Silicon Valley Wo der amerikanische Traum überlebt hat
Bald wählt Amerika einen neuen Präsidenten und im Wahlkampf wird immer wieder der American Dream beschworen, das Versprechen, dass es mit Fleiß jeder schaffen kann. Dafür steht auch das Silicon Valley mit seinen Freiheitssurfern im Computerglück.
Die Situation in Amerika sind Millionen ohne Arbeit, die Löhne stagnieren, die Schere zwischen Arm und Reich wächst. Viele zieht es da ins Silicon Valley, wo der rasante Aufstieg tatsächlich noch möglich scheint. Mit einer guten Geschäftsidee, Fleiß, Können oder einfach Glück der nächste Mark Zuckerberg zu werden - das gilt hier als realistische Perspektive. Der Zündfunk ist unterwegs mit digitalen Goldgräbern und ehrgeizigen Enthusiasten. Wir begegnen einem jungen Deutschen, der Startup-Unternehmen die Zukunft vorhersagen will, einem 40-jährigen Milliardär auf der Suche nach dem nächsten Investment, der Betreiberin einer Kuppelagentur für reiche Nerds und dem Star einer neuen Reality-Show über den angeblich aufregendsten Ort der Welt.
An einem langen Esstisch aus Holz sitzen eine junge Frau und drei Männer, alle tippen auf ihren Laptops. Von der Straße aus deutet nichts darauf hin, dass in dieser Neubausiedlung an einem Projekt gearbeitet wird, in das Investoren eine Dreiviertelmillion Dollar gesteckt haben. Das Ziel: Ein Computerprogramm, das erkennt, ob Start-Ups scheitern oder durchstarten werden. Einer der Mitgründer ist ein 27-jähriger Deutscher namens Björn Lasse Herrmann. Er hat kinnlanges, lockiges Haar und läuft barfuß durchs Haus. Um die Mitbewohner nicht zu stören, gehen wir in die Garage, wo mir Björn erzählt, weshalb so viele der unzähligen Start-Ups keinen Erfolg haben:
"Der Grund ist nicht wirklich Wettbewerb, das heißt es, ist nicht so, dass ein anderes Unternehmen besser ist. Es liegt daran, dass Unternehmen meistens sehr effizient mit viel Power unwichtige Dinge erzeugen. In English: they efficiently execute on the unnecessary. Das heißt, dass sie zu viele Features in ihr Produkt einbauen, dass sie zu viele Leute zu früh anstellen etc."
Unternehmer Björn Lasse Herrmann
Der „Start-Up-Kompass“ soll Gründern helfen, solche Fehler zu vermeiden. Um die Schwachstellen zu identifizieren, haben Björn und seine Mitstreiter Unmengen an Daten ausgewertet und sie hoffen, mit jedem Kunden schlauer zu werden. Irgendwann sollen teure Analysten überflüssig sein und mehr Innovationen auf den Markt kommen, die die Welt besser machen können. Bisher nutzen 43 000 Firmen das Programm, die im Schnitt eine Million Dollar Umsatz machen. Nach eineinhalb Jahren suchen Björn und sein Team nun nach neuen Mitarbeitern und wollen 2013 frisches Geld von Investoren einwerben. Doch vorerst zählt vor allem Sparsamkeit:
"Die guten Gründer sind sehr effektiv in der Art und Weise, wie sie ihr Geld ausgeben. Und dadurch dass man eben zusammen wohnt, zusammen arbeitet und man kein office braucht, dann kann man die Ressourcen eben weit unten halten. Dropbox, AirBnB, all die Firmen, die jetzt erfolgreich sind, haben so angefangen."
Björn Lasse Herrmann
Bewusst haben sich Björn und seine sieben Mitbewohner dafür entschieden, fernab der Großstadt San Francisco zu leben, in einer Art hocheffektiven Arbeitskommune. In ihrem gemeinsamen Haus wird jeder Quadratmeter möglichst optimal genutzt:
Björn wollte nie einen klassischen „nine to five“-Job: Er hat sein VWL-Studium in Mannheim abgebrochen, weil er es als Zeitverschwendung empfunden hat. Dann ging es weiter mit Projekten in Bangladesch und Russland. Wie so viele, die ins Silicon Valley kommen, ist er überzeugt, dass Technik helfen kann, fast alle Probleme zu lösen. Der Reichtum kommt nebenbei. So lief es auch wie bei David Sacks, einst Mitgründer von Pay Pal, heute Multimillionär und Investor von neuen Start Up-Unternehmen.
"Nirgends auf der Welt ist es innovativer als im Silicon Valley, für mich ist das hier noch immer der Mittelpunkt der Erde. Wenn mich Leute nach einem Rat für ihre Karriere fragen, dann sage ich: Kommt einfach her! Die Start-Up-Szene ist heute viel lebendiger als noch vor 10 oder 12 Jahren und es gibt noch immer dieses Wir-können-die-Welt-verändern-Gefühl."
David Sacks
Wer hier bestehen will, braucht neben guten Ideen auch ein großes Ego - auch manche von Björns Aussagen klingen ziemlich pathetisch und selbstverliebt:
"Als ich hierher gekommen bin, habe ich mich zum ersten Mal zu Hause gefühlt. Deswegen zuhause, weil einfach eine unglaubliche Masse an Menschen hier wohnen, die so denken wie ich. Das heißt, es gibt eben wenig naysayers - wie sagt man das - Neinsager. Es gibt viele Menschen, die einen unterstützen bei Unterfangen, die komplett absurd erscheinen werden für Menschen im Rest der Welt."
Björn Lasse Herrmann

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