John Maus "A Collection of Rarities and Previously..."
Etwas umständlich, aber korrekt heißt das neue Album des 32-jährigen Amerikaners John Maus: „A Collection of Rarities and Previously Unreleased Material“. Der ehemalige Philosophie-Dozent macht eigentümlich reduzierte Lo-Fi-Songs. Intellektuellen-Pop zum Mitsummen - unser Album der Woche!
1999: John Maus, geboren 1980 in Austin, Minnesota, studiert Philosophie am California Institute of the Arts in Los Angeles. Dort begegnet er dem zwei Jahre älteren Ariel Pink, der später assoziiertes Mitglied des New Yorker "Animal Collectives" werden wird. Die beiden teilen das Interesse für experimentelle Musik und treten bald gemeinsam auf: Maus am Keyboard, Pink singt. Beide basteln – jeder für sich – an eigenen Tracks. Das älteste auf dieser Raritäten-Compilation vertretene Stück stammt aus dieser Zeit und heißt "Fish with broken Dreams".
Der John Maus-Sound wurde schon damals geboren: Billige Beatboxes, analoge Synthie-Flächen, die entweder an den Prog-Rock der 70er oder den Electro-Pop der 80er Jahre erinnern, darüber der Gesang von John Maus, der immer durch Filter und Echokammern verfremdet wird: Lo-Fi mit Anspruch.
Völlig neuartige Akkord-Folgen kann man zweierlei verwenden, sagt John Maus in einem Interview mit dem Internet-Magazin "The Drone": Entweder als alberne Popmusik, wo sie dann die Mechanismen des Kapitalismus repräsentieren oder als experimentelle Sprache. Maus verknüpft seine Musik nämlich immer mit Theorie. Seine Songs heißen übersetzt: "Mein Hass ist aufsehenerregend" oder "geistiger Zusammenbruch".
Unter Genie-Verdacht
Ein Künstler muss leben, deswegen geht John Maus nach Abschluss seines Studiums 2006 nach Hawaii, wo er als Philosophie-Dozent arbeitet. Dort entstehen auch seine ersten beiden Alben "Songs" und "Love is real", die genau die erwarteten Reaktionen hervorrufen. Manche Kritiker bezeichnen die Songs als unhörbaren Krach, andere stellen Maus unter Genie-Verdacht – ein Star des Intellektuellen-Pop ist geboren.
John Maus glaubt nicht an Aufrichtigkeit oder Authentizität in der Kunst. Er glaubt an die Inszenierung, an das Spiel eines Clowns. Seine Vorbilder sind der radikale Punk-Rock-Performer GG Allin oder Genesis P-Orridge, einst Frontmann/frau der britischen Experimentalisten Throbbing Gristle und Psychich TV. Entsprechend sind John-Maus-Auftritte wilde, autistische Performances. Die aufgezeichnete Musik von Mr. Maus ist im Vergleich dazu eher verhalten, auch auf den nun veröffentlichten Raritäten.
Schlauer Spinner
Man kann sagen: John Maus ist ein Spinner und zugleich ein schlauer Kopf, der sich nicht anders ausdrücken kann und will. Zur Beruhigung seiner Seele hat er Hawaii inzwischen verlassen und lebt wieder – ohne Lehrauftrag - in seiner Heimatstadt Austin, Minnesota, 25.000 Einwohner. Dort wohnt John Maus wieder in der Nähe seiner Mutter, was beruhigend auf ihn wirkt.
Im letzten Jahr kam für Maus der internationale Durchbruch mit dem Album "We must become pitiless Censors of ourselves" – ein Plädoyer für radikale Selbstkritik. Die nun vorliegende Raritäten-Compilation hilft dabei, das Maus-Bild abzurunden. Die Songs hier erweitern das Psychogramm des Künstlers. Die Themen sind Hass, Angst, Verlorenheit und die Engel der Nacht. John Maus ist ein gefährlicher Clown. Er meint es ernst.

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