Bayern 2 - Zündfunk


10

Vom Hacker zum Beamten Die schwierige Suche nach den Cyber-Soldaten

Hacker sind gerade so ziemlich der heißeste Scheiß auf dem Jobmarkt. Alle wollen sie, auch die deutschen Behörden wie BND oder Bundeswehr. Bisher ohne Erfolg: Das Verhältnis der Hacker zum Bund ist zerrüttet.

Von: Niklas Schenk

Stand: 07.04.2017

Hackerfilm Wargames | Bild: DPA

Der Bundesnachrichtendienst (BND) hat sich für seine Ausschreibungen für Cyber-Spezialisten etwas ganz Neues ausgedacht: Bewerber müssen nun eine Forensik-Challenge absolvieren. Ein kleines Rätsel, um zu zeigen, ob man es als Hacker auch wirklich drauf hat. Zu einem Bewerbungsansturm haben aber auch die neuen Challenges noch nicht geführt. Man habe Probleme, Leute zu finden, gibt BND-Pressesprecher Martin Heinemann zu: "Das Personal, das wir suchen, ist im Idealfall hoch qualifiziert. Davon gibt es auch nicht so viele potenzielle Bewerber und Bewerberinnen. Und dann stehen wir natürlich noch in direkter Konkurrenz mit allen anderen Sicherheitsbehörden in Bund und Ländern, die wegen den außenpolitischen Herausforderungen, denen sich Deutschland gegenüber sieht, letztendlich um das gleiche Personal konkurrieren.“

Linus Neumann

Die Forensik-Challenge selbst nennt Linus Neumann vom Chaos Computer Club (CCC) eine „halbwegs akzeptable Aufgabe“. Das darf man wohl als Lob werten. Blöd nur: Ein anderer Hacker hat die komplette Lösung für die Forensik-Challenge auf golem.de schon hochgeladen. Wer sich bewerben möchte, spart sich damit also einige Stunden Zeit. Eine Geschichte, die irgendwie sinnbildlich ist für die Suche vom Bund nach Hackern: Behörden wie der BND geben sich durchaus mehr Mühe als in der Vergangenheit. Bisher machen sich die Hacker aber noch mehr einen Spaß aus diesen Bemühungen.

Hacker machen sich lustig

Constanze Kurz vom CCC

„Ich kenne niemanden, der sich auf so eine Stelle beworben hat. Aber sehr viele Hacker machen sich lustig über diese Bewerbungen. Und es ist ehrlicherweise auch so, dass wenn jemand das ernsthaft machen würde, er das auch in deutschen Hackerkreisen nicht erzählen würde“,sagt Constanze Kurz, Sprecherin des CCC. Je länger man sich mit ihr unterhält, desto deutlicher wird: So schnell wird sich das wohl auch nicht ändern. Die zahlreichen Skandale des Verfassungsschutzes in der Vergangenheit und der NSA-Untersuchungsausschuss haben ihre Spuren hinterlassen und das ohnehin schon kritische Bild von Hackern weiter verstärkt. Und selbst ohne diese Skandale wäre ein Job im öffentlichen Dienst für viele Hacker moralisch schwer vertretbar, sagt Linus Neumann vom CCC: „Wir sind auf der Seite der Verteidigung. Wir machen viel offensive Forschung mit dem Ziel, die Sicherheitslücken zu beseitigen und nicht haben nicht das Ziel, Lücken zu finden, um damit andere anzugreifen. Unser Ziel ist auch nicht, Lücken geheim zu halten.“

BND-Pressesprecher Martin Heinemann hält das für eine verkürzte Sicht: „Das Themenportfolio heißt islamistischer internationaler Terror, Piraterie, Entführung deutscher Staatsangehöriger im Ausland, der Schutz deutscher Soldaten. Das ist schon nichts, wofür man sich am Ende schämen muss.“

Problem: Der BND will Akademiker

Der BND in Bad Aibling

Patriotismus sei für viele Hacker in Deutschland aber kein Argument, glaubt CCC-Sprecherin Constanze Kurz. Ganz im Unterschied zu ihren amerikanischen Kollegen. Um Nachwuchs zu finden, müssten Behörden wie der BND flexibler, moderner werden. In der freien Wirtschaft kommen viele Hacker leicht auf ein sechsstelliges Gehalt. Das ist sowieso schon mal mehr als die ca. 60.000 – 70.000 Jahresgehalt beim BND. Die kriegt man durch Tarif 14 – aber auch nur unter bestimmten Voraussetzungen: „Das ist immer der Fall, dass man die Bedingungen auch erfüllt in dem Sinne, dass man eine akademische Ausbildung hat, also eine formal gute Ausbildung vorweisen kann. Das ist für Hacker gar nicht typisch, denn viele sind da Autodidakten und haben sich Dinge angeeignet, die sie so eher in ihrer Freizeit rausgefunden haben.“

Laut Constanze Kurz müssten die öffentlichen Behörden ihre Ausbildung ändern, mehr auf Quereinsteiger setzen und eigenen Nachwuchs selbst ausbilden. Immerhin hat Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen angekündigt, in Zukunft verstärkt auf Seiteneinsteiger wie Studenten oder Freiberufler setzen zu wollen.


10