Bayern 2 - Zündfunk


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Schorsch Kamerun zum G20 Gipfel in Hamburg "Partizipation gab es wieder nicht - das macht die Leute sauer"

Hamburg im Ausnahmezustand: Denn wo der G20 Gipfel ist, da ist auch Protest - und der kann durchaus musikalisch verlaufen. Schorsch Kamerun tritt mit seiner Band den Goldenen Zitronen auf dem Widerstandskonzert "Welcome to Hell" auf. Ein Gespräch.

Von: Birgit Frank & Roderich Fabian

Stand: 06.07.2017

Zündfunk: Ist die Politik nicht fein raus, wenn es jetzt nur noch um die Superlative wie um den größten schwarzen Block geht? Dann wird das Treffen veranstaltet, und letztendlich geht es nicht mehr um die tatsächlichen Anliegen der Demonstranten?

Schorsch Kamerun: Ich glaube schon, dass es ein Stück weit so ist. Auch der Bürgermeister spricht von Härte wenn etwas passiert. Im Grunde sind das auch populistische Vereinfachungen. Denn besondere Aufregung braucht immer Gründe – die Frames in den Köpfen der Menschen auslösen – das sind dann die großen Bilder.

Ansonsten sind ja alle der Meinung, dass ein Treffen erstmal nicht so viel bringen kann. Auch die SPD hat sich schon dazu geäußert, dass man es ab jetzt in die UNO verschieben sollte. Doch da hätte man schon früher drauf kommen können. Denn bei der UNO trifft sich ja eigentlich die Welt – aber eben keine Elite-Welt. So wie das beim G20 Gipfel der Fall ist. Das ist es, was die Leute hier so sauer macht. Wenn nicht nur ein Afrikanischer Staat vertreten wäre, sondern mehrere, dann würde man sich auch nicht so wundern. Aber das tut man, denn es findet in einer Gegend statt, die für Diversität steht und kollektives Zusammensein. Dass die Auswahl so klein ausfällt, verärgert die Leute. Partizipation gab es hier mal wieder nicht.

Auf der anderen Seite kann sich die Protest Bewegung in Hamburg bestimmt schneller bündeln, das ist doch ein Vorteil?

Das kann schon sein. Aber es ist auch zu erwarten, denn es ist auch ein Originalitätsverdrängungswettbewerb – mit den krassesten Slogans und den meisten Leuten. Hamburg will das auch aus allen Richtungen liefern. Im Grunde ist es auch die Geschichte der Elbphilharmonie und der abgewählten Olympiade. Man hat die Leute wieder nicht entscheiden lassen, ich finde das Olaf Schulz endlich mal Konsequenzen ziehen muss. Das macht die Leute sauer.

Wie siehst du deine Rolle als Künstler? Du stehst auf der Bühne, und hast eine Menge Leute vor dir, die für vieles bereit sind?

Wir als Band thematisieren ja jeweils die Formen, und eigentlich glauben wir das unsere Texte und unser Auftreten schon eine Form beinhalten, die auch ein bestimmtes Leben zeigt. Keiner von uns wird sich hinstellen und sagen: Bitte tut euch nicht weh. Ich glaube, es ist viel intelligenter zu schauen was wir als Leben und als Form dagegen setzen können.


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