Bayern 2 - Zündfunk

"Election Special" Ry Cooder's Blues

Der Gitarrist hat schon bei den Rolling Stones, Captain Beefheart und Eric Clapton mitgespielt und sein Filmsoundtrack „Paris Texas“ ist auch bei uns sehr bekannt. Nun veröffentlicht er sein bisher politischstes Album "Election Special".

Von: Jonathan Fischer Stand: 13.08.2012
Election Special | Bild: Nonesuch/Warner

"Die Propaganda der amerikanischen Rechten ist sehr clever. Sie bringt die Wähler am Ende dazu, gegen ihre eigenen Interessen zu stimmen – insbesondere weiße Amerikaner, die Angst haben, ihre Jobs und Häuser zu verlieren. Die Tea Party und der rechte Flügel der Republikaner erhalten enorme Unterstützung vom Großkapital. Sie finanzieren ein Trommelfeuer im Internet, im Fernsehen, im Radio, und das rund um die Uhr. Die Rechte kontrolliert einen Großteil dieser Medien. Und sie nutzt sie, um ihre Lügen so oft zu wiederholen, bis die Leute sie irgendwann glauben. Viele Amerikaner sind nun mal sehr wütend. Die Tea Party versteht sich darauf, diesen Ärger für ihre Zwecke auszunutzen."

Ry Cooder

Ry Cooder über den amerikanischen Wahlkampf. In seinem neuen Album „Election Special“ antwortet er auf die Dauer-Propaganda der amerikanischen Rechten. „Election Special“ ist sein bisher politischstes Album. Mit einem Dutzend Songs mischt sich Ry Cooder in den amerikanischen Präsidentschaftswahlkampf ein – er überzieht Tea Party Extremisten und ihre Finanziers mit Blues-Spott.

Woody Guthrie trifft Occupy

Da wird aus Mitt Romney schonmal “Mutt“ Romney wie „Trottel“ Romney. Ry Cooders „Election Special“ ist aber mehr als platter Protest. Der Sänger bezieht sich auf die amerikanische Folk-Tradition, er verknüpft das Erbe Woody Guthries mit dem Improvisationsgeist der Occupy-Bewegung – und schreibt Songs, die wohl bald auf jedem Campus zu hören sein werden: Etwa „Lets Go To Tampa“, eine Parodie auf den republikanischen Parteitag, ein Gefängnis-Lamento namens „Guantanamo“. Oder „Cold Cold Feeling“: ein Song über die Einsamkeit von Präsident Obama im Oval Office.

"Es geht ein tiefer Riss durch Amerika. Und die rechte Propaganda ist verantwortlich dafür. Obama macht seinen Job so gut wie möglich. Am Ende aber steht er da wie David gegen Goliath: Das Spiel ist gezinkt. Denn Groß-Industrielle wie die Koch-Brüder können inzwischen ganz legal Millionen ausgeben, um den Äther mit ihren Lügen zu vergiften..."

Ry Cooder

Die beiden Milliardäre Charles und David Koch stecken ihr Geld gerne in marktliberale Thinktanks und in die Tea-Party-Bewegung. Den Song „Brother Is Gone“ hat Ry Cooder den Koch-Brüdern gewidmet.

"Ich habe lange nach einem Weg gesucht über sie zu singen. Bis mir diese alte Blues-Fabel eingefallen ist: Die Weg-Kreuzung, an der du den Teufel triffst. So erkläre ich die Macht der Koch-Brüder. Ich lasse sie einen Pakt mit Satan schließen. Und Satan verspricht ihnen: Ihr könnt die totale Macht haben. Aber das hat seinen Preis: Ich werde einen von euch Brüdern zur Hölle mitnehmen, und nur ich weiß wen und wann. Und so wacht Charley Koch eines Tages auf und sein Bruder Davey ist verschwunden..."

Ry Cooder

Der unbequeme Mahner

Ry Cooder im Studio | Bild: BR

In einem Land, in dem eine Mehrheit schon eine solidarische Krankenversicherung für Kommunismus hält und nur das Leistungsprinzip zählen lässt, verkörpert Cooder einen unbequemen Mahner. Er gibt dem anderen Amerika, dem linken und demokratischen seine Stimme. Ry Cooder glaubt zwar nicht, dass Protest-Songs heute Wahlen entscheiden. Trotzdem macht er Songs wie „Ninety And Nine“. Damit will er die 99 Prozent der nicht-superreichen Amerikaner anstacheln, für ihre Rechte zu kämpfen, bevor es zu spät ist.

"Die Reichen dieses Landes spielen eine Gruppe gegen die andere aus. Würden die einfachen Menschen sich verbünden, hätten die rechten Republikaner doch keine Chance. Speziell in Kalifornien heißt es vor jeder Wahl: Die mexikanischen Wanderarbeiter nehmen den weißen ihre Jobs weg – und viele werden ausgewiesen. Nur dass man sie nach der Wahl wieder zurückholen muss  – weil ja irgendjemand ihre Arbeit machen muss. Noch schlimmer ist der Versuch der Rechten, die Wahlrechte zu beschneiden. Sie wollen Menschen, die möglicherweise für Obama stimmen würden, von den Urnen fern halten. Das ist eine Rückkehr zu den Tagen von Jim Crow: Schwarze sollen nicht wählen. Arme sollen nicht wählen. Und die Faschisten vom Obersten Gerichtshof finden Wege, um all die Gesetze rückgängig zu machen, die Präsident Johnson während der Bürgerrechtsbewegung erließ. Das ist der gefährlichste Angriff auf unser Bürgerrecht in der Geschichte unseres Landes."

Ry Cooder


0