Bayern 2 - Zündfunk


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Rechts und vegan Wieso Neonazis Welpen mögen… und Hitler.

Ein alter Faschisten-Trend ist wieder da: Neonazis setzen sich für Tierrechte und Veganismus ein. Fabian Wichmann, Mitarbeiter der Aussteigerorganisation "EXIT-Deutschland" erklärt, warum Nazis Migranten hassen und Tiere lieben.

Von: Khamis, Sammy

Stand: 10.02.2016

Hitler Hund | Bild: DPA / Montage BR

Rechtsradikalismus in Symbiose mit grenzenloser Tierliebe - klingt erst emal abwegig, ist aber real. Eine kurze Stichprobenchronik:

Februar 2014: In einem improvisierten Kochstudio stehen drei Deutsch-Nationale mit Sturmhauben - sie kochen deutsche Mahlzeiten mit deutschen Bioprodukten.

Dezember 2015: In Nordrhein-Westfalen zerstören rechte „Tierschützer“ die Plakate von Zirkussen, die Wildtiere halten.

Ende 2015: Der „vergane Germane“ startet seinen Youtube Kanal mit völkisch-veganen Ernährungstipps und Demo-Aufrufen für PEGIDA.

Jahreswechsel 2015 auf 2016: Die rechtsradikale Neonazipartei "der III.Weg" postet Fotos Spendenaktionen in Westdeutschland. Im Dezember und Januar wurden unter dem Motto "Stoppt den Konsumwahn! Futter statt Böller!" Decken, Futter und Geld für Tierheime gesammelt.

Januar 2016: Der Superstar unter den veganen Köchen, Attila Hildmann, äußert sich auf Facebook zur Flüchtlingsdebatte mit folgenden Worten: "Integration ist in Deutschland ein heikles Thema aufgrund der deutschen Vergangenheit, was zu einer aktuellen Selbstverstümmelung deutscher Werte und Kultur führt."

Tierlieb, vegan, rechts

Neonazis sind heute vegan, tierlieb, Umweltschützer und drogenfrei in einem. Hauptsache Verzicht in einer komplexen Welt. Wir haben darüber mit Fabian Wichmann gesprochen, Mitarbeiter bei der Aussteigerhilfe EXIT-Deutschland und Mitinitiator der Spendenaktionen „Rechts gegen Rechts“.

Zündfunk: Wieso geben sich Neonazis heute tierlieb, drogenfrei und naturverbunden?

Fabian Wichmann: Das sind natürlich alles Versuche, Anschlussfähigkeit herzustellen. Und es sind relativ kostengünstige Möglichkeiten, um medial wahrgenommen zu werden. Also wenn ich jetzt sage: wir spenden als Partei einem Tierheim und bringen das Geld dahin oder wir inszenieren uns vor einem Zirkus, dann will ich sagen: guck mal, wir sind gar nicht so schlecht, wir setzen uns ein, wir machen wirklich was.

Zündfunk: So nach dem Motto: hey, wer sich um Welpen kümmert, der kann gar nicht so ein schlechter Mensch sein?

Fabian Wichmann: Ja, generell. Wer sich um Tiere kümmert, wer sich um die Schutzlosesten der Gesellschaft kümmert, der muss einfach per se gut sein.

Zündfunk: Ich hab das Gefühl, dass sich Neonazis und Rechtsradikale total viel Mühe geben, hip und mainstreamig daher zu kommen. Es gibt diese vegan-nationalen Kochshows, so Slogans wie Tierschutz ist Heimatschutz und dazu Grafiken auf Facebook. Das kommt alles hip aber auch unpolitisch daher. Wie unpolitisch ist es denn?

Fabian Wichmann von EXIT

Fabian Wichmann: Das ist überhaupt nicht unpolitisch. Man kann sich auch da nochmal die Genese anschauen, also das Reichstierschutzgesetz, das man 1933 entworfen hat. Das war damals schon als sehr stark politisch konnotierter Gesetzestext entworfen. Man hat den Tierschutz mit Antisemitismus verbunden. In Neonazikreisen lobt man jetzt dieses Tierschutzgesetz und sagt, das war der Meilenstein im Tierschutz und verweist darauf - wohlwissend, dass es auch immer antisemitisch konnotiert war. Und jetzt versucht man natürlich, diese Idee zu übertragen und ist damit überhaupt nicht unpolitisch, sondern versucht auch im Hier und Jetzt anzuknüpfen an bestimmte antisemitische, antislamische Vorurteile, die man damit bedienen will. Damit wird letztendlich der Tierschutz politisiert, aber man kommt damit natürlich in der Aufbereitung poppig daher, um anschlussfähig zu sein.

Zündfunk: Auf YouTube gibt es den Veganen Germanen. In seiner "Ode an Deutschland" referiert er über seine Motivation:

"Ich verabscheue, was aus Deutschland gemacht wurde. Ich verabscheue, die einmalige Geschichte dieses Landes auf 12 Jahre dezimieren zu lassen. Ich verabscheue, die unerträglichen Lügen, die seit 70 Jahren den Geist meiner Mitmenschen vergiften. In gleicher Weise verabscheue ich das unfassbare Elend und Leid, dass die Menschheit über Milliarden von empfindungsfähigen Lebewesen gebracht hat. Ebenfalls möchte ich beitragen, den Menschen zu zeigen, dass wir alle einem völlig falschen Glauben aufgesessen sind, was unsere Ernährung betrifft."

Der Vegane Germane - Ode an Deutschland

Fabian Wichmann: Das sind genau die Narrative, die aufgerufen werden sollen. Dass es eine natürliche Ordnung gibt, dass der Mensch in einem natürlichen Ordnungsverhältnis mit der Natur lebt und in diesem Verhältnis stellt alles Fremde eine Gefahr dar. Also auch der Migrant, der Ausländer oder wie auch immer. Weil er diese natürliche Ordnung verändert. Damit ist dann wieder ein völkisches Narrativ, eine völkische und rassistische Idee aufgerufen, zu sagen, wir müssen uns als Volkskörper im Einklang mit der Natur rein halten, gleichzeitig verbunden mit einer gewissen Kritik an der Moderne. Ich persönlich finde [das Zitat] jetzt nicht so ansprechend, aber es kann sein, dass der ein oder andere Interesse daran und sich selbst darin wieder findet. Damit erfüllt es den erhofften Zweck, nämlich dass Leute auf die Straße gehen oder sich in irgendeiner Art und Weise aktivieren lassen.


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