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Der letzte Traum der reichen, weißen Männer Wie das Silicon Valley unsterblich werden will

Das Silicon Valley will unsterblich werden, durch Zelltherapie und andere Tricks. Google hat hierfür sogar eine eigene Tochterfirma gegründet: Verily. Der große Traum am Ende: Unsterblichkeit. Die Frage ist nur: Dient das dem Wohle der Menschheit - oder nur ein paar Milliardären?

Von: Niklas Schenk

Stand: 05.04.2017

Investor Peter Thiel | Bild: picture-alliance/dpa

Wer wie Amazon-Chef Jeff Bezos oder Pay Pal-Mitgründer Peter Thiel alles erreicht hat und steinreich ist, hat vielleicht nur noch ein Ziel: Die Unsterblichkeit. „Ich sehe keinen Sinn im Tod und habe deshalb beschlossen, gegen ihn zu kämpfen“ – sagt Thiel. Deshalb investiert er Millionen in ein Verfahren, mit dem Menschen über 35 Blut junges Blut gespritzt werden soll. Ein ewig sprudelnder Jungbrunnen – um für immer so zu sein wie in den 20ern. 8000 Euro würde der Spaß kosten – für einmal auffrischen. Für den unwahrscheinlichen Fall, dass diese Verjüngungskur nicht klappt, möchte Thiel sich einfrieren lassen – und aufwachen, wenn endlich der Schlüssel zur Unsterblichkeit gefunden wurde.

"Wenn die Internet-Milliardäre ihr Geld für sich selbst ausgeben wollen, ist das ok. Sie haben es selbst verdient und ich beneide sie nicht darum. Was mich beunruhigt ist, dass sie es als Fortschritt tarnen." Das sagt der Sheffielder Forscher und Futurist Paul Graham Raven. Auch er war lange vom Transhumanismus fasziniert. Inzwischen warnt er davor und trat im US-Magazin „Wired“ gerade eine Diskussion los. Sein Vorwurf: Die so fortschrittliche Forschung dient nur den Reichsten der Reichen – und ist im Endeffekt gar nicht fortschrittlich, sondern nur egoistisch.

Erinnerung an dunkle Tage

Auch in Deutschland ist der Transhumanismus längst angekommen. Es gibt sogar die Transhumane Partei Deutschlands. Zwar noch keine Volkspartei, aber 70 Mitglieder hat sie schon. Alles Neue in der Technik ist anfangs extrem teuer, sagt deren Sprecher, Marcel Mayr. Meistens würden technische Neuerungen aber innerhalb von zehn Jahren so weiterentwickelt, dass sie sich dann die breite Masse leisten kann. Und die Idee der Unsterblichkeit – das sei doch sowieso nur eine Metapher für den eigenen Anspruch: "Unsterblichkeit gibt es faktisch nicht. Ich kann niemanden in das Herz der Sonne schicken, der dann dort ein paar Monate lebt und unversehrt zurückkommt. Allen geht es eigentlich um die Verlängerung des Lebens und der gesunden Lebenserwartung."

Das könnte schon in wenigen Jahren dazu führen, dass Menschen 150 oder 200 Jahre alt werden können – quasi unsterblich. Ein längeres Leben gleich ein besseres Leben. So einfach ist die Formel für viele Transhumanisten. Für Forscher Paul Graham Raven ist man dann relativ schnell auch bei lebenswertem und lebensunwertem Leben: "Im Endeffekt geht es um das Verhindern von schlechten Genen. Da waren wir schon einmal vor einigen Jahrzehnten und das wurde auch als Fortschritt betitelt. Aber wir wissen alle, wie es ausgegangen ist, oder?"

Kommt bald die biologische Ungleichheit?

Der Autor Yuval Noah Harari

Yuval Noah Harari, Bestsellerautor von „Homo Deus“, sieht das ähnlich: "Es könnte schon bald möglich sein, menschliches Leben upzugraden und Supermenschen zu kreieren. Das wird aber sehr teuer sein, zumindest anfangs. Dadurch wird der Mensch in biologische Klassen geteilt. Wir haben dann bald vielleicht nicht nur eine ökonomische, sondern auch biologische Ungleichheit."

Selbst Marcel Mayr von der Transhumanen Partei warnt zum Teil vor dem, was IT-Milliardäre wie Peter Thiel im Silicon Valley abziehen: "In Amerika hat ein großer Teil eine Ich- und keine Wir-Betrachtungsweise. Wir in Europa gehen da natürlich viel kritischer mit um. Man muss aufpassen, dass sich keine Gesellschaft aufbaut, wo nur derjenige, der ideale Voraussetzungen hat, als etwas Gutes betrachtet wird."

Forscher Paul Graham Raven macht da eine viel klarere Ansage an die US-Milliardäre: "Wir sollten in Infrastruktur, unsere Zivilgesellschaft und medizinische Forschung investieren. Das sind die verbreitetsten und bedrohlichsten Dinge für die meisten Menschen." Das würde aber voraussetzen, dass Visionäre und Multi-Milliardäre auch mal an andere Menschen denken – immerhin: Facebook-Chef Mark Zuckerberg oder Sergey Brin von Google stecken viel Geld in die Bekämpfung von Alzheimer und Krebs.


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