Bayern 2 - Zündfunk

Foxygen "We Are The 21st Amabassadors Of Peace & Magic"

Ein gutes halbes Jahr ist es erst her, da war das Debüt von Foxygen unser Album der Woche im Zündfunk. Auch beim Zweitling werfen sie wieder mit Zitaten und Referenzen um sich und müssen sich deshalb die Frage gefallen lassen, wo ihr eigener Rock 'n' Roll eigentlich anfängt.

Von: Thomas Mehringer Stand: 28.01.2013

Led Zeppelin, die Ramones, T. Rex, David Bowie, Brian Jones, natürlich die Stones, Adam Green, The Doors, The Cramps, The Kinks, Velvet Underground, Stephen Malkmus, Frank Zappa, The One And Only David Hasselhoff, John Maus, Ariel Pink und Kindness.

Ich hab extra nachgezählt, - Schande über mich! - insgesamt rekordverdächtige 17 Referenzen sind in meiner Rezension zur Debüt-Mini-LP „Take The Kids Off Broadway“ vor rund einem halben Jahr aufgetaucht. Auch damals waren Foxygen schon unser Album der Woche. Den Nachfolger mit dem kinky Namen "We Are The 21st Amabassadors Of Peace & Magic" hat die Band gleich im Anschluss daran und innerhalb von nur einer Woche geschrieben. Das legt die Vermutung nahe, dass sich nicht besonders viel getan hat! Hat es aber: Die Referenz-Liste muss dringend ausgebaut werden – zum Beispiel um einen weiteren bescheidenen Namen aus der Popgeschichte: Elvis.

Schräge Hippievögel mit Sinn für Humor

Nur echt im Doppelpack: Jonathan Rado und Sam France alias Foxygen

Immer noch sind die Hippie-Brüder Jonathan Rado und Sam France erst Anfang 20. Und immer noch haben sie es offenbar nötig, mit ihrem Pop-Wissen zu beeindrucken und zu blenden. Zum Glück für uns und für die Band erstarren sie dabei keinesfall in Ehrfurcht, sondern zitieren mit ziemlich abgedrehtem Humor. Im Interview mit MTV-Moderator John Norris erzählen die beiden von der Demo eines der Hits des Albums „San Francisco“.

"Den Song gab es in verschiedenen Versionen. Die Strophen war anfangs mehr so countrylike. Auf den Demos waren Furzgeräusche und Zeug drauf. Irgendwie wurde es dann doch ein netter, hübscher Pop-Song – aber wir wollten auch die Texte zu einem Pop-Song schreiben. Sam hat dann den Refrain so geschrieben: 'I left my love in San Francisco...'."

Jonathan Rado und Sam France im MTV-Interview

San Francisco? War da nicht was? Ja, genau: Scott McKenzie sei hiermit auf der immer länger werdenden Referenzliste hinzugefügt. Das geht bei Foxygen fast so schnell wie ein Playlist-Abonnement bei Spotify. Beim Song "Shuggie" sind es neben Shuggie Otis die ausladenden Refrains des Electric Light Orchestras. Und bei "Oh Yeah" zitiert schon der Titel den Background-Gesang von Jean Knights größtem Soul-Hit "Mr. Big Stuff".

Jagger-Gesang zu Beatles-Sound - brauchen wir das?

Aber brauchen wir eine weitere Band, die an der Retro-Reste-Rampe mitbastelt? Schon beim Debüt mussten sich Foxygen die Frage gefallen lassen, wo bei ihnen das pure Zitieren aufhört und ihr ur-eigener Rock 'n' Roll anfängt. Oder wie ein Hörer damals per Mail an den Zündfunk wissen wollte:

"Jagger-Gesang zu Beatles-Sound: Wie überflüssig ist das denn?!"

Meinung eines Zündfunk-Hörers

Sieht man sofort: Da haben sich zwei gefunden.

Die Antwort: Angesichts des jungen Alters und dem fortgeschrittenen Retro-Wahn von France und Rado kein bisschen überflüssig. Zuletzt durften vielleicht nur die fabelhaften Ween ihren Retro-Wahnsinn so ungeniert ausleben – und die sind ja bekanntlich getrennt. Foxygen sind der Rock ‚n‘ Roll-Crashkurs für gleichaltrige Hörer, die pophistorische App für zwischendurch und die vielleicht best-komprimierteste Spotify-Playlist der 60er und 70er. Well done, Ambassadors Of Peace and Magic.


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