Bayern 2 - Zündfunk

Ariel Pink's Haunted Graffiti "Mature Themes"

Retro-Wochen bei McZündfunk im Album der Woche: John Maus, Foxygen, und jetzt: Ariel Pink's Haunted Graffiti. Auf "Mature Themes" gaukelt Ariel Pink uns nur seine Reife vor. Heraus kommt: ein unreifes Meisterwerk.

Von: Thomas Mehringer Stand: 13.08.2012

"Eigentlich behaupte ich, die Musik richtet sich ausschließlich an erwachsenes Publikum, aber natürlich ist viel Unreifes auf dieser Platte."

Ariel Pink

Auch wenn er sein neues Album selbstironisch „Mature Themes“ genannt hat, die Unreife wird man dem 34-jährigen Ariel Marcus Rosenberg - genannt Ariel Pink - nicht mehr austreiben. Momentan trägt der in L.A. aufgewachsene Künstler seine Haare im langen Wildwuchs, und in einem schon ins pinke hineinspielendem Orange. Aber das kann sich auch schnell ändern - sein Style ist seit jeher so unberechenbar wie er selbst. Ariel Pink ist ein Hobbit mit Kurt-Cobain-Face. Und eine Statement- und Argumentenschleuder. Egal was er sagt, erst mal denkt man: was soll das jetzt wieder?!      

"Was wäre, wenn Drogen dich töten, aber das Leben anderer retten. Das wäre für mich Grund genug, sie zu nehmen. Und ich glaube definitiv dran, dass Drogen Schmerz und Leiden dieses miserablen Lebens lindern."

Ariel Pink

Mehr als in Drogenexzesse flüchtet sich Ariel aber in die Musik und lindert damit unser Leiden – oder vergrößert es, je nach Standpunkt des Betrachters. Denn durch 500 Songs in etwa müsste sich ein Ariel-Hardcore Fan kämpfen. So viele hat er seit Mitte der 90er im Homerecording-Style aufgenommen und auf Kassetten rausgebracht – ähnlich wie sein Mentor, die Lo-Fi-Legende Stevie R. Moore. Eine Zeit lang hat er auf Paw Tracks, dem Label von Animal Collective veröffentlicht. Mit „Mature Themes“ erscheint nun sein zweites Studio-Album auf dem Label 4AD.

Ein Hippie mit Laber-Flash

Der Deal mit dem renommierten Indie-Label und die Zusammenarbeit mit seiner Band „Haunted Graffiti“ drosselt seine manchmal etwas zu infantile Experimentierlust. Wie schon auf dem ebenfalls Album-der-Woche-prämierten Vorgänger „Before Today“ dosiert Ariel Pin seine subversiven Anwandlungen, seine polyvalente Ironie und die überbordende Exzentrik äußerst clever. Manchmal macht er auf Hippie mit Laber-Flash, um sich dann mit einem Satz selbst zu konterkarieren.

"Wir sollten mehr darüber nachdenken, wie wir glücklich werden. Und die Menschen sollten sich bemühen, miteinander auszukommen und sich nicht schon umbringen, bevor sie überhaupt miteinander geredet haben. Sie sollten keine Tiere töten, die Bäume retten - und die olympischen Spiele. Langsam macht es mich krank, mir selbst zuzuhören...."

Ariel Pink

Schizo- oder Schnitzel-Boogie?

Ariel Pinks frühere Alben wie „The Doldrums“ oder „Underground“ konnten kaum gehen vor Schrägheit, seine neuen Songs stehen auf halbwegs sicheren Beinen und sein „Zurück aus der Vergangenheit“ - Sound ist schon fast salonfähig. Aber keine Angst: So schnell wird sich Ariel Pink nicht anpassen. Auf „Mature Themes“ gibt es immer noch genug Obskures. Da wird „Schizo“ auf „Schnitzel“ gereimt oder Klaus Kinski in einen Agententhriller voller Blowjobs gesetzt.

Auch wenn Ariel Pink uns hier seine „Mature Themes“ vorgaukelt, sein Hypnagogic Pop soll bitte nie so richtig erwachsen werden. Aber natürlich freuen wir uns darüber, dass Ariel Pink’s Haunted Graffiti in den großen Late-Night-Shows von David Letterman und Jimmy Fallon aufschlägt. Zudem kommt die Band im Herbst auch erstmals auf große Europa-Tour. Im Gepäck: ihr vorläufiges Meisterwerk mit dem vielleicht besten Bonus-Track der letzten Dekade, dem Donnie & Joe Emerson-Cover „Baby“. Damit beweist Ariel Pink, dass er eines ganz gewiss hat: Mature Soul.


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