kategorie eröffnet: „Space Cowboy“, hat sie selbst mal zu ihrem Sound gesagt.

Ein Cowboy legt sich ins Bett. Eine Lady legt sich dazu. Eine Frau stellt die Telecaster weg und nähert sich den gespreizten Beinen der Lady. Ganz offensichtlich setzt sich Torres in ihren Songs mit lesbischer Liebe auseinander. „Die feministische Rockplatte der Stunde“, jubeln deswegen viele, weil Torres Grenzen überschreitet – und das sehr selbstbewusst.


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