Bayern 2 - Zündfunk


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Album der Woche - Aromanticism Moses Sumney vereint in seinem Sound Björk und Gospel

Das Debüt des afro-amerikanischen Prediger-Sohns ist ein Konzept-Album über Liebe & Romantik. Sumneys Folk-Soul kommt mal ätherisch, mal opulent daher. Auch David Byrne, Sufjan Stevens und Solange sind Fans seiner hohen, einnehmenden Stimme und luden ihn schon als Support-Act ein.

Von: Ralf Summer

Stand: 25.09.2017

Moses Sumney | Bild: Jagjaguwar

„Aromanticism“ - „Aromantik“ würde es im Deutschen heißen. Im Booklet zur Platte erklärt Moses Sumney, was der Titel meint, bzw wie sein Debüt hätte noch heißen können: „Narcissus“ oder „Don´t Touch Me, Please Touch Me“ oder „Let´s Touch Each Other but Please Leave Right After We Cum“. Die alternativen Album-Titel deuten es an: die Platte beschäftigt sich mit Nähe und Abgrenzung – Moses Sumney hat ein Konzept-Album zum Thema „Liebe und Romantik“ aufgenommen.

Musik spielt schon immer eine große Rolle im Leben von Moses Sumney. Seine Eltern kamen aus Ghana in die USA – sie waren Missionare und führten eine Kirche in Kalifornien. Besonders prägend war für ihn ein bestimmter Tag in der Woche, sagt er im Interview: Ja, bei uns lief Sonntagmorgen immer Gospel – und zwar richtig laut durchs ganze Haus. Meine Eltern waren Musik-Connaisseure. Mit 16 entdeckte ich dann Ella Fitzgerald auf Youtube. Und die vielen Coverversionen, die es dort gibt. Daher kommt mein Jazz-Einfluss.”

Auf demselben Label wie Bon Iver und Angel Olsen

Seine Eltern gingen mit Moses dann wieder zurück nach Ghana und bauten mit den Dollars, die sie in den USA gemacht hatten, Schulen auf. Ihr Sohn hörte ihn Afrika weiterhin lieber westliche Musik. Aber irgendwann zogen die Sumneys wieder nach Kalifornien zurück. Und Moses entdeckte durch die neuen Casting-Shows im Fernsehen seine Stimme: „Ich habe viel ´American Idol´ geschaut und merkte: Auch ich kann singen! Dann hatte ich aber wieder Zweifel: ´Bist du vielleicht auch einer von den Wahnsinnigen, die nur denken, dass sie singen können!?' Die Auftritte dieser Selbstüberschätzer bei American Idol waren zum Teil ganz schön gruselig.“

Oft steht bei Sumneys Stücken eine perlende Akustik-Gitarre im Zentrum. Seit 2014 veröffentlicht er eigene Musik. Erst auf Single, Kassette oder einfach im Netz. Sein Debütalbum erscheint nun auf einem renommierten Indie-Label in den USA, auf Jagjaguwar – wo Bon Iver oder Angel Olsen zu Hause sind. Musikalisch reicht seine Palette von ätherischem Folk bis zu opulentem Soul, der zum Teil ins Operettenhafte geht: Moses ist Björk-Fan. Geholfen haben Musiker aus dem Flying Lotus-Umfeld und der Rap-Produzenten Ludwig Göransson aus Schweden.

Moses Sumney war noch nie verliebt

Moses Sumney ist 26 und hat ein Album über ein Thema geschrieben, über das er nicht viel weiß, wie er zugibt. Wir könnten ihn den ´Karl May der Liebe´ nennen: „Hm, Liebe gab es bei mir bisher nur minimal. Meine Liebeserfahrungen resultieren eher aus einer Sehnsucht nach Menschen: ich war aber noch nie so richtig verliebt. Aber wenn ich mir ansehe, wie Menschen ihre Liebe kundtun, dann finde ich es oft zu offen: nichts gegen ne süße private SMS, aber immer diese süßen Posts in aller Öffentlichkeit: ´hey, schaut her, ich bin verliebt!´ Ist das nicht etwas komisch?“

Dann drücken wir Moses Sumney mal die Daumen: dass er bald auf Liebe trifft. Es muss ja vielleicht noch nicht gleich die Liebe des Lebens sein.


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