Bayern 2 - Zündfunk

Occupy-Jahrestag Occubye?

Zu lieb, zu unorganisiert, zu spontan - immer mehr Stimmen werden am Jahrestag der Occupy-Bewegung laut, das es bald vorbei sein wird mit dem großen Protest. Zündfunk-Reporter Matthias Röckl schaut am Jahrestag auf den Ursprungsort der Bewegung, zur New Yorker Wall Street.

Von: Matthias Röckl Stand: 17.09.2012
Occupy New York Wall Street | Bild: picture-alliance/dpa

Zum ersten Mal haben die Occupy-Anhänger eine neue Strategie ausprobiert. Statt sich als großer Mob durch die engen Straßen zu wälzen, hat sich die Bewegung in kleine Gruppen aufgeteilt, die sich alle Richtung Wall Street aufgemacht haben.

Innerhalb einer Stunde wurden in der Nähe der Wall Street 15 Menschen von der Polizei festgenommen. Und wie immer bei Verhaftungen schreien die Protestler laut ihren Namen. Damit Anwälte, die am Straßenrand stehen, sich die Namen notieren und recherchieren können, was mit den Inhaftierten passiert, um sie schnell wieder auf freien Fuß zu bekommen.

Die Polizei greift bei den Leuten ein, die ein wenig aus der Reihe tanzen. Es gibt ja auch gewisse Regeln: Man soll als Demonstrant versuchen den Verkehr und die Gehwege nicht zu blockieren, damit die Anzugträger rechtzeitig zur Arbeit kommen. Dann wird aber oft jemand wahrlos verhaftet, obwohl die Demonstranten insgesamt einen ganz friedlichen Eindruck machen.

Occupy lebt

Wer nicht wirklich Teil von Occupy ist, erhält nur Informationen über die großen Märsche. So ergeht es auch den Medien - und auch den deutschen Medien. Daher gibt es immer wieder den Eindruck: Occupy ist eingeschlafen. Das stimmt so nicht - vor allem nicht auf lokaler Ebene. In New York gibt es sehr viele Initiativen, die versuchen in kleinen Gruppen lokal Probleme zu lösen. Und das findet in ganz Amerika statt.

Die Berichterstattung wird insgesamt sehr klein gehalten. Für die Medien ist es kein wirklich attraktives Thema. Das hängt damit zusammen, dass die Medien von dem "einen Prozent", gegen die demonstriert wird, gesponsert werden.

"Best Of" zum Jahrestag

Occupy hat keine gemeinsame Linie und das möchte die Bewegung auch gar nicht. Man möchte den Leuten beispielsweise nicht vorschreiben, ob sie wählen gehen sollen oder nicht. Viele Leute sind politikverdrossen und nehmen es Barack Obama übel, dass er bis heute die Banken nicht strenger reguliert hat.

Occupy ist auf jeden Fall lebendig. Zwischendurch im Winter ist die Bewegung mal kurz eingeschlafen, aber die Probleme sind immer noch die gleichen. Ihr Vorteil: die Bewegung ist international. Sie werden beeinflusst von den Entwicklungen in Griechenland, Spanien, Südamerika oder Studentenbewegungen auf der ganzen Welt. Der Jahrestag in New York war eine Art "Best Of" - da waren alle vertreten: die Spinner, mit ihren witzigen Schildern, die ernsten Gruppen, die sich um Umweltprobleme kümmern, aber auch ältere Menschen, die immer noch auf die Straßen gehen für ihre Überzeugungen. Und sie alle werden so schnell nicht verschwinden.


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