Bayern 2 - Zündfunk

Dirty Projectors "Swing Lo Magellan"

Sie sind schon lange dabei und arbeiteten zuletzt mit Björk zusammen: Die New Yorker Band Dirty Projectors fordert ihre Hörer mit anspruchsvollem Indie-Rock heraus - ihre neue Platte "Swing Lo Magellan" ist unser Album der Woche.

Von: Florian Fricke Stand: 10.07.2012

Grizzly Bear werden dieses Jahr noch ein neues Album veröffentlichen, ihre Kompagnons in Sachen Schlaumeier-Rock legen schon mal vor. Wie schon etliche Bands vor ihnen zogen sich die Dirty Projectors aus Brooklyn ins ländliche New York zurück, um ihr neues Album "Swing Lo Magellan" zu schreiben. In einem Haus nahe des Delaware Rivers wurde zwölf Monate lang getüftelt und aufgenommen. Die Regie hatte dabei Dave Longstreth, der Gründer der Band.

Dave Longstreth, der Band-Diktator

"In der Band sind wir alle miteinander befreundet.  Ich glaube auch an Fairness und Großzügigkeit und dass man miteinander teilt. Aber wenn es um die Musik geht, dann werde ich zum Diktator."

Dave Longstreth

Die Dirty Projectors sind zwar mittlerweile zu fünft, aber der eindeutige Chef ist Dave Longstreth, Sänger und musikalisches Mastermind. 70 Songs und Beats hat er in der 12-monatigen Schreibphase für "Swing Lo Magellan" entworfen, ganze zwölf sind auf dem Album gelandet. Wie das gefeierte Vorgängeralbum "Bitte Orca" erschließt sich "Swing Lo Magellan" nicht sofort. Beim letzten Mal ging es vor allem um Klangfarben und um raffinierte Arrangements, diesmal war Longstreth auf der Suche nach dem perfekten Song.

"Es war mir wichtig die Dinge so direkt wie möglich zu sagen. Ich liebe es, wenn Aufnahmen Freiräume haben. Es ging wirklich um das Skelett der Songs, und nicht darum, ob sie ein hübsches Kleid anhaben."

Dave Longstreth

Dirty Projectors

Die Dirty Projectors machen es dem Hörer grundsätzlich nicht leicht, denn eigentlich ist ihre Idee von einem Song dessen Dekonstruktion: expect the unexpected. Ihre seltsame Mischung aus Art Rock, späten Beatles, ein bisschen Elvis Costello, R'n'B, ausgefeilten Gesangsarrangements und afrikanischer Rhythmik ist einzigartig. Longstreth hat mal klassische Musik studiert und das merkt man seiner Musik an. Sie ist nerdig, sophisticated und manchmal sogar überambitioniert - Markenzeichen und Damoklesschwert zugleich.

Kunst-Strebertum - zwischen Eitelkeit und Genie

"Als ich die Akkordfolge für „Gun Has No Trigger“ schrieb, dachte ich ein bisschen an ein Bach-Präludium, so wie die ersten fünf Akkorde die Tonart skizzieren, bevor es dann weitere Akkordfolgen gibt."

Dave Longstreth

Kann das dann überhaupt noch Pop sein, wenn Dave Longstreth Johann Sebastian Bach zitiert? Manchmal möchte man ihm sein Kunst-Strebertum um die Ohren hauen. Aber was würde das ändern? Frank Zappa hat man schließlich auch alles durchgehen lassen. Und so bewegt sich jedes neue Album der Dirty Projectors auf einen schmalen Grat zwischen Eitelkeit und Genie, zwischen Intellekt und Emotion. Dave Longstreth sieht darin keinen Widerspruch.

"Ich würde beides nicht unbedingt gegeneinander ausspielen. Im Idealfall nutzt man eine Idee oder ein Arrangement, um ein echtes, reales Gefühl zu erzeugen."

Dave Longstreth

Wer sich auf "Swing Lo Magellan" einlässt, muss es auch wirklich tun. Ansonsten wird es schwer, einen Zugang zu dieser verschachtelten Musik zu finden. Aber wer den Schlüssel findet, dem steht die Welt der Dirty Projectors offen. "Inside Dave Longstreth" könnte das Album auch heißen.


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