Bayern 2 - Zündfunk

Frank Ocean, Le1f und Co. HipHop pro Homo

In Amerika wird in einem der politischsten und gleichzeitig homophobsten Musikgenre, dem Hip Hop über die Gleichstellung von homosexuellen Rappern diskutiert. Frank Ocean und Co. sei Dank.

Von: Lili Ruge Stand: 13.08.2012
Gay and proud: Le1F | Bild: BR

Als sich der neue R’n’B Superstar Frank Ocean vor gut einem Monat als bisexuell outete, war das eine ganz schön heldenhafte Geschichte: Denn Frank Ocean hat es gewagt, mit Hip Hops letztem Tabu zu brechen. Schwul- oder Bisein schien bis dahin bei den homophoben Gangstern so wenig vorgesehen wie in der Fußball Bundesliga.

Ein bißchen bi, schadet nie?

Frank Oceans Outing hat eine Diskussion angestossen.

Frank Ocean ist momentan vielleicht der berühmteste, aber längst nicht der einzige, der diese Schweigemauer durchbrochen hat. In den USA gibt es bereits eine von Europa noch weitestgehend unbemerkte Szene selbstbewusster homosexueller Hip Hop Künstler, die sich ihren Weg an die Öffentlichkeit bahnen. Die Rapperin Azelia Banks outete sich jüngst als bi, der Transsexuelle Zebra Katz unterschrieb kürzlich einen Vertrag bei Diplos Mad Decent Label und die Drag Queen Mykki Blanco macht avantgardistischen Punk Rap – und die New York Times applaudiert.

Doch die schillerndste Figur der Szene ist Le1f aka Khalif Diouf aus New York. Auf seinem aktuellen Mixtape “Dark York” vermischt er geschickt anzügliche homoerotische Texte mit tanzbaren Beats und Hipsterästhetik. Das Tape polarisierte und sein Twitter Account lief fast über, und nicht alle waren freundlich:

"Das kommt davon, wenn Rapper anfangen, sich als gay zu outen"

Tweet auf twitter.com/LE1FNY

"Was zum Henker habe ich da gerade gesehen? Ich glaube ich habe mir in den Mund erbrochen"

Kommentar via Youtube

"Seht ihr, was Frank Ocean angefangen hat?"

Tweet auf twitter.com/LE1FNY

Le1f “ “Leaf” aka Khalif Diouf

Le1f selbst bleibt gelassen. Er hält es für wichtig, nicht zwischen homosexuellem und "konventionellem" Hip Hop zu unterscheiden. Und gibt munter Interviews in großen US-Magazinen wie The Fader.

"Ich bin ein schwuler Rapper, ich bin ein schwarzer Rapper und ein New Yorker Rapper aber mein Ziel ist es immer, Songs zu machen, die ein Schwuler oder ein Heterosexueller hören kann und dann sagt: Hey der Typ hat „swag“. Ich meine ich bin kein Priester oder so etwas. Die Presse um queere Musiker stört mich nicht. Ich denke es ist großartig, dass die Gay Community endlich etwas Aufmerksamkeit bekommt. Ich verstehe, dass sich die Leute darüber aufregen. Bevor ich explizit über das Schwulsein gerappt habe, haben sie meine Musik ‚campy‘ genannt, jetzt da ich darüber rappe mit Typen zu schlafen bin ich der ‚schwule Rapper‘. Das gefällt mir sogar noch besser."

Le1f

"Gay" der neue Mainstream?

Im Mainstream des Rap gehören abfällige Bezeichnungen für Homosexuelle immer noch zu den häufigsten Schimpfwörtern. Und seinen Gegner rhetorisch anal zu penetrieren zu einer besonders exquisiten Technik, den Gegner zu erniedrigen. Die Mehrheit der Reaktionen auf Le1fs Outing fiel dennoch sehr positiv aus. Das ist verwunderlich, sind Schwule doch mit das beliebteste Feindbild im Rap.

Längst haben sich aber auch einige große Stars des Mainstreams hinter Musiker wie Frank Ocean oder Le1f gestellt. Künstler wie ASAP Rocky oder Das Racist, die zu einer neuen Generation von Rappern gehören, lehnen Homophobie in ihren Texten ab. Vielleicht schaffen die jüngsten Outings eine Grundlage für die Akzeptanz von Homosexualität im schwulenfeindlichsten Genre der Popkultur. Das alles deutet darauf hin, dass ein kleiner Schub der Aufklärung durch das Hip Hop Genre geht.


2