Bayern 2 - Zündfunk

Roseanne for President? Die amerikanischen Grünen und der Sitcom-Star

Mit der Umweltbewegung steht es in den USA nicht zum Besten. Die Green Party kommt gerade mal auf auf 0,12 Prozent. Doch es könnten bald mehr werden, dank der schrillen Schaupielerin Roseanne. Präsidentschaftskandidatin ist aber eine andere geworden.

Von: Matthias Kolb Stand: 16.07.2012

"We signal to the world that we the people, the 99 per cent, have taken the stage once more in the United States of America and we won't rest until we turn the White House into a Green House."

Jill Stein, grüne US-Präsidentschaftskandidatin

Jill Stein hat viel vor: Die Ärztin aus Massachusetts tritt im November gegen Barack Obama und Mitt Romney an und möchte als Präsidentin das Weiße Haus in ein "Green House" verwandeln. In diesem Treibhaus gedeihen dezidiert linke Ideen: Die 62-jährige Stein hat oft bei den Versammlungen der Occupy-Bewegung gesprochen. Sie  positioniert die Grünen als "Anti-Wall-Street-Partei", sie will die Solarindustrie fördern und Marihuana legalisieren. Außerdem wollen die Greens den Militärhaushalt kürzen und mit dem eingesparten Geld Bildung, eine staatliche Krankenversicherung für alle sowie den "Green New Deal" finanzieren. Durch diesen milliardenschweren Investitionsplan sollen 25 Millionen Jobs entstehen, verspricht Stein. Die Wut auf den Zustand, in dem sich Amerika im Jahr 2012 befindet, hat die Schauspielerin Roseanne Barr motiviert, sich für die Grünen um das Präsidentenamt zu bewerben.

Schrill – grün - Roseanne

"I am an American citizen, that's who I am. An American citizen who is very very concerned about everything is upside down and makes absolutely no sense. That's who I am."

Roseanne

Roseanne, prominentes Grünen-Mitglied

Die Kandidatur der schrillen Roseanne, die in den Achtzigern durch die gleichnamige TV-Sitcom bekannt wurde, hat der Green Party viel Publicity beschert. Doch kurz nach Beginn des Parteitags teilte die 59-Jährige, die weniger Delegiertenstimmen als Stein erhalten hatte, per Tweet mit, dass sie nicht nach Baltimore reisen werde. In Roseannes Namen verlas ihre Wahlkampfmanagerin eine wütende Botschaft:

"Ich habe nicht als Promi kandidiert, sondern ich habe die Versammlung der Schwarzen in der Green Party vertreten. Jill Stein hat sich nie mit ihnen getroffen und tut so, als gäbe es sie nicht. Mich jetzt als Celebrity-Kandidatin zu beschimpfen, finde ich widerwärtig. Wenn ich ein Mann wäre, würde sich das niemand trauen."

Roseanne

Batik-Kunst und graue Haare

Jill Stein, grüne Präsidentschaftskandidatin

Die kritischen Worte Roseannes und der anschließende Trubel passen gut ins Milieu des Parteitags, der an die Treffen der bundesdeutschen Grünen in den Achtzigern erinnert. An Strategiediskussionen sind nur wenige der 300 Delegierten interessiert, sie reden lieber über lokale Projekte. Die meisten sind weiße linke Aktivisten oder Bürgerrechtler, ihre T-Shirts sind gebatikt oder mit Sprüchen wie "Let Cuba live" bedruckt. Viele haben graue Haare, wie der Mann, der in der Pause zum Mikrofon eilt: "Green grassroots are growing, the party's just begun, green grassroots are growing, come on let's have some fun.”

Doch auf den Gängen sind auch jüngere Gesichter zu sehen. Der Wahlkampfmanager ist erst 38 und hat es geschafft, dass die Partei in mindestens 21 Bundesstaaten Zuschüsse erhält und so eine Million Dollar für Wahlkampf zur Verfügung haben wird. Zum Vergleich: Romney und Obama sammeln wohl jeweils eine Milliarde Dollar an Spenden. Asher Platts aus Maine hat sich zunächst bei den Demokraten engagiert und für linke Kandidaten auf lokaler und auf Bundesebene Wahlkampf gemacht. Doch je mehr der 29-Jährige vom Politbetrieb mitbekam, umso größer wurde seine Abneigung.

"Ich habe ziemlich viel Korruption bei den Demokraten gesehen. Die Partei ist alles andere als transparent. Je genauer ich beobachtete, wer im US-Kongress für welches Gesetz stimmt, wurde mir immer klarer, dass die meisten  Abgeordneten den Lobbyisten der Ölindustrie, der Pharmabranche und der Versicherungswirtschaft aus der Hand fressen. Sie verabschieden keine Gesetze mehr, die das Leben der Bürger verbessern würden."

Asher Platts, Mitglied der US-Grünen

US-Medien ignorieren alternative Parteien

Asher Platts ist voller Optimismus, doch die Grünen liegen derzeit bei 0,12 Prozent

Asher vertritt in zwei Punkten eine typische Meinung. Es ist falsch zu glauben, dass eine Stimme für die Greens dem Republikaner Romney nützt und Obamas Wiederwahl gefährdet – die meisten Grünen-Wähler sind bisher einfach zu Hause geblieben. Der 29-Jährige klagt zudem über die US-Medien, die politischen Alternativen meist ignorieren. Es stimmt: In Baltimore waren etwa drei Dutzend Journalisten anwesend und knapp die Hälfte kam aus dem Ausland. Voller Optimismus präsentiert Asher eine Rechnung, weshalb es sich für die Grünen dennoch lohne, gegen die strukturellen Hindernisse anzukämpfen:

"Die Medien berichten immer, dass die Wahlen in Amerika knapp sind – etwa 50 Prozent für die Republikaner, 50 Prozent für die Demokraten. In Wahrheit gehen aber oft nur 40 Prozent zur Wahl, so dass es eher 20 Prozent für jede Partei sind. Weil die Kandidaten der anderen Parteien nicht an den Fernsehdebatten teilnehmen dürfen, wissen die Menschen gar nicht, dass es da draußen Politiker gibt, die sich um Themen kümmern, die sie wirklich betreffen. Wenn wir jeden zweiten Nichtwähler überzeugen könnten, dann könnten wir locker gewinnen."

Asher Platts, Mitglied der US-Grünen


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