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Yascha Mounk über Trumps Russland-Affäre "In den USA wird Trump Junior jetzt mit Fredo, dem Versager-Sohn des Paten verglichen"

Donald Trump Junior hat es möglicherweise geschafft, seinen Vater einen Schritt näher Richtung Amtsenthebungsverfahrung zu bringen: wegen seiner Kontakte zu Russland. Über sein dilettantisches Vorgehen kann man sich amüsieren - oder besorgt sein. Denn gerade mit Inkompetenz kann viel Schaden angerichtet werden - und die liegt bekanntlich in der Familie.

Von: Sammy Khamis

Stand: 13.07.2017

Donald Trump Junior  | Bild: picture-alliance/dpa/Francis J. Malasig

Die Russland-Affäre um Donald Trump spitzt sich zu. Wir haben Yascha Mounk gefragt, ob die jüngsten Entwicklungen Trump jetzt doch das Amt kosten könnten. Der Politikwissenschaftler, geboren und aufgewachsen in Deutschland, arbeitet als Dozent an der Harvard University in Boston. Er schreibt er unter anderem für die New York Times.

Zündfunk: Wie waren die vergangenen Tage in den USA? Was ist ans Licht gekommen?

Yasha Mounk: Seit Monaten gab es Anzeichen dafür, dass Donald Trump und einige seiner engsten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie Familienmitglieder Kontakte zu Russland und zum Kreml hatten, sich während der Wahl von Russland haben helfen lassen. Aber das hatte alles etwas von Verschwörungstheorie, weil es keine Beweise dafür gab. In dieser Woche ist es jetzt klar geworden, dass der Sohn von Donald Trump ganz klar mit Russland zusammengearbeitet hat, dass ihm Hilfe der russischen Regierung angeboten wurde und er das mit den Worten "Ich liebe es" angenommen hat – fast wie in einem McDonalds-Werbeslogan.

Diese ganze Episode – ist sie in deinen Augen eher "House of Cards" oder doch mehr "Sesamstraße"?

Yascha Mounk lehrt an der Harvard University in Boston.

Beides. Viele sprechen im Zusammenhang mit Donald Trump Jr. jetzt von Fredo (Anm. d. Red.: Fredo Corleone, zweitjüngster Sohn von Vito Corleo aus "Der Pate"; Fredo gilt als Versager). Auf Trump Jr. angewandt bedeutet das: Jemand der gleichzeitig höchst inkompetent ist, der nicht weiß, wie man einen Email-Verkehr so formuliert, dass man im Nachhinein so tun könnte als ginge es um etwas anderes. Der nicht die kleinste Vorsicht an den Tag legt. Und gleichzeitig ist es absolut klar, dass es sich  - mindestens im moralischen Sinne - um Landesverrat handelt.

Du sprichst von moralisch. Aber ist es justiziabel?

Darüber wird diskutiert. Viele Anwälte halten das Verhalten für strafbar, wenn sie auch nicht den Landesverrat sehen. Aber es ist höchstwahrscheinlich ein klarer Verstoß gegenüber einem Wahlgesetz aus den 1970er Jahren und zwar ein krimineller Verstoß dagegen. Es ist also durchaus vorstellbar, dass die Staatsanwaltschaft jetzt anfangen wird gegen den Sohn des Präsidenten zu ermitteln. Und das aus gutem Grund.

Kommen wir vom Sohn zum Vater. Was sagt diese ganze letzte Woche über Donald Trump aus? Du hast in einem Text für das Slate Magazine argumentiert, dass wir vielleicht das falsche Bild von Donald Trump haben.

Diese Woche haben sich zwei Sachen gezeigt: Donald Trump weiß entweder überhaupt nicht, was seine engsten Mitarbeiter so treiben – das halte ich für unrealistisch. Oder er war doch im Bilde darüber, dass sein Sohn und seine engsten Berater willens waren, mit Russland zusammenzuarbeiten. Das ist schon einmal schockierend!

Aber die Inkompetenz, das Reaktive statt des Planenden – das zeigt, dass Donald Trump eben keinen großen Masterplan hat, um die Demokratie zu unterminieren. Aber es ist augenscheinlich, dass er gegenüber den grundsätzlichsten demokratischen Normen und Institutionen keinen besonderen Respekt hat. Es zeigt, dass er bereit ist zu tun, was ihm selbst hilft und zwar unabhängig davon wie unkoscher und unlauter die Mittel sind. Auch wenn Donald Trump kein brillanter Stratege ist, wie beispielsweise Victor Orban in Ungarn, dann macht mir ein Umstand große Sorgen: Trump ist scheinbar bereit den demokratischen Grundinstitutionen dann großen Schaden zuzufügen, wenn er in Bedrängnis gerät – und dass er in den nächsten Wochen unter Druck gerät ist sehr wahrscheinlich.

Wir hatten dich kurz nach der Wahl Donald Trumps im November interviewt. Damals warst du überzeugt, dass es schlimmer nicht hätte kommen können. Wie blickst du heute auf deine Einschätzung von damals?

Ich glaube das weiterhin. Es könnte noch schlimmer kommen, wenn sich Donald Trump geschickter und intelligenter verhalten würde, denn dann könnte er den Institutionen noch größeren Schaden zufügen. Doch die Zusammenarbeit mit Russland, die in der letzten Woche belegt wurden, zeigen noch etwas anderes, nämlich dass die Republikaner ihrer Gallionsfigur gegenüber mittlerweile extrem loyal geworden sind. Wenn das so weitergeht, dann wird der Schaden, den Donald Trump in den kommenden dreieinhalb Jahren anrichten wird, gewaltig sein.

Du sprichst mit Überzeugung von "den nächsten dreieinhalb Jahren". Gerade kam der erste Versuch eines Impeachments, also eines Amtsenthebungsverfahrens durch einen Politiker der demokratischen Partei. Für wie wahrscheinlich hältst du, dass Donald Trump des Amtes enthoben wird?

Es ist theoretisch möglich, dass er seines Amtes enthoben wird. Aber dafür müssen zunächst einmal die Republikaner ihre Meinung ändern. Für ein Impeachment braucht man eine Mehrheit im Abgeordnetenhaus und eine Zweidrittelmehrheit im Senat. Das ist bisher unwahrscheinlich, auch wenn es Momente gab, in denen sich Republikaner von Donald Trump distanzieren. Dann hört man Sätze wie "Ich finde es nicht so toll, dass sein Sohn sich mit den Russen getroffen hat". Aber wenn es darauf ankommt, dann stimmen sie für die Gesetzesentwürfe des Präsidenten und sind sehr weit davon entfernt, ihn des Amtes zu entheben. Ich befürchte also, dass wir uns auf dreieinhalb Jahre Donald Trump einstellen müssen.


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