Bayern 2 - Zündfunk

Tame Impala "Lonerism"

Ein "Impala" ist eine schnelle Schwarzfersenantilope. Ein "Tame Impala", also die zahme Antilope, ist im Zweifel die langsame Version davon – oder eine junge Band aus Perth, Australien, die unentwegt durch die Welt tourt und jetzt ihr zweites Album "Lonerism" vorlegt.

Von: Thomas Mehringer Stand: 22.10.2012

"Feels like we only go backwards" – aber es fühlt sich eben nur so an. Der Songtitel nimmt die gerade schwelende Retro-Diskussion wunderbar auf. Und dennoch wird er dafür sorgen, dass man sich in der Zukunft, in zehn Jahren vielleicht, an diese junge Band aus Perth erinnern wird. Und an all die Widersprüche der retromanischen Zeit, für die die Band fast schon exemplarisch steht. Tame Impala klingen mit ihrem rückwärtsgewandten 60s-Psychedelic Pop wie keine andere Band momentan. Und wie fast keine zuvor. Aber reicht das schon, um der Retrofalle zu entkommen?

Es ist vielleicht die falsche Frage. Vielmehr müsste es heißen: Wie schafft es Bandchef Kevin Parker, schlau um diese Retrofalle herum zu manövrieren? Eine Antwort könnte sein: Er setzt die Technik ganz anders ein. Wie zuvor schon MGMT sind viele der psychedelischen Ausfransungen seltsamerweise mit dem Synthie gespielt und eben nicht mit der Gitarre. Die Gitarre wiederum tritt auf die Effektpedale, das aber mit komplett anderen Noten.

"Unsere Gitarren klingen ziemlich clean. Mit Super-Fuzz-Effekt und einer Menge Nachhall – eben Shoegaze-Gitarren, die nicht mit den üblichen Shoegaze-Noten gespielt werden. So klingt keine andere Band."

Jay Watson, Tame Impala

Psychedelic Pop und der Geist von John Lennon

Der Innovationswille ist bei Tame Impala in fast jeder Sekunde zu spüren. Ob das allein schon reicht, um den Retro-Vorwurf zu entkräften, das müssen andere entscheiden.

Tame Impala - Lonerism | Bild: Roughtrade

Kevin Parker ist in Australien und Europa kein Unbekannter mehr. Seine Psychedelic-Expertise ist bei Bands wie den Canyons, Pond oder jüngst bei der französischen Songwriterin Melody’s Echo Chamber sehr gefragt. Die letzten zehn Jahre hat er, wenn er nicht gerade auf Tour war, im Studio verbracht, um an seinen Sounds rumzubasteln. Für seine unzähligen Effektgeräte braucht er auf Tour fast einen eigenen Truck. Was auf dem zweiten Tame Impala Album "Lonerism" hinzukommt: beatlesker Pop und der Geist von John Lennon.

"Dieses Mal hatte ich keine Angst, die Dinge extrem anzugehen. Es gibt da diese Pop-Melodien, die ich in eine Klanglandschaft gesetzt hab – aber diese Melodie gibt dir richtig eins in die Fresse. Anders noch als beim letzten Album, wo sie nur so rumschwebten."

Kevin Parker, Tame Impala

Und bei Tame Impala schwebt so einiges herum: Kevin Parkers Vater, ein Hobbymusiker, hat in einer Supertramp-Cover-Band gespielt. Kevin selbst beschäftigte sich mit Bands wie Rage Against The Machine, Cream oder der rätselhaften holländischen Prä-Acid-Band Brainticket.

Nachhören

Tame Impala | Bild: Roughtrade zum Audio Album der Woche Tame Impala - "Lonerism"

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Wie schon das Debüt wurde auch "Lonerism" von Dave Fridman abgemischt. Der Mann hat mit Mercury Rev und MGMT schon zuvor Bands betreut, die Psychedelic und Pop zusammengedacht haben. Und wie sich Zukunft und Vergangenheit arrangieren lassen. Würden alle Musiker so eigensinnig und innovativ mit altem Material umgehen wie Tame Impala: Wir könnten den Retro-Diskurs, so notwendig er war, in die Archive schicken. It feels like they only go forward, baby.


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