Die Parteitage der Demokraten und Republikaner Inszenierung ist Trumpf
Seit April weiß jeder, dass Mitt Romney Barack Obama herausfordern wird. Eigentlich beginnt der Wahlkampf erst richtig mit den conventions, den Nominierungsparteitagen. Matthias Kolb war in Tampa bei der convention der Republikaner und in Charlotte, wo die Demokraten für Obama werben.
"My name is Antonio Montoya, I am a delegate from the Iowa delegation. I gotta go now to college, I am 18 years old and very excited to be at my first national convention supporting president Barack Obama."
Antonio Montoya
Ausnahmezustand in Charlotte
Antonio Montoya fällt auf, selbst in einer Riesenhalle mit tausenden Delegierten: Der 18-Jährige trägt einen eindrucksvollen Afro, dazu ein lila T-Shirt und ein Holzfällerhemd. Antonio ist aus seiner Heimat Iowa im Norden nach Charlotte tief im Süden gereist, um US-Präsident Barack Obama zum Kandidaten der Demokraten zu wählen. Wegen der convention herrscht hier vier Tage lang Ausnahmezustand: die halbe Innenstadt von Charlotte ist abgesperrt, über den Hochhäusern kreisen Hubschrauber und alle Besucher werden gefilzt wie am Flughafen. Schon auf den Gängen wird klar, dass die Demokraten die Partei der Einwanderer sind: Jeder vierte Delegierte ist schwarz, ich höre viel spanisch. Antonio, der Student aus Iowa, hat sich sein Outfit genau überlegt:
"Auf meinem T-Shirt steht: Schwule und Lesben für Obama. Die Homo-Ehe und die Rechte von Frauen sind wichtige Themen bei dieser Wahl. Die Republikaner haben sich so weit nach rechts bewegt, es wäre schrecklich, wenn wir ihnen erlauben, auf unseren Bürgerrechten herumzutrampeln."
Antonio
Die Republikaner in Tampa
In der Woche zuvor hatten sich die Republikaner in Tampa versammelt, um Mitt Romney zu ihrem Kandidaten zu küren. Über Reizthemen wie Abtreibung und Homo-Ehe wurde in der Halle kaum diskutiert, zu groß ist die Sorge, dass ein Skandal die große Show überschatten könnte. Stattdessen schimpfen alle auf US-Präsident Obama oder preisen - wie Gattin Ann - den Investmentbanker Romney:
"This is the America we know because we built it. Look into your hearts. This is our country. This is our future. These our children and grandchildren. You can trust Mitt."
Ann Romney
Fast alle Delegierte bei der Convention der Republikaner sind weiß und alt. Nur durch Zufall treffe ich Evan Draim, er ist mit 17 Jahren der jüngste aller Delegierten. Seine Meinung ist eindeutig:
"Wenn die jungen Leute verstehen würden, wie verschieden die Vorstellungen von Obama und Romney sind, dann wäre das Rennen entschieden. Obama redet doch nur über soziale Themen wie den Krieg gegen Frauen, um vom Schuldenproblem abzulenken. Dabei herrscht doch Krieg gegen Studenten, denn das Geld unserer Generation wird ausgegeben, bevor es verdient wird."
Evan Draim
Es ist erstaunlich mitzuerleben, wie sehr alle Delegierten der Republikaner die Glaubenssätze der Tea Party nachbeten: Die Regierung ist schlecht, Politiker sind korrupt, Obama will die USA in den Sozialismus führen und je weniger Regeln es für Unternehmen gibt, umso besser. Auch Evan agiert wie ein Profi: Auf die Frage, ob die Parteien nicht besser gemeinsam nach Lösungen suchen sollten, geht der Schüler gar nicht ein. Stattdessen trägt er Sätze vor, die täglich auf Fox News zu hören sind:
"Die Demokraten sind doch nicht zu Kompromissen bereit. Die leben doch in einer Fantasiewelt, wenn sie denken, dass wir all das Geld ausgeben können, ohne künftige Generationen zu belasten. Firmen und Reiche stärken zu besteuern, ist keine Lösung. Steuererhöhungen würden nur die Politik des „starken Staats“ legitimieren. Ich glaube nicht, dass die Politiker und Bürokraten mit den Mehreinnahmen die Schulden abbauen würden. Sie würden es ausgeben und Feuer mit Feuer bekämpfen."
Evan
In Charlotte bei den Demokraten
Auf dem Parteitag der Demokraten steht natürlich auch die Inszenierung im Vordergrund: First Lady Michelle wurde wie ein Rockstar gefeiert, für die Lobeshymne auf ihren Ehemann. Heute Nacht wird Ex-Präsident Bill Clinton mächtig aufdrehen, doch entscheidend wird die Rede sein, die Barack Obama in der Nacht auf Freitag hält: Der Hoffnungsträger weiß: „Yes we can“, der Slogan von 2008, ist verbraucht und zieht nicht mehr bei mehr als acht Prozent Arbeitslosigkeit. Der Präsident braucht einen neuen Slogan, um die unentschlossenen Wähler zu überzeugen und seine Aktivisten zu motivieren. Antonio, der junge Latino aus Iowa, hat den Glauben an sein Idol noch nicht verloren:
"Ich habe schon früher Wahlkampf für Obama gemacht. Ich freue mich darauf, nach Hause zurückzukommen und alles dafür zu tun, damit der Präsident wiedergewählt wird."
Antonio

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